Muskelzuckungen: Ist häufiges Zucken der Muskeln im Schlaf ein Krankheitssymptom?

Alfred Domke

Muskelzucken beim Träumen: Auch gesunde Schläfer bewegen sich mehr als angenommen

Dass Babys im Schlaf zucken ist vor allem für Eltern nichts Neues. Doch auch Erwachsene bewegen sich während der Nachtruhe – und zwar deutlich mehr als bislang gedacht. Das haben Forscher nun herausgefunden. Muskelzuckungen während des Träumens können allerdings Vorboten neurodegenerativer Erkrankungen sein.


Muskeln zucken im Schlaf alle sechs Minuten

In einer Studie von Wissenschaftlern der Medizinischen Universität Innsbruck hat sich gezeigt, dass sich auch gesunde Menschen im Schlaf mehr bewegen als gedacht. Laut der Forschergruppe, die vom österreichischen Wissenschaftsfonds FWF unterstützt wurde, seien zehn kleinere Bewegungen pro Stunde (also im Durchschnitt alle sechs Minuten) normal. Allerdings können Muskelzuckungen während des Träumens auch Vorboten neurodegenerativer Erkrankungen sein, heißt es in einem Beitrag von „scilog“, dem Magazin des FWF.

In einer neuen Studie hat sich gezeigt, dass sich auch gesunde Menschen ohne Schlafstörungen im Schlaf mehr bewegen als bislang gedacht. (Bild: fizkes/fotolia.com)

Datenlage war bis vor kurzem veraltet

Laut den Forschern war lange nicht genau definiert, wie viel Bewegung im gesunden Schlaf steckt.

Wie Birgit Högl, Leiterin des Schlaflabors an der Universitätsklinik für Neurologie der Medizinischen Universität Innsbruck, erklärt, war die Datenlage hierfür bis vor kurzem großteils veraltet.

„Was wir über ‚normale‘ Bewegungen im Schlaf wissen, stammt zum Teil immer noch aus der Zeit, als die schlafende Person durch ein Fenster beobachtet und handschriftliche Protokolle angefertigt wurden“, erläutert Högl im Online-Magazin „scilog“.

„Aufgezeichnet wurden nur sichtbare und starke Bewegungen wie Umdrehen, Zuckungen oder heftiges Ausschlagen“, so die Expertin.

„Für die Diagnose einer Schlafstörung werden heute im Labor Hirnstromkurven, Augenbewegungen, Muskelspannung an Kinn, Armen und Beinen, verschiedene Atmungsparameter, EKG, Ton und Infrarot-Video simultan aufgezeichnet.“

Im Projekt „Motorische Aktivität im Schlaf in Gesundheit und Krankheit“ wurden nun Normwerte für physiologischen Schlaf erhoben.

Hundert Frauen und Männer mit gesundem Schlaf untersucht

Weil sich viele Schlafstörungen in ungewöhnlich bewegtem Schlaf manifestieren, stand das Normalmaß an motorischer Aktivität im Fokus dieses klinischen Grundlagenprojekts, das vom FWF unterstützt wurde.

Insgesamt wurden 100 „gesunde Schläferinnen und Schläfer“ zwischen 19 und 77 Jahren im Schlaflabor untersucht.

Bei den Testpersonen waren zuvor klinisch relevante Schlafstörungen wie beispielsweise Einschlaf- und Durchschlafschwierigkeiten, Restless-Legs-Syndrom, Schlafwandeln, Ausagieren von Träumen, Narkolepsie oder andere Erkrankungen mit übermäßiger Einschlafneigung tagsüber, Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus oder Hinweise auf Störung der Atmung im Schlaf ausgeschlossen worden.

Mehr Muskelzuckungen bei Männern

Wie es im „scilog“-Beitrag heißt, sind die Muskeln bei gesunden Menschen während der Traumphase (REM-Schlaf) sinnvollerweise lahmgelegt, da sie sonst sich und andere beim Ausagieren des Geträumten in Gefahr bringen würden.

Den Angaben zufolge hat das Forscherteam durch die präzisen Messungen viel darüber gelernt, was alles in die Kategorie „normal“ fällt.

„Auch supergesunde Schläfer bewegen sich in der Nacht mehr, als wir angenommen haben“, so Birgit Högl im Gespräch mit „scilog“.

Die Wissenschaftler haben bei den Gesunden im REM-Schlaf (Träumen) und im Non-REM-Schlaf mehrere Muskelzuckungen pro Stunde gemessen – bei Männern noch mehr als bei Frauen.

Die klinische Bedeutung kleiner unregelmäßiger Muskelzuckungen, die sich im Video und den Muskelableitungen zeigen, ist noch unklar. Möglicherweise hängen sie einfach mit der Tagesverfassung zusammen.

Vorboten neurodegenerativer Erkrankungen

Umgekehrt sind Muskelbewegungen während der Traumphase Vorboten neurodegenerativer Erkrankungen wie etwa Parkinson.

Den Angaben zufolge tritt diese Schlafstörung im Schnitt mehr als zehn Jahre vor anderen körperlichen Symptomen auf.

Laut „scilog“ weisen neuere Studien darauf hin, dass die REM-Schlafstörung bei bis zu sechs Prozent der über 50-Jährigen vorkommt. (ad)