Kombination von Musik und Schmerzmitteln ermöglicht verbesserte Schmerzbehandlung

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Musik gegen Schmerzen?

Bei verschiedenen früheren Studien wurde bereits die therapeutische Wirkung von Musik untersucht. Forschende stellten jetzt fest, dass die Kombination von Musik mit einem von vier Schmerzmitteln eine vielversprechende Komplementär-Strategie zur Schmerzbehandlung ermöglicht.


Bei einer aktuellen Untersuchung der University of Utah konnte festgestellt werden, dass eine Kombination von Musik und Schmerzmitteln vorteilhaft bei der Behandlung von Schmerzen ist. Die Ergebnisse der Studie wurden in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Frontiers in Neurology“ veröffentlicht.

Musik kann Schmerzen lindern und so zusammen mit Medikamenten eine verbesserte Schmerztherapie ermöglichen. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)

Entzündungsschmerz konnte um 90 Prozent reduziert werden

Insbesondere eine Kombination von Ibuprofen und Musik verbesserte die analgetischen Ergebnisse in einem Mausmodell mit Entzündungsschmerz um mehr als 90 Prozent, während andere Kombinationen Entzündungen um 70 Prozent reduzierten. Die Arzneimittel funktionieren auch ohne die Musik, können aber Toxizität und Nebenwirkungen hervorrufen. Der Schlüssel liege darin, die richtigen Medikamente mit Musik zu kombinieren, wodurch weniger Medikamente für analgetische Wirkungen benötigt werden, berichten die Autoren der Studie.

Versuch fand an Mäusen statt

Die Forschenden bewerteten die neue Strategie anhand von zwei Schmerzmodellen. Ein Modell ahmt Entzündungsschmerzen (Carrageenan-Modell) und das andere Modell chirurgische Schmerzen (Plantarinzision) nach. Die Mäuse in der Studie wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Kontrollgruppe wurde Umgebungsgeräuschen ausgesetzt, während die Musikinterventionsgruppe 21 Tage lang drei dreistündige Abschnitte der Musik von Mozart hörte. Die Untersuchung wurde viermal durchgeführt, um die Paarung mit Ibuprofen (25 mg/kg), Cannabidiol (100 mg/kg), Levetiracetam (400 mg/kg) und dem Galanin-Analogon NAX 5055 (4 mg/kg) zu analysieren. Sowohl die Kontrollgruppe als auch die Musikgruppe erhielt von jedem Medikament eine suboptimale Dosis, um die analgetische Wirkung der Musik in den Schmerzmodellen bewerten zu können. In Verbindung mit Musik reduzierte Ibuprofen die Schmerzreaktionen im Entzündungsschmerzmodell um 93 Prozent, verglichen mit dem Medikament allein. Außerdem verringerten Musik und Cannabidiol oder NAX 5055 die Schwellung im Entzündungsschmerzmodell um 21 beziehungsweise 9 Prozent. Musik allein reduzierte auch die Schmerzen im Operationsschmerzmodell um 77 Prozent.

Weitere Forschung ist nötig

Es gibt immer mehr Beweise dafür, dass Musikinterventionen Schmerzen lindern können, wenn sie entweder allein oder in Kombination mit anderen Therapien angewendet werden. Es ist spannend, darüber nachzudenken, was dies für die entzündungshemmenden Wirkung von Musikinterventionen bedeuten könnte und wohin die aktuelle Forschung als nächstes führen wird, sagen die Autoren der Untersuchung. Die Studie untersuchte auch die Kombination von Musik mit verschiedenen Epilepsie-Medikamenten, aber das experimentelle Design war nicht ausreichend, um die Komplexität der Medikamentendosierung und der Verabreichung zur Bewertung dieser therapeutischen Strategie zu nutzen. Die Studie war auf zwei Schmerzmodelle beschränkt und untersuchte nicht die durch Nervenverletzungen verursachten Schmerzen (neuropathischer Schmerz). Darüber hinaus beschränkte sich der musikalische Eingriff bei der Studie auf Stücke von Mozart. Mäuse hören außerdem andere Frequenzen als Menschen und die Wirkung der Lautstärke oder Dauer der Musik bleibt unklar. Ob ähnliche Ergebnisse auch beim Menschen zutreffen könnten, muss durch weitere Forschung festgestellt werden. (as)