Luftverschmutzung so schädlich wie täglich eine Packung Zigaretten

Ärztin zeigt einem hustenden Patienten eine Röntgenaufnahme

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen ansehen

Luftverschmutzung erhöht die Gefahr für Lungenerkrankungen

Eine Langzeitbelastung durch Luftverschmutzung ist in Bezug auf Lungenerkrankungen ebenso schädlich, wie das tägliche Rauchen einer Packung Zigaretten über Jahre.


Bei der aktuellen Untersuchung der University of Washington wurde festgestellt, dass die negativen gesundheitlichen Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die Lunge vergleichbar mit denen des Konsums von einer täglichen Packung Zigaretten sind. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem englischsprachigen Fachblatt „Journal of the American Medical Association“ publiziert.

Ärztin zeigt einem hustenden Patienten eine Röntgenaufnahme
Husten und Lungenerkrankungen können unterschiedliche Ursachen haben. Die immer weiter zunehmende Luftverschmutzung ist hierbei ein nicht zu unterschätzender Faktor. (Bild: Elnur/fotolia.com)

Über 7.000 Menschen wurden für die Studie untersucht

Die Forschenden analysierten, wie sich die Exposition gegenüber vier Hauptschadstoffen auf die Lungengesundheit auswirkt. Dafür untersuchten sie 7.071 Erwachsene im Alter von 45 bis 84 Jahren, welche in sechs unterschiedlichen US-Städten lebten. Sie haben dafür die Feinstaub-, Stickoxid-, Ruß- und Ozonwerte außerhalb der Wohnungen der Teilnehmenden gemessen und CT-Scans durchgeführt, um die Entwicklung von Emphysemen (Zerstörung der Lungenbläschen, typisch bei COPD) und Lungenverfall zu verfolgen.

Emphyseme durch Luftverschmutzung?

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) wird als die dritthäufigste Todesursache weltweit angesehen. Nach einer Beobachtung der Teilnehmenden über einen Zeitraum von durchschnittlich zehn Jahren stellten die Forschenden fest, dass eine langfristige Exposition gegenüber allen Schadstoffen mit einem erhöhten prozentualen Anteil an Emphysemen verbunden ist. Die stärkste Assoziation wurde mit sogenanntem bodennahen Ozon festgestellt, welches auch mit einer Abnahme der Lungenfunktion verbunden war. In Gebieten mit erhöhtem Ozonspiegel stellten die Forschenden einen Anstieg der Emphyseme fest, der ungefähr dem bei Konsum von einer Packung Zigaretten pro Tag für einen Zeitraum von 29 Jahren entsprach. Es war überraschend zu sehen, wie stark sich die Luftverschmutzung auf das Fortschreiten des Emphysems bei Lungenscans auswirkte, berichten die Forschenden. Die Auswirkungen waren vergleichbar mit denen des langjährigen Zigarettenrauchens, der bekanntesten Ursache für ein Emphysem.

Weitere Forschung ist nötig

Es muss ein besseres Verständnis dazu entwickelt werden, was genau chronische Lungenkrankheiten verursacht. Es scheint, dass die Belastung durch die Luftverschmutzung einen wesentlichen Ateil daran hat, erklärt die Forschungsgruppe. Die Forschenden nehmen zudem an, dass das Niveau weiter ansteigen wird, wenn nicht Schritte unternommen werden, um die Emissionen fossiler Brennstoffe zu verringern und den Klimawandel einzudämmen. Sie betonen, dass es bislang nicht klar sei, welche Luftschadstoffkonzentrationen für den Menschen ungefährlich sind. (as)

Autor:
Alexander Stindt
Quellen:
  • Meng Wang, Carrie Pistenmaa Aaron, Jaime Madrigano, Eric A. Hoffman, Elsa Angelini et al.: Association Between Long-term Exposure to Ambient Air Pollution and Change in Quantitatively Assessed Emphysema and Lung Function, in Journal of the American Medical Association (Abfrage: 14.08.2019), JAMA