Neue App zum Gehirntraining wirkt wie digitales Ritalin

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Kann eine App die Konzentration verbessern?

Experten haben jetzt eine neue kostenlose App zum Gehirntraining entwickelt, welche die Konzentration der Besitzer erheblich verbessert. Das Programm funktioniert sozusagen wie digitales Rialin. Mediziner hoffen, dass die App den Einsatz von bestimmten Medikamenten ersetzen kann.


Die Wissenschaftler der international anerkannten University of Cambridge haben bei ihrer aktuellen Untersuchung eine App getestet, welche zur Verbesserung der Konzentration beiträgt. Die Forschenden veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Frontiers in Behavioral Neuroscience“.

Eine neu entwickelte App kann die Konzentration verbessern und somit vielleicht in Zukunft die Einnahme von Ritalin ersetzen. (Bild: HERRNDORFF/fotolia.com)

Konzentration fällt vielen schwer

Das Aufkommen von neuen Technologien erfordert immer häufiger die gleichzeitige Arbeit an mehreren Projekten, beispielsweise müssen Texte bearbeitet, soziale Medien überwacht und nebenbei E-Mails rasch beantwortet werden. Dies kann zu Problemen mit der Aufrechterhaltung der Konzentration und zu vermehrten Ablenkungen führen. Die Schwierigkeit, Aufmerksamkeit zu fokussieren und sich zu konzentrieren, wird durch Stress, Jetlag durch häufige Reisen und schlechten Schlaf noch weiter verstärkt.

App verbesserte innerhalb von einem Monat die Aufmerksamkeit

Die Experten des Behavioral and Clinical Neuroscience Institute der University of Cambridge haben jetzt die kostenlose App Decoder entwickelt. Dieses Spiel soll dabei helfen die Aufmerksamkeit und Konzentration zu verbessern. Die App basiert auf eigenen Forschungen des Teams und wurde wissenschaftlich geprüft. Dabei stellten die Mediziner fest, dass das Spielen von Decoder auf einem iPad über den Zeitraum von einem Monat die Aufmerksamkeit und Konzentration erhöht. Diese Form der Aufmerksamkeit aktiviert ein sogenanntes frontal-parietales Netzwerk im Gehirn, sagen die Wissenschaftler.

Leistungsverbesserung durch die App war signifikant

Bei der Studie wurden 75 junge Erwachsene in drei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe spielte Decoder, eine Kontrollgruppe spielte Bingo und eine zweite Kontrollgruppe spielte überhaupt kein Spiel. Die Teilnehmenden der ersten beiden Gruppen wurden im Laufe eines Monats zu acht einstündigen Sitzungen eingeladen, in denen sie unter Aufsicht entweder Decoder oder Bingo spielten. Bei allen 75 Teilnehmenden wurde zu Beginn der Studie und nach vier Wochen ein CANTAB Rapid Visual Information Processing Test (RVP) durchgeführt. Dieser hochsensitive Test überprüft die Aufmerksamkeit und die Konzentration. Die Ergebnisse der Studie zeigten einen signifikanten Unterschied in der Aufmerksamkeit. Wenn die Probanden Decoder spielten, erzielten sie bessere Ergebnisse, verglichen mit den Bingo spielenden Teilnehmenden und Probanden, die überhaupt kein Spiel genutzt hatten. Der Leistungsunterschied war signifikant und bedeutsam, da er mit den Effekten vergleichbar war, die mit Stimulanzien wie Methylphenidat oder Nikotin in Verbindung stehen, erläutern die Mediziner. Ersteres Medikament, welches auch als Ritalin bekannt ist, wird häufig zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) verwendet.

Aufmerksamkeit und Konzentration wurden verbessert

Um sicherzustellen, dass Decoder die Aufmerksamkeit und Konzentration verbessert, testeten die Forschenden die Fähigkeiten der Teilnehmer zusätzlich bei einem sogenannten Trail Making Test. Die Nutzung der Decoder App verbesserte auch die Ergebnisse bei diesem häufig verwendeten neuropsychologischen Test der Aufmerksamkeitsverschiebung.

Weitere Studien werden durchgeführt

Viele Menschen erklären, dass sie Schwierigkeiten haben, ihre Aufmerksamkeit zu fokussieren. Decoder sollte sie dabei unterstützen ihre Fähigkeit dazu zu verbessern, erklärt Studienautor Professor Sahakian von der University of Cambridge. Die Experten hoffen, dass das Spiel nicht nur gesunden Menschen hilft, sondern auch Patienten mit Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeit. Um dies zu überprüfen, soll noch in diesem Jahr eine Studie mit Patienten mit traumatischen Hirnverletzungen durchgeführt werden. (as)