Schönheitsideal: Schiefe Zähne gelten in Japan als extra schick

Andere Länder – andere Zähne: Wie sich Zahntrends weltweit unterscheiden
Geschmäcker sind bekanntermaßen verschieden. Wer denkt, dass Menschen weltweit großen Wert auf ein strahlend weißes Lächeln legen, irrt. Auch bezüglich der Zähne gibt es von Land zu Land unterschiedliche Schönheitsideale. Während die einen von geraden Zähnen in Reih und Glied träumen, wünschen sich die anderen ein möglichst schiefes Gebiss. Dr. Stephan Ziegler, leitender Zahnarzt und Gründer der KU64-Zahnarztpraxis aus Berlin, behandelt viele internationale Patienten und verrät Trends aus aller Welt.


Eine Frage der Farbe
In Deutschland bevorzugen die Menschen ein natürlich aussehendes Lächeln. Egal ob Füllung oder Krone – der Zahnersatz soll farblich den echten Zähnen gleichen. Auch bei Schönheitsbehandlungen wie dem Bleaching gilt, dass das Ergebnis nicht zu perfekt aussehen soll. „Die Deutschen wünschen sich zwar schöne Zähne, aber im Nachhinein soll niemand sehen, dass an ihnen etwas gemacht wurde“, betont Dr. Ziegler den Trend und erklärt: „Für Amerikaner kann es hingegen gar nicht weiß genug sein. Bei ihnen stellt die übertrieben helle Zahnfarbe ein Statussymbol dar.“

SInd die Zähne durch Karies und Parodontose ohnehin in einem schlechten Zustand, können diese auch bei normalen Belastungen abbrechen. (Bild: Igor Gromoff/fotolia.com)

Doch nicht nur Bleachings, sondern auch sogenannte Veneers kommen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gern zum Einsatz. So erfüllen sich viele Amerikaner mithilfe der keramischen Verblendschalen den Wunsch nach einer Zahnreihe, bei der die Kanten auf gerader Linie abschließen. Auch bei den Europäern erfreuen sich Veneers großer Beliebtheit, sie ziehen jedoch minimale Längenunterschiede und eine natürliche Farbgebung vor.

Spitzenreiter in der Mundhygiene
Beim Zähneputzen glänzen nach Dr. Zieglers Erfahrungen vor allem die Schweizer und das hat einen einfachen Grund: „Bei ihnen deckt die normale Krankenversicherung die meisten Zahnarztbehandlungen nicht ab. Wer unter Karies leidet, muss selbst in die Tasche greifen.“ Deshalb wird Prophylaxe im Alpenland großgeschrieben. Kinder lernen dort von klein auf die richtigen Putztechniken.

(Bild: Trezvuy/fotolia.com)

Auch die Skandinavier sind dank regelmäßiger professioneller Zahnreinigungen bekannt für ihre gute Mundsituation. Bei den Deutschen kommt die Zahnpflege ebenfalls nicht zu kurz. Sie liegen im weltweiten Vergleich im oberen Drittel.

Fragwürdige Trends
In Japan erfreuen sich schiefe Zähne bei Frauen großer Beliebtheit. Insbesondere hervorstehende Eckzähne im Oberkiefer zeichnen den sogenannten Yaeba-Look aus. Er soll an das kindliche Gebiss erinnern und auf diese Weise für ein niedliches Aussehen sorgen. Wer nicht von Natur aus schiefe Zähne besitzt, hilft mit Veneers nach. Auch Zahnlücken werden in einigen Teilen der Welt als schön empfunden. So stellt das Ziehen von intakten Zähnen bei Mädchen ein Übergangsritual in manchen Regionen Afrikas dar.

Als Zeichen des Erwachsenwerdens lassen sie sich zu Beginn der Pubertät die mittleren Schneidezähne des Oberkiefers entfernen. Nicht nur in Afrika besteht eine lange Tradition der Zahnveränderungen. In Mittelamerika feilten sich beispielsweise schon die Maya die Zähne spitz, um gefährlich auszusehen. „In vielen Teilen der Welt heißt es im Hinblick auf die Zähne: Wer schön sein will, muss leiden. Der deutsche Trend zu natürlichen Zähnen ist deshalb sehr lobenswert, weil er die eigene Zahnsubstanz so lange wie möglich zu erhalten versucht“, resümiert Dr. Ziegler.