Was steckt hinter der mystischen Krankheit X? Wenn eine unbekannte Seuche zur Pandemie wird

Krankheit X- Wenn die tödliche Seuche kommt

Die Weltgesundheitsorganisation listet die „Krankheit X“ als „Epidemie der Zukunft“. Krankheit X heißt sie, weil es sie noch nicht gibt, sie sich aber als neue Seuche entwickeln könnte – zum Beispiel als Mutation bestehender Grippeviren. Gefährlich kann die Infektionskrankheit werden, wenn keine Behandlungsmöglichkeiten existieren.


Gefahr durch neue Seuchen?

In der Vergangenheit töteten neue oder zuvor unbekannte Erreger hunderte von Millionen Menschen. Grippeviren gehören zu den Plagen, die sich am schnellsten verändern, und die Wissenschaft steht ständig im Wettkampf, um die Impfstoffe den Mutationen anzupassen. Veränderte Grippeviren gehören zu den Krankheiten, die global am meisten Menschen dahinrafften.

Mutierte Grippeviren sind eine Möglichkeit, wie eine Pandemie der Zukunft entstehen könnte. Die Spanische Grippe forderte in weniger als drei Jahren bis zu 50 Millionen Todesopfer. (Bild: abhijith3747/fotolia.com)

Die Spanische Grippe

Ein mutierter Grippevirus, die „spanische Grippe“ kostete zwischen 1918 und 1920 rund 25 bis 50 Millionen Menschen das Leben. Typisch waren ihr schneller Verlauf und eine blutige Lungenentzündung sowie die extrem hohe Sterberate, so dass Ärzte zuerst an eine neue Form der Pest dachten. Erst 1933 stellte sich heraus, dass es sich um Grippe handelte.

Keine Therapien

Am gefährlichsten sind Infektionskrankheiten gegen die es keine Mittel gibt, um sie zu bekämpfen – oder zumindest keine hinreichenden. Manche Schrecken der Vergangenheit sind durch Impfstoffe ausgerottet wie die Pocken. Oder sie wurden durch Impfungen unter Kontrolle gebracht, wie die Tollwut. Marburg-Virus, Lassa-Fieber oder Zika-Virus zählen hingegen zu den Seuchen, gegen die die Medizin bis heute fast machtlos ist. Als potenzielle große Gefahr bei einem möglichem Ausbruch sieht die WHO die „Krankheit X“.

Mutierte Erreger

Auch neue Formen der Geflügelpest diskutieren Wissenschaftler als mögliche Krankheit X. Zwar betrifft die derzeitige Form Tiere und nicht Menschen. Das ist aber keine Entwarnung, denn die meisten tödlichen Seuchen in der Geschichte der Menschheit entstanden durch mutierte Erreger von Tierseuchen, die sich an den Menschen anpassten.

Unbekannte Gefahren

Weitere Kandidaten für eine Krankheit X sind bisher unbekannte Erreger, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden können, mit denen Menschen aber bisher noch nicht in Berührung kamen. Das könnten Bakterien, Viren oder Pilze sein, die in der Arktis, der Tiefsee oder im Regenwald lauern. Ein solcher Typus ist zum Beispiel das Ebolavirus.

Welchen Sinn hat die fiktive „Krankheit X“?

Wenn sich ein bisher unbekannter Erreger ausbreitet, hat er selbst in der modernen Medizin den Vorteil der Zeit. Er kann eine Epidemie auslösen, bevor die Wissenschaft auch nur weiß, um was es sich handelt. Er ist seinen Feinden – der Medizin – also immer um einige Schritte voraus. Mögliche Szenarien künftiger Pandemien zu entwerfen, soll dem vorbeugen. Wenn bereits vorher eine Infrastruktur der Forschung und Intervention besteht, lässt sich im Ernstfall schneller diagnostizieren, Impfstoffe lassen sich zügig herstellen und Medikamente bereit stellen – so die Hoffnung.

Gefahr erkannt – wenn möglich gebannt

Heute schätzen Forschende bei einer neu auftretenden Krankheit als erstes ein, wie gefährlich sie wird. Dafür dienen die Sicherheitsstufen BL 1 bis BL 4. BL 4 ist höchste Alarmstufe – zum Beispiel bei Ebola. Dann werden die Proteine untersucht. An diesen lässt sich erkennen, zu welcher Gruppe von Krankheiten der Erreger gehört – und dann können sie Gegenmittel entwickeln.

Jedes Jahr eine neue Infektionskrankheit

In Deutschland entdecken Wissenschaftler pro Jahr im Schnitt eine zuvor unbekannte Infektionskrankheit. Das hat vor allem mit der immer besser werdenden Diagnostik zu tun.

Warum können sich heute Krankheiten schnell verbreiten?

Ein Grund, warum sich Krankheiten heute schnell ausbreiten können, ist das Wachstum der Weltbevölkerung und die Landflucht. In einem Jahrhundert vervierfachte sich die Zahl der Menschen, die jetzt immer näher zusammen rücken. In Afrika, Asien und Lateinamerika entstehen so gigantische Slums, oft ohne Kanalisation – ein Paradies für Erreger. Auch Schlachthöfe verbreiten Tierseuchen, die auf Menschen überspringen.

Es gibt keine weißen Flecken mehr

Der Pesterreger lebte unter Nagetieren der Steppen Zentralasiens seit uralten Zeiten. Unter den Kleingruppen der Steppennomaden löste er aber keine Epidemien aus. Als er jedoch die Ratten in den dicht besiedelten Städten befiel, tötete die Pest Millionen. Heute erreichen Menschen die entferntesten Ecken der Erde und kommen so in Kontakt mit Erregern, die Tiere und Pflanzen befallen. So tauchten die Affenpocken in Afrika nur dort auf, wo die Menschen den Wald rodeten.

Globalisierte Viren

Die Globalisierung führt dazu, dass Menschen aus der ganzen Welt in der ganzen Welt aktiv sind und mit ihnen die Warenströme. Als blinde Passagiere reisen dabei auch immer Viren, Bakterien und Pilze mit.

Keine Gefahr dank moderner Medizin?

So falsch Panikmache ist, so falsch ist es auch, sich in Sicherheit zu wiegen, weil die moderne Medizin Viren und Bakterien ungleich besser bekämpft als die Medizin im Mittelalter. Mikroben können ganze Völker ausrotten, nicht nur bei medizinischen Stümpern. Die Medizin der Maya, die Medizin der Inka oder Azteken war weit entwickelt – aber gegenüber den aus Europa eingeschleppten und unbekannten Erregern machtlos. 90 Prozent der Ureinwohner Amerikas starben an europäischen Seuchen – eine der größten Katastrophen in der Geschichte des Homo Sapiens. (Dr. Utz Anhalt)