Pinterest lässt Impfgegner ins Leere googeln

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Pinterest, eine digitale Plattform, die bei Eltern populär ist, zog der Impfgegner-Propaganda den Boden unter den Füßen weg: Sie strich Begriffe, die mit Impfen zu tun haben, aus der Suchmaschine.


Weder “Impfen” noch “Impfung”

Wer bei Pinterest heute “vaccine” (impfen), “Vaccination” (Impfung) oder “anti-vax” (Antiimpfen) eingibt, findet nichts.

Impfgegner verbreiten Fehlinformationen in sozialen Medien. Jetzt hat Pinterest alle Suchbegriffe gelöscht, die mit Impfen zu tun haben. (Bild: Africa Studio/fotolia.com)

Eine virtuelle Pinnwand

Pinterest ist eine virtuelle Pinnwand, auf der Menschen Bilder speichern können. Meist handelt es sich um Katzenfotos, Modetrends, Wohnungseinrichtungen und andere Dinge des Alltags. Pinterest wurde aber auch eine Plattform, auf der Anti-Impf-Aktivisten Fehlinformationen verbreiteten.

Effektiver Multiplikator

In den USA sind 80 Prozent der Mütter und 38 Prozent der Väter auf Pinterest aktiv, und die Firma hat monatlich 250 Millionen aktive User. Hier Propaganda zu streuen ist also äußerst effektiv, besonders, da Impfgegner sich gezielt an Eltern wenden, um diese davon abzuhalten, ihre Kinder impfen zu lassen.

Andere Plattformen haben das gleiche Problem

Auch Facebook, Youtube und andere soziale Medien werden von Impfgegnern mit Fehlinformationen infiltriert. Youtube reagiert darauf, indem es Anti-Impf-Videos aus dem Verkehr zieht. Allerdings kommen die Youtube-“Hausmeister” dabei nicht nach. Nur Pinterest wählte die radikale Methode, Ergebnisse mit impfbezogenen Inhalten per se nicht zuzulassen, egal ob diese seriös sind oder nicht.

Eine Übergangslösung

Jamie Favazza, ein Sprecher von Pinterest, stellt klar, dass es sich nur um eine Übergangslösung handelt. So sei die Firma dabei, eine Langzeitlösung zu finden, in der seriöse Beiträge zum Impfen auch wieder erscheinen könnten.

Warum das Internet?

Impfgegner machen mobil, seit sich Impfen im 19. Jh als bis heute erfolgreichste Methode in der Medizin etablierte. Die Erfolge von Impfungen, die unzähligen Millionen das Leben retteten und/oder sie vor lebenslangen Behinderungen wie Verstümmelungen bewahrten, ließen die Impfgegner fast in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Das Internet eignet sich heute wie kein Medium zuvor, mit Fehlinformationen Millionen von Menschen zu erreichen, während die Aufklärung deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt.

Eine der größten Gefahren der globalen Gesundheit

Die Weltgesundheitsorganisation erklärte “vaccine hesitancy” (Impfskeptik) zu einer der zehn größten Bedrohungen der Gesundheit in der Welt.

Menschen sterben an besiegbaren Krankheiten

Trotz klaren Beweisen, dass Impfungen effektiv und sicher sind, entscheiden sich manche Menschen, sich und ihre Kinder nicht impfen zu lassen – das führte zu einem Anstieg von Masernfällen und Maserntoten weltweit. In den Vereinigten Staaten gab es 2019 fünf Masernausbrüche.

Masern können tödlich sein

Ein oder zwei von tausend Kindern, die Masern bekommen, sterben. 2018 töteten die Masern in Europa 72 Menschen, die Masern haben hier ihren höchsten Stand seit 20 Jahren. Zwar sind in entwickelten Ländern Todesfälle selten, schwere Komplikationen wie Blindheit aber häufiger.

Impfgegnerschaft – warum?

Es gibt verschiedene Gründe, warum Menschen Impfungen ablehnen: Angst vor Nebenwirkungen, Kosten, vor allem aber religiöse und ideologische Verirrungen. Eine besondere Rolle spielen Fehlinformationen wie die, dass Impfungen Autismus verursachen. Harte Impfgegner leben in einem geschlossenen System aus Verschwörungswahn, in dem sie “Pharmaindustrie” und Ärzte beschuldigen, gezielt die Menschen zu vergiften.

Fake News

Arthur L. Caplan, der Vorsitzende der Division für Medizinethik an der New Yorker Medizinischen Universitätsschule sagt: “Wir sehen alle Arten von Fehlinformation, die auf sozialen Medien umherschwirren. Fake news, fake science. Jeder ist ein Experte.”

Mark Zuckerbergs Verantwortung

Adam B., Chairman des House Intelligence Comitee in Kalifornien schrieb einen Brief an Mark Zuckerberg, den Chef von Facebook. Darin fragte er, welche Schritte Facebook unternehmen wolle, um User vor Anti-Impf-Informationen zu schützen. Einen ähnlichen Brief schrieb er an Google.

Striktes Verbot für Impfgegner

Ein Sprecher von Youtube sagte: “Wir haben eine strikte Politik für Videos, die wir erlauben, und Videos, die Anti-Impf-Propaganda verbreiten verletzen diese Politik. Wir verfolgen unsere Politik rigoros, und wenn wenn wir ein Video finden, das sie verletzt, gehen wir sofort in Aktion und löschen es.

Millionen Leser auf Facebook

Eine Analyse von sieben Facebook-Seiten, die “anti-vaccine posts” verbreiten, zeigte, dass diese von Millionen Menschen im Lauf der Zeit angeklickt wurden.

Auch Facebook will Impfgegnern die Propaganda verhindern

Andra Vallone von Facebook sagte: “Wir haben Schritte unternommen, um Fehlinformation über Gesundheit auf Facebook zu reduzieren, aber wir wissen, dass wir mehr tun müssen.”

Zensur und Konsumentenschutz

Soziale Medien, auf denen die Fehlinformation Verbreitung findet, befinden sich immer in einer Gratwanderung, die Angst vor Zensur ernst zu nehmen, und sie mit der Pflicht zu verbinden, User vor (gefährlichen) Fehlinformationen zu schützen. (Dr. Utz Anhalt)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.