Lebenserwartung mit diesen Biomarkern abschätzbar

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Biomarker zeigen Gesundheit im Alter und Erkrankungsrisiko an

Anhand spezieller Biomarker lässt sich die Gesundheit im Alter, die Anfälligkeit älterer Menschen gegenüber Krankheiten und die Restlebensdauer abschätzen. Die Biomarker habe Forschende des Max-Planck-Instituts für Biologie des Alterns und des Leiden University Medical Center (LUMC) in einer aktuellen gemeinsamen Studie identifiziert.


Angaben zu der Gesundheit im Alter lassen sich bisher nur anhand der Kombination zahlreicher verschiedener Faktoren ermitteln, was im klinischen Alltag schwer nutzbar ist. Die Anfälligkeit älterer Menschen für Krankheiten anhand bestimmter Substanzen im Blut zu erkennen könnte die Möglichkeit bieten, erforderliche Behandlungen direkt auf den Gesundheitszustand der Betroffenen abzustimmen und einen wichtigen Schritt in Richtung individualisierte Medizin bilden. Hier sind die identifizierten Biomarker eine wegweisender Durchbruch. Die Ergebnisse der aktuellen Studie wurden in dem Fachmagazin „Nature Communications“ veröffentlicht.

Bestimmte Biomarker ermöglichen Rückschlüsse auf die Gesundheit im Alter und die verbleibende Lebenserwartung. (Bild: Mediteraneo/fotolia.com)

Blutproben von fast 45.000 Individuen untersucht

Den Alternsforscher des Max-Planck-Instituts für Biologie des Alterns und des Medical Center LUMC ist es gelungen, eine Kombination von Biomarkern im Blut zu identifizieren, anhand derer die Restlebensdauer und die Anfälligkeit älterer Menschen für Krankheiten abgeschätzt werden kann. Sie nutzten hierfür die Blutproben von 44.168 Individuen und suchten nach Biomarkern, die einen verlässlichen Hinweis geben, berichtet das Max-Planck-Institut in einer Pressemitteilung zu den Studienergebnissen.

Kombination aus 14 Biomarkern identifiziert

Nach umfangreichen Analysen identifizierten die Forschenden eine Kombination aus 14 Biomarkern, welche unter anderem verschiedene Aminosäuren, die Werte des LDL- und HDL-Cholesterins, den Fettsäurehaushalt und Entzündungsparameter umfassten. In anschließend Untersuchungen konnten sie zeigen, dass die Vorhersagegenauigkeit der 5- und 10-jährigen Mortalität auf der Grundlage der identifizierten Biomarker besser ist als bei Vorhersagen anhand konventioneller Risikofaktoren für die Mortalität.

Individualisierte Behandlung das Ziel

„Die blutbasierte Messung soll ein erster Schritt zu einer individuelleren Behandlung älterer Menschen sein“, betont die Studienleiterin Eline Slagboom. Ziel sei es, das biologische Alter zu bestimmen, denn das kalendarische Alter sage nicht viel über den allgemeinen Gesundheitszustand älterer Menschen aus. „Ein 70-Jähriger ist gesund, während ein anderer bereits an drei Krankheiten leiden kann“, verdeutlicht die Studienleiterin. Mit den jetzt identifizierten Biomarkern stehe jedoch in Zukunft ein Instrument zur Verfügung, um gefährdete ältere Menschen zu ermitteln und dann entsprechend behandeln zu können.

Biomarker vielseitig in Studien nutzbar

Auch seien die Biomarker möglicherweise für Studien an Tieren und Menschen gleichermaßen nutzbar, berichten die Forschenden weiter. Bisher habe sich die Grundlagenforschung bei den molekularen Ursachen des Alterns in der Regel auf Modellorganismen wie Würmern, Fruchtfliegen oder Mäuse konzentriert. „Die Alterungsforschung in Modellorganismen ist der Forschung am Menschen einen Schritt voraus (und) um dieses Wissen zu nutzen, brauchen wir Instrumente, mit denen wir Vergleiche zwischen Humanstudien und Tierversuchen ziehen können“, erläutert die Studienleiterin.

Nun sei eine Reihe von Biomarkern im menschlichen Blut identifiziert, die parallel in klinischen Studien und in der Alterungsforschung an Tieren eingesetzt werden könnten. Die Marker seien auch ein Ausgangspunkt für parallele Studien in Modellorganismen. Derzeit wird jedoch noch untersucht, ob die identifizierten Biomarker in typischen Tiermodellen wie beispielsweise bei Mäusen vorkommen. (fp)

Autor:
Dipl. Geogr. Fabian Peters
Quellen:
  • Max-Planck-Gesellschaft: Biomarker verraten Gesundheit im Alter (veröffentlicht 20.08.2019), mpg.de
  • Joris Deelen, Johannes Kettunen, P. Eline Slagboom: A metabolic profile of all-cause mortality risk identified in an observational study of 44,168 individuals; in Nature Communications, Volume 10, Article number: 3346 (2019) , nature.com

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.