Schlechter Umgang mit Geld kann auf Demenz hinweisen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Fehlende Finanzübersicht m Alter eine Hinweis auf Demenz

Viele kennen vermutlich die Situation, wenn ältere Menschen an der Kasse den zu zahlenden Betrag nicht selbstständig aus ihrem Portemonnaie ziehen können, da sie schlichtweg Probleme haben, die einzelnen Summen der Münzen und Scheine zu addieren. Laut einer aktuellen Studie könnten solche Schwierigkeiten im Umgang mit Geld auch Hinweis auf eine Demenz-Erkrankung sein.


Viele Menschen haben Schwierigkeiten die Übersicht über ihre Finanzen zu behalten, was nicht zwangsweise auf eine Erkrankung zurückgehen muss. Doch wenn ältere Menschen zunehmende Probleme im Umgang mit Geld entwickeln, sollte ihr Umfeld aufmerksam werden. Denn laut einer aktuellen Studie von Forschenden der Duke University ist eine nachlassende Finanzübersicht oftmals Hinweis auf die Entwicklung einer Demenz-Erkrankung. Veröffentlicht wurde die Studie in dem Fachmagazin „Journal of Prevention of Alzheimer“.

Eine nachlassende Finanzübersicht und Schwierigkeiten beim Umgang mit Geld können auf die Entwicklung von Demenz hinweisen. (Bild: Bits and Splits/fotolia.com)

Schlechte Finanzübersicht möglicher Vorbote von Demenz

Ältere Menschen entwickeln häufig Probleme bei der Verwaltung ihrer Finanzen, sei es bei der Berechnung der Beträge zur Barzahlung an der Kasse oder bei der Führung ihres Kontos und dem Begleichen von Rechnungen. „Diese Veränderungen treten auch bei Erwachsenen auf, die kognitiv gesund sind, das Problem mit dem Geldumgang kann aber ebenso ein Vorbote von Demenz sein“, schreiben die Forschenden in einer Pressemitteilung der Duke University.

Zusammenhang mit Proteinablagerungen untersucht

„Es gab die falsche Vorstellung, dass finanzielle Schwierigkeiten nur in den späten Stadien der Demenz auftreten, aber dies kann jedoch früh passieren und die Veränderungen können subtil sein“, betont Professor P. Murali Doraiswamy von der Duke University. Anhand von 243 Erwachsenen im Alter von 55 bis 90 Jahren haben die Forschenden in der aktuellen Studie untersucht, ob die finanziellen Fähigkeiten mit dem Aufbau schädlicher Proteine (sogenannten Beta-Amyloid-Plaques) im Gehirn nachlassen. Die Proteinablagerungen gelten als ein maßgeblicher Faktor bei der Entwicklung von Demenz.

Test der finanziellen Fähigkeiten

Die Tests ergaben, dass bestimmte finanzielle Fähigkeiten mit zunehmendem Alter und in den frühesten Stadien einer leichten Gedächtnisstörung abnahmen, berichten die Forschenden. Der Rückgang sei bei Männern und Frauen ähnlich ausgefallen. Auch unter Berücksichtigung von Faktoren wie der Bildung und anderen demografischen Merkmalen sei die Fähigkeit einer Person, grundlegende finanzielle Konzepte zu verstehen und anzuwenden oder Aufgaben wie das Berechnen eines Kontostands auszuführen, eindeutig mit den Proteinablagerungen in Zusammenhang zu bringen. Die Fähigkeiten waren umso schlechter, je umfangreicher die Amyloid-Plaques-Ablagerungen ausfielen, erläutern die Forschenden.

Veränderungen frühzeitig feststellbar

Bisher konzentrieren sich die meisten Tests zur Früherkennung von Demenz und Alzheimer auf das Gedächtnis bzw. direkte Untersuchungen des Gehirns. Doch eine Bewertung der Fähigkeiten im Umgang mit Geld könnte möglicherweise deutlich mehr aussagen – und er wäre in rund 20 Minuten durchführbar, so die Hauptautorin der aktuellen Studie, Sierra Tolbert. „Wenn die Punktzahl einer Person sinkt, könnte dies ein Warnsignal sein“, betont die Expertin. Selbst geringe Veränderungen seien feststellbar, wenn der Test regelmäßig durchgeführt wird. Je besser wir die finanzielle Entscheidungsfähigkeit von Erwachsenen verstehen und wie sich diese mit zunehmendem Alter ändern kann, desto besser könne dies genutzt werden.

Alte Menschen besitzen einen Großteil des Finanzvermögens

Auch gelte es zu bedenken, dass ältere Erwachsene in den meisten Ländern einen überproportionalen Anteil am Vermögen haben und hier eine bevorstehende Zunahme der Demenz-Erkrankungen drastische Auswirkungen haben kann. Beispielsweise seien Betroffene besonders anfällig für spezielle Maschen des Finanzbetrugs und werden dabei schnell um große Teile ihres Vermögens bzw. ihrer Altersversorgung erleichtert. Wenn alte Menschen im persönlichen Umfeld zunehmend Schwierigkeiten mit der Finanzübersicht haben, sollten Sie dies in jedem Fall zum Anlass nehmen, einen Arztbesuch einzuleiten und auch auf den Verdacht einer Demenz-Erkrankung hinweisen. (fp)