Körperliche Bestrafung schadet Kindern und beeinflusst Entwicklung des Gehirns

Alexander Stindt

Wie wirkt sich körperliche Züchtigung auf Kinder aus?

Kindererziehung ist ein anstrengendes und kompliziertes Thema für alle Eltern. Forscher untersuchten jetzt, wie körperliche Bestrafung sich auf das Verhalten von Kindern auswirkt. Die Mediziner stellten dabei fest, dass körperliche Züchtigung dem Kind schaden und sogar die normale Entwicklung des Gehirns beeinflussen kann.


Die Wissenschaftler der American Academy of Pediatrics (AAP) stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass eine körperliche Bestrafung bei Kindern zu Aggressionen und anderen negativen Auswirkungen führt. Die Experten veröffentlichen ihre Forderung nach einem Verbot der körperlichen Bestrafung im Rahmen einer aktualisierten Grundsatzerklärung mit der Bezeichnung Effective Discipline to Rise Healthy Children in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Pediatrics“.

Kinder, die zu Hause gewalttätigen Eltern ausgeliefert sind, entwickeln oft selbst aggressives Verhalten. (Bild: highwaystarz/fotolia.com)

Körperliche Bestrafung beeinflusst Gehirnentwicklung

Auf lange Sicht führt eine körperliche Bestrafung bei betroffenen Kindern zu Aggressionen und hilft nicht Verantwortung und Selbstkontrolle zu erlernen. Die neuen Beweise deuten sogar darauf hin, dass diese Form der Bestrafung die normale Gehirnentwicklung beeinflusst. Andere Methoden der Erziehung sind sicherer und effektiver, wenn Kinder lernen sollen falsch von richtig zu unterscheiden, sagen die Mediziner. Die Experten befassten sich auch mit dem Schaden, der mit verbaler Bestrafung (Scham oder Demütigung) verbunden ist. Die AAP unterstützt die Aufklärung der Eltern über effektive Disziplinierungsstrategien, die angemessenes Verhalten vermitteln und das Kind und andere vor Schaden schützen sollen.

Schläge verbessern das Verhalten des Kindes nicht langfristig

Heute befürworten deutlich weniger Eltern die Anwendung von körperlicher Züchtigung, als es in der Vergangenheit der Fall war, sagen die Wissenschaftler. „Die körperliche Bestrafung bleibt jedoch in vielen Staaten legal, obwohl es Hinweise darauf gibt, dass Kinder verletzt werden – nicht nur körperlich und geistig, sondern auch hinsichtlich der Leistung in der Schule und der Interaktion mit anderen Kindern“, erklärt Studienautor Dr. Robert D. Sege in einer Pressemitteilung der American Academy of Pediatrics. Körperliche Bestrafung und harte verbale Misshandlungen können dazu führen, dass ein Kind kurzfristig ängstlich wird. Dadurch verbessert sich keinesfalls das langfristige Verhalten des Kindes, sondern Aggressionen werden noch verstärkt.

Körperliche Züchtigung machte Kinder aggressiver

Bei der Studie konnte festgestellt werden, dass Kinder im Alter von drei Jahren, die mehr als zweimal im Monat körperlich gezüchtigt wurden, im Alter von fünf Jahren wesentlich aggressiver waren. Im Alter von neun Jahren wiesen diese Kinder immer noch ein negatives Verhalten und niedrigere Werte für ein empfehlenswerte Vokabular auf. Forschungen haben gezeigt, dass das Schlagen, Anschreien und Beschämen eines Kindes die Stresshormone erhöhen und zu Veränderungen in der Architektur des Gehirns führen kann. Harte verbale Angriffe sind zusätzlich mit psychischen Problemen bei Kindern und Jugendlichen verbunden.

Belohnen Sie positives Verhalten von Kindern

Die Experten wollten mit ihrer Studie Familien dabei helfen, effektivere Maßnahmen zu entwickeln, welche Eltern dabei unterstützen, ein ruhiges und kontrolliertes Verhalten zu bewahren. Eltern sollten zudem eher positives Verhalten ihrer Kinder belohnen, anstatt zu Strafen zu greifen. Auch können im Voraus Regeln und Erwartungen aufgestellt werden, wobei der Schlüssel jedoch sei, dass sie konsequent durchgesetzt werden.

Positive Rollenmodellen und klaren Grenzen sind wichtig für Kinder

Die AAP empfiehlt, dass Kinderärzte ihren Einfluss wahrnehmen sollten, um Eltern mit altersgerechten Strategien für die Disziplinierung ihres Kindes zu helfen. Die Grundsatzerklärung umfasst auch Bildungsangebote, in denen Ärzte und Eltern gesunde Formen der Disziplin erlernen können. Natürlich wendet sich die AAP ebenfalls gegen eine körperliche Bestrafung in Schulen. Auf dieses Probleme gingen die Forscher bereits in einer separaten Grundsatzerklärung aus dem Jahr 2000 ein. Körperliche Züchtigung führt zu keinen Vorteilen und es ist bekannt, dass Kinder mit positiven Rollenmodellen und klaren Grenzen sorgenfreier aufwachsen und sich auch besser entwickeln, so das Fazit der Studienautoren. (as)