Millionen ältere Menschen erleiden unbemerkte Schlaganfälle nach Operationen

2 Personen im OP

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen ansehen

Erhöhen Operationen bei älteren Menschen das Risiko für Schlaganfälle?

Sogenannte verdeckte Schlaganfälle, welche nur bei einem Scan des Gehirns offensichtlich werden, treten bei Menschen im Alter von über 65 Jahren häufig nach einer Operation auf. Forschende fanden heraus, dass jedes Jahr Millionen ältere Menschen einen solchen verdeckten Schlaganfall erleiden.


Bei der aktuellen Untersuchung der NeuroVISION-Forschungsgruppe wurde festgestellt, dass bis zu drei Millionen Menschen im Alter über 65 Jahren jedes Jahr nach einer Operation einen stillen Schlaganfall erleiden. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem englischsprachigen Fachblatt „The Lancet“ publiziert.

2 Personen im OP
Operationen erhöhen bei älteren Menschen das Risiko für stumme Schlaganfälle erheblich. (Bild: alfa27/fotolia.com)

Stumme Schlaganfälle häufiger als normale Schlaganfälle?

Die Forschenden von NeuroVISION fanden heraus, dass einer von 14 Patienten postoperativ einen stillen Schlaganfall erlitt. Basis der Untersuchung waren die Daten von mehr als 1.000 Menschen in Nord- und Südamerika, Asien, Neuseeland und Europa. Das Ergebnis deutet darauf hin, dass Millionen Menschen im Alter über 65 Jahren pro Jahr einen stummen Schlaganfall erleiden. Eine Operation belastet den Körper von älteren Personen besonders stark und erhöht das Risiko kleiner, oft nicht diagnostizierter Schlaganfälle. Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass stumme Schlaganfälle bei operierten Menschen im Alter über 65 Jahren häufiger auftreten als die tatsächlich diagnostizierten Schlaganfälle.

1.114 Menschen nahmen an der Studie teil

Die Studie basierte auf 1.114 Patienten, welche sich zwischen März 2014 und Juli 2017 einer elektiven (geplanten), nicht kardialen Operation unterzogen hatten. Alle Teilnehmenden wurden innerhalb von neun Tagen nach der Operation mittels MRT untersucht, um Hinweise auf einen stummen Schlaganfall aufzudecken. Sieben Prozent der Teilenhmenden (78 Personen) erlebten einen solchen verdeckten Schlaganfall. Die Teilnehmenden wurden zudem für einen Zeitraum von einem Jahr nach ihrer Operation medizinisch überwacht, um so ihre kognitiven Fähigkeiten zu bewerten.

Gefahren nach einem stummen Schlaganfall

Wenn die Teilnehmenden nach ihrer Operation einen stummen Schlaganfall erlitten, war die Wahrscheinlichkeit eines kognitiven Rückgangs, eines Delirs, eines offenen Schlaganfalls oder eines Mini-Schlaganfalls innerhalb eines Jahres um 13 Prozent erhöht, berichtet die Forschungsgruppe. Die Studie biete wichtige Einblicke in die Entwicklung von vaskulären Hirnverletzungen nach Operationen und unterstreiche die Bedeutung der Gefäßgesundheit für den kognitiven Rückgang. Die Ergebnisse sind wichtig für den medzinischen Alltag und das Problem unentdeckter Schlaganfälle nach Operationen sowie der darausfolgende kognitive Rückgang müsse in Zukunft verstärkt in den Fokus gerückt werden, erklären die Forschenden. (as)

Autor:
Alexander Stindt
Quellen:
  • The NeuroVISION Investigators, Perioperative covert stroke in patients undergoing non-cardiac surgery (NeuroVISION): a prospective cohort study, in The Lancet (Abfrage: 16.08.2019), The Lancet