Medizinische Seltenheit: Ärzteteam deckt neue Art von Zwillingen auf

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Zwillinge, die weder eineiig noch zweieiig sind

Zum ersten mal in der Geschichte der Medizin entdeckte ein Ärzteteam eine extrem seltene Form von menschlichen Zwillingen bereits während der Schwangerschaft. Diese sind weder eineiig noch zweieiig, sondern halb-identisch. Weltweit ist nur ein weiteres Zwillingspaar dieser Art bekannt. Was diese Zwillinge so besonders macht, erklären das Medizinerteam, das Mutter und Zwillinge betreute.


Halb-identische Zwillinge entstehen, wenn zwei Spermien zur gleichen Zeit eine Eizelle befruchten. Gewöhnlich führt dies dazu, dass sich die Eizelle nicht weiterentwickelt. Doch in diesem extrem seltenen Fall überlebten die halb-identischen Zwillinge und sind mittlerweile vier Jahre alt. Diese medizinische Sensation wurde kürzlich im „New England Journal of Medicine“ beschrieben.

Medizinische Forschende entdecken eine neue Art von Zwillingen. Die halb-identischen Zwillinge bilden die dritte Art, wie Zwillinge entstehen können. (Bild: Sebastian Kaulitzki/fotolia.com)

Was den Fall so besonders macht

Der Fall aus dem australischen Brisbane sorgte weltweit für Aufmerksamkeit. Zum ersten mal konnten Mediziner verfolgen, wie sich zwei Embryonen aus drei Erbanlagen entwickeln. Bei einer normalen Geburt teilt sich das Embryo das Erbgut von Mutter und Vater zu gleichen Teilen. Bei eineiigen Zwillingen teilt sich das Embryo nach der Befruchtung in zwei komplett identische Teile auf. Wenn zweieiige Zwillinge entstehen, lagen bei der Mutter zwei Eizellen vor, die von verschiedenen Spermien befruchtet wurden.

Zwillinge aus drei Erbanlagen

Mit diesen Besonderheiten kann die Natur umgehen. Befruchten allerdings zwei Spermien gleichzeitig eine Eizelle kommt es zum Sonderfall. Es liegt nun zwei Mal das Erbgut des Vaters vor und einmal das Erbgut der Mutter. „Drei Sätze von Chromosomen sind in der Regel nicht mit dem Leben kompatibel und Embryonen überleben normalerweise nicht”, erklärt Dr. Michael Gabbett in einer Mitteilung. Als klinischer Genetiker und Koordinator für diagnostische Genomik des Institute of Health and Biomedical Innovation untersuchte er den außergewöhnlichen Fall.

Erstauntes Ärzteteam

„Der Ultraschall der Mutter zeigte nach sechs Wochen eine einzige Plazenta“, so Gabbett. Zuerst vermuteten die Ärztinnen und Ärzte, dass es sich um eineiige Zwillinge handelt. In der 14. Schwangerschaftswoche stellte sich jedoch heraus, dass einer der Zwillinge weiblich und der andere männlich ist. Bei identischen Zwillingen ist dies jedoch nicht möglich.

Gleiches Erbgut der Mutter – unterschiedliches vom Vater

Deshalb wurde bereits im Mutterleib die DNA der Zwillinge untersucht. Dabei stellten die Mediziner fest, dass sich die Embryonen zu 100 Prozent das Erbgut der Mutter teilten. Von väterlicher Seite bekamen die Geschwister allerdings unterschiedliche Erbinformationen. Somit bilden die halb-identischen Zwillinge eine dritte und extrem seltene Art der Zwillingsentstehung.

Erstmals in den USA entdeckt

Erstmals wurde diese Art von Zwillingen in den USA im Jahr 2007 entdeckt. Sie vielen im Säuglingsalter auf, da einer der Zwillinge kein eindeutiges Geschlecht besaß. Nach einer genetischen Untersuchung kam auch hier heraus, dass die DNA der Zwillinge auf mütterlicher Seite identisch war, sie sich aber nur rund die Hälfte der väterlichen DNA teilen.

Nur zwei halb-identische Zwillingspaare weltweit bekannt

Da dieser Fall nun zwei mal bekannt wurde, fragte sich das Ärzteteam, ob es noch mehr solcher halb-identischen Zwillinge gibt. Sie untersuchten eine Datenbank mit genetischen Daten von 968 Zwillingen und ihren Eltern, konnten jedoch keinen weiteren Fall entdecken. Somit sind die halb-identischen Zwillinge und die aus den USA die weltweit einzigen bekannten Zwillingspaare dieser Art. (vb)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.