Können uns Bio-Lebensmittel tatsächlich vor Krebs schützen?

Gesunde Lebensmittel um ein Schneidebrett angeordnet

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Geringeres Krebsrisiko durch Bio-Nahrungsmittel?

Vor wenigen Monaten wurde eine Studie französischer Wissenschaftler veröffentlicht, die Meldungen zur Folge hatte, denen zufolge durch den hohen Verzehr von Bio-Lebensmitteln das Krebsrisiko deutlich gesenkt wird. Deutsche Experten erklären nun, wie sie die Studienergebnisse bewerten.


Ernährung hat Einfluss auf das Krebsrisiko

Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen haben Hinweise darauf geliefert, dass die Ernährung einen wichtigen Einfluss auf das Krebsrisiko hat. So stellten etwa US-amerikanische Wissenschaftler fest, dass eine hohe Aufnahme von verarbeitetem Fleisch, rotem Fleisch und zuckerhaltigen Getränken Krebs auslösen kann. Andererseits berichteten französische Forscher über ihre Studienergebnisse, denen zufolge Bio-Lebensmittel die Krebsgefahr senken. Deutsche Experten haben sich nun zu der französischen NutriNet-Santé-Studie geäußert.

Gesunde Lebensmittel um ein Schneidebrett angeordnet
Eine französische Studie hat Hinweise darauf geliefert, dass ein hoher Konsum von Biolebensmitteln die Krebsgefahr senken könnte. Doch an der wissenschaftlichen Untersuchung gibt es Kritik. (Bild: Alexander Raths/fotolia.com)

Geringerer Gehalt an chemischen Pflanzenschutzmitteln

Eine im Jahr 2018 im Fachblatt „JAMA Internal Medicine“ veröffentlichte Studie kommt zu dem Schluss, dass Personen, die reichlich Bio-Lebensmittel essen, über einen Zeitraum von knapp fünf Jahren ein um 25 Prozent geringeres Krebsrisiko haben als solche, die diese selten zu sich nehmen.

Ausgeprägt war dieser Zusammenhang bei Brustkrebs nach den Wechseljahren und Formen von Lymphknotenkrebs, den Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL), erklärt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer aktuellen Stellungnahme.

Das Forscherteam um Julia Baudry von der Universität Paris nimmt an, dass ein geringerer Gehalt an chemischen Pflanzenschutzmitteln in Produkten aus ökologischer Landwirtschaft das seltenere Auftreten von Krebs erklären kann.

Keine Rückschlüsse auf ursächliche Wirkungen

Wie das BfR schreibt, können epidemiologische Untersuchungen wie die von Baudry und ihrem Team zwar einen Zusammenhang statistisch zeigen, aber nicht ursächlich beweisen.

Das sieht auch Antje Gahl so. Die Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) erklärt im Interview auf DGE-Blog, warum Einzelstudien wie die NutriNet-Santé-Studie zwar Zusammenhänge aufzeigen, Rückschlüsse auf ursächliche Wirkungen aber trotzdem nicht getroffen werden können.

„Die Aussage, dass Bio-Lebensmittel an sich eine krebsrisikosenkende Wirkung haben, ist damit noch nicht bestätigt“, wird Gahl auf der Webseite der DGE zitiert.

Kritik an der Studie

Laut dem BfR zählen die große Teilnehmerzahl (fast 70.000 Personen) und das Berücksichtigen verschiedener Einflüsse auf das Krebsrisiko wie Geschlecht, Einkommen, Berufswahl und Rauchverhalten, zu den Stärken der Studie.

Doch sowohl das BfR als auch die DGE-Sprecherin weisen darauf hin, dass die Auswahl der Teilnehmer zu den Schwächen der Studie gehört.

„Hier kann bereits eine Verzerrung stattgefunden haben, indem vorwiegend Menschen mit gesundheitsbewusster Lebensweise freiwillig daran teilgenommen haben. Die Teilnehmer waren überwiegend weiblich, mit einem hohen Bildungsniveau und einem gesünderen Lebensstil“, erklärt Gahl.

„Diese Faktoren könnten bereits zu einem geringeren Vorkommen von Krebs führen“, so die Expertin.

Weitere Kritik, die auch in der DGEinfo-Ausgabe 03/2019 aufgelistet wird: Es wurde nicht untersucht, ob die Pestizidbelastung bei häufigem Verzehr von Biolebensmitteln tatsächlich geringer war als bei konventioneller Ernährung.

Zudem könnte die Selbstangabe über den Konsum von Biolebensmitteln durch ein bereits bestehendes positives Gesundheitsverhalten und sozioökonomische Faktoren beeinflusst worden sein.

Ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse

Um Krebs vorzubeugen, empfiehlt das BfR eine vielseitige, ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse.

Dem Institut zufolge ist es nachrangig, ob die Lebensmittel aus herkömmlicher oder ökologischer Erzeugung stammen.

Auch die „DGE rät zu einer überwiegend pflanzlichen Ernährungsweise – diese belastet die Umwelt und das Klima weniger als die durchschnittlich übliche Ernährungsweise in Deutschland“, erläutert Antje Gahl.

„Wer möchte, kann zudem Lebensmittel in Bio-Qualität kaufen. Der Bio-Landbau berücksichtigt neben den Aspekten des Umweltschutzes auch den Tierschutz“, so die DGE-Sprecherin. (ad)

Autor:
Alfred Domke
Quellen:

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.