Proteinreiche Ernährung für ältere Menschen besonders wichtig

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Wie wichtig sind Proteine für ältere Menschen?

Ältere Erwachsene sollten mehr proteinreiche Lebensmittel zu sich nehmen, wenn sie abnehmen wollen, unter einer chronischen oder akuten Erkrankung leiden oder sich einem Krankenhausaufenthalt stellen müssen. Allerdings sollten generell proteinreiche Nahrungsmittel Nahrungsergänzungsmitteln mit Protein vorgezogen werden.


Wissenschaftler stellten bei verschiedenen Untersuchungen fest, dass gerade ältere Erwachsene für ihre Gesundheit mehr proteinreiche Lebensmittel zu sich nehmen sollten. Ihre Gesundheit kann auch in schwierigen Situationen hiervon deutlich profitieren.

Manche Lebensmittel enthalten besonder viel Protein. Zu diesen Lebensmitteln gehören beispielsweise Fisch, Fleisch und Hülsenfrüchte. (Bild: bit24/fotolia.com)

In Stressphasen verarbeiten ältere Menschen Protein weniger effizient

Während bestimmter Stressphasen (Diäten, Erkrankungen und Krankenhausaufenthalten) verarbeiten alternde Körper Protein weniger effizient und benötigen deswegen mehr davon, um Muskelmasse, Muskelstärke, Knochengesundheit und andere wichtige physiologische Funktionen zu erhalten. Selbst gesunde Senioren brauchen mehr Protein als Menschen in jüngeren Jahren, um ihre Muskelmasse zu erhalten, sagen die Experten. Bis zu einem Drittel der älteren Erwachsenen nimmt jedoch aufgrund von vermindertem Appetit, Zahnproblemen, Geschmacksstörungen, Schluckbeschwerden und begrenzten finanziellen Ressourcen keine ausreichende Menge von Lebensmitteln mit Protein zu sich. In Verbindung mit einer Tendenz zum Bewegungsmangel besteht für die Betroffenen das Risiko, dass sich die Muskulatur verschlechtert und die Mobilität beeinträchtigt wird. Betroffene erholen sich auch langsamer von Krankheiten und ein Verlust der Unabhängigkeit tritt häufiger auf.

Vorteile der Aufnahme von Protein

Neuere Forschungen deuten darauf hin, dass ältere Erwachsene, die mehr Eiweiß konsumieren, weniger Probleme haben sich anzuziehen, aus dem Bett zu steigen, Treppen zu steigen und vieles mehr. In einer Studie aus dem Jahr 2018, welche mehr als 2.900 Senioren über einen Zeitraum von 23 Jahren medizinisch überwachte, stellten die Wissenschaftler fest, dass Teilnehmende, welche das meiste Protein zu sich nahmen, eine um 30 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit hatten, funktionell beeinträchtigt zu sein, verglichen mit Probanden, welche die geringsten Mengen von Protein zu sich nahmen.

Schwierigkeiten durch eine zu niedrige Proteinaufnahme

In einer anderen Studie, welche fast 2.000 ältere Erwachsene umfasste, hatten Menschen, welche die geringste Proteinmenge konsumierten, fast doppelt so häufig Schwierigkeiten beim Gehen, verglichen mit Menschen, welche die größte Menge Protein konsumierten.

Zu wenig Protein kann den Muskelabbau beschleunigen

Während der Verzehr einer ausreichenden Menge an Protein den altersbedingten Verlust von Muskeln insgesamt nicht komplett verhindern kann, kann zu wenig Protein ein verschärfender Faktor sein, der dazu führt, dass ältere Menschen schneller an Muskeln verlieren.

Wie viel Protein sollten Senioren zu sich nehmen?

Der am häufigsten zitierte Standard ist die empfohlene Dosis von 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Ältere Erwachsene wurden bisher jedoch nur selten in Studien einbezogen, welche zur Festlegung der empfohlenen Tagesdosis von Protein durchgeführt wurden. Experten warnten bereits davor, dass der normal empfohlene Standard der Aufnahme von Protein den Gesundheitsbedürfnissen der älteren Bevölkerung nicht angemessen sein könnte.

Kranke ältere Menschen müssen mehr Protein aufnehmen

Nach einer Überprüfung weiterer Nachweise empfahl eine internationale Gruppe von Ärzten und Ernährungsexperten im Jahr 2013 beispielsweise, dass gesunde ältere Menschen täglich ein bis 1,2 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen sollten. Für Senioren mit akuten oder chronischen Erkrankungen schlugen Mediziner eine Proteinzufuhr von 1,2 bis 1,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht vor, wobei die genaue benötigte Menge von der jeweiligen Krankheit, ihrem Schweregrad und anderen Faktoren abhängt. Es könnten sogar noch höhere Mengen, bis zu zwei Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht, bei schwer kranken oder unterernährten älteren Erwachsenen erforderlich sein. Diese oben genannten Empfehlungen gelten allerdings nicht für Senioren mit Nierenerkrankungen, fügen die Experten hinzu.

Proteinverbrauch gleichmäßig über den Tag verteilen?

Eine andere Empfehlung fordert ältere Menschen auf, den Proteinverbrauch gleichmäßig über den Tag zu verteilen. Dies geht aus Untersuchungen hervor, welche zeigen, dass Senioren bei der Verarbeitung von Protein in ihrer Ernährung weniger effizient sind und möglicherweise eine höhere Dosis pro Mahlzeit benötigen. Aus diesem Grund schlagen Mediziner vor, dass ältere Erwachsene 25 bis 30 Gramm Protein pro Mahlzeit zu sich nehmen sollten. In der Praxis bedeutet dies ein Umdenken, insbesondere in Bezug auf das Frühstück, weil hier die Proteinzufuhr tendenziell am niedrigsten ist. Haferflocken oder Müsli mit Milch reichen nicht aus. Die Menschen sollten nach Ansicht der Experten darüber nachdenken, einen griechischen Joghurt, ein Ei oder Putenwurst dem Frühstück hinzuzufügen.

Sollten Nahrungsergänzungsmittel mit Protein eingenommen werden?

Wie verhält es sich mit der Einnahme von pulverförmigen oder flüssigen Proteinergänzungen? Es besteht im Allgemeinen keine Notwendigkeit für Ergänzungen, es sei denn, jemand ist unterernährt, krank oder liegt im Krankenhaus, sagen die Forschenden. Echte Nahrungsmittel mit Protein seien immer Nahrungsergänzungsmitteln mit Protein vorzuziehen. Wenn keine Möglichkeit besteht, echte Mahlzeiten zu sich zu nehmen, sei es allerdings auch in Ordnung, Protein-Shakes zu konsumieren. Ältere Erwachsene sollten jedoch nicht routinemäßig Protein-Shakes anstelle von Mahlzeiten einnehmen. Dies kann langfristig zu einer verringerten Protein- und Kalorienaufnahme führen, warnen Experten. (as)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.