Nach der Grippewelle ist vor Grippewelle – jetzt Schutzmöglichkeiten nutzen

Volker Blasek

Wer sich vor Influenza schützen will muss jetzt aktiv werden

334.000 labordiagnostisch bestätigte Grippefälle mit Influenza-Viren wurden vergangenen Winter 2017/2018 gemeldet. Knapp 60.000 Menschen mussten stationär in Krankenhäusern behandelt werden. Bei 1.665 Personen endete die Infektion tödlich – so hart traf die Grippewelle Deutschland. Um diese schwere Infektionswelle nicht zu wiederholen, informiert das Robert Koch-Institut (RKI) nun rechtzeitig über geeignete Maßnahmen zur Meidung.


Der aktuelle Saisonbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) des Robert Koch-Instituts mit seinen umfangreichen Auswertungen zeigt, wie außergewöhnlich schwer die letzte Grippewelle gewütet hat. Insbesondere ältere und geschwächte Personen können einen schweren Verlauf entwickeln, der nicht selten tödlich endet. Aus diesem Grund sollten besonders gefährdete Personengruppen jetzt angemessene Schutzmaßnahmen ergreifen, rät das RKI.

Eine Grippeimpfung zählt nach Angaben des Robert Koch-Instituts zu den effektivsten Abwehrmethoden gegen Influenza-Viren. Besonders ältere Menschen, Schwangere, chronisch Kranke und medizinisches Personal sollte nach RKI-Empfehlung von dieser Impfung Gebrauch machen. (Bild: eyeQ/fotolia.com)

Neun Millionen Arztbesuche wegen Grippe

Die letzte Grippewelle forderte nicht nur unzählige Opfer, sie führte auch den gesamten Krankenversorgungsapparat an seine Grenzen. „So gab es zum Beispiel geschätzte neun Millionen influenzabedingte Arztbesuche“, berichten RKI-Experten. Dies seien zwei Millionen mehr als in den Grippesaisons 2012/13 und 2014/15, die ebenfalls schon als besonders stark galten.

RKI Präsident ruft zur besseren Nutzung der Schutzmaßnahmen auf

„Die Schutzmöglichkeiten müssen besser genutzt werden“, mahnt RKI-Präsident Lothar H. Wieler in einer Pressemitteilung. Eine Impfung gegen Grippe sei trotz saisonabhängiger Wirksamkeit die wichtigste bekannte Schutzmaßnahme. Außerdem empfiehlt der RKI-Präsident das regelmäßige und richtige Händewaschen mit Seife, damit Krankheitserreger an den Händen nicht in den Organismus gelangen. Auch sei es ratsam, Erkrankten gegenüber Abstand zu halten, um das Infektionsrisiko zu senken.

Für wen ist eine Impfung ratsam?

Auch wenn die Impfung keinen hundertprozentigen Schutz bietet, so ist sie laut RKI-Angaben die derzeit effektivste Maßnahme gegen die aggressiven Viren. „Mit keiner anderen Impfung lassen sich hierzulande mehr Leben retten“, betont Wieler. Nach Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) sollten sich folgende Personengruppen gegen Influenza-Viren impfen lassen:

  • Alle Personen, die über 60 Jahre alt sind,
  • chronisch Kranke jeden Alters,
  • Schwangere,
  • Medizin- und Pflegepersonal.

Grippe wird immer noch unterschätzt

Viele Personen verwechseln eine ernste Grippe mit einer Erkältung (grippaler Infekt). Die niedrigen Impfquoten zeigen, dass die echte Grippe zu häufig auf die leichte Schulter genommen werde. Wie das RKI berichtet, waren in der Grippesaison 2016/2017 61,4 Prozent aller Ärzte geimpft. Beim Pflegepersonal, in therapeutischen Berufen und in der Altersgruppe über 60 Jahre war lediglich eine von drei Personen geimpft.

Auch die Altersgruppe ab 35 Jahren ist häufig betroffen

Wie die Auswertungen des RKI zeigen, war die Belastung, die eine Grippewelle auf das gesamte Wirtschafts- und Gesundheitssystem ausübt, noch nie so hoch wie in der letzten Saison. Besonders stark war laut RKI-Angaben auch die Altersgruppe ab 35 Jahren betroffen. Insgesamt sorgten rund 5,3 Millionen Krankschreibungen für massive wirtschaftliche Schäden. Auch die Krankenhäuser kamen an ihre Grenzen. Auf den Intensivstationen mussten deutlich mehr Patienten mit schweren akuten respiratorischen Erkrankungen aufgenommen werden, als in den vorherigen Jahren.

Warum wirkte der Impfstoff der letzten Saison nicht effektiv?

Das Nationale Referenzzentrum für Influenza am RKI untersucht und charakterisiert die vorherrschenden zirkulierenden Influenza-Viren anhand der Proben von Erkrankten. So stellte sich in der letzten Saison heraus, dass bereits von Beginn an das Influenza-B Virus der sogenannten Yamagata-Linie dominierte. Die Impfung gegen diesen Virustyp wurde nicht von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlen und somit wurde der entsprechende Schutz auch nicht in die Standard-Impfung aufgenommen.

Der kommende Impfstoff soll besser wirken

Im Januar 2018 veröffentlichte die STIKO eine Empfehlung für den sogenannten Vierfachimpfstoff, der den Schutz gegen Influenza-B Viren verbessern soll. „Da die Produktion von Grippe-Impfstoffen mehrere Monate in Anspruch nimmt, können die Hersteller diese Empfehlung für die kommende Saison erstmals berücksichtigen“, erläutern die RKI-Experten. Allerdings sei eine Influenzaimpfung auch bei guter Übereinstimmung mit den zirkulierenden Viren nicht so effektiv wie andere Impfungen. Dennoch könnte rund jeder zweite Geimpfte im Alter über 60 Jahre von einer Infektion verschont bleiben. Aufgrund der Häufigkeit der Krankheitsfälle könnten so tausende Infektionen und Todesfälle verhindert werden, resümieren die RKI-Wissenschaftler und Mediziner.

Vierfachimpfstoff wird nun von den Krankenkassen übernommen

Nach den Empfehlungen der STIKO wurden nun die Impfrichtlinien überarbeitet. Der Vierfachimpfstoff, der in der letzten Saison nur von bestimmten Privatversicherungen übernommen wurde oder durch Zuzahlungen abgedeckt werden musste, wird für die kommende Grippesaison 2018/2019 als Standard-Impfung von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. (vb)