Schreckgespenst Multiple Sklerose

Schreckgespenst multiple Sklerose: Frühzeitige Diagnose sorgt für eine hohe Lebensqualität
Vielfältig und unberechenbar: Multiple Sklerose, kurz MS, gilt als eine der häufigsten chronisch-entzündlichen Nervenerkrankungen und bricht zumeist im jungen Erwachsenenalter aus. Weltweit leiden rund 2,5 Millionen Menschen unter der facettenreichen Krankheit, davon sind etwa 70 Prozent Frauen. Dabei ruft die Entzündung unterschiedlichste Symptome hervor, die oftmals schubförmig – also in zeitlichen Abständen – auftreten und in der Folge körperliche Einschränkungen verursachen.


„Obwohl MS nach wie vor als unheilbar gilt, lassen sich mithilfe moderner Diagnose- und Therapieverfahren die Schübe hinauszögern und ein weiteres Fortschreiten verlangsamen“, weiß Dr. med. Annette Failing, Fachärztin für Radiologie und Neuroradiologie von radprax Münster. Auf welche ersten Anzeichen Betroffene achten sollten und wie die einzelnen Therapieschritte aussehen, erklärt die Expertin im Folgenden.

Angst vor Multiple Sklerose (Bild: Zerbor/fotolia.com)

Vielseitige Vorboten
In der Regel treten im Alter zwischen 20 und 40 Jahren die ersten Anzeichen von MS auf. Obwohl keine eindeutigen Auslöser für multiple Sklerose feststehen, begünstigen womöglich erbliche Faktoren sowie Umwelteinflüsse eine Fehlregulation des Immunsystems. Dabei greifen plötzlich auftretende Entzündungsherde das zentrale Nervensystem an und verhindern eine Weiterleitung wichtiger Nervenreize, die für Bewegungen sowie das Sehvermögen verantwortlich sind.

„Betroffene haben zum Beispiel das Gefühl, durch eine Milchglasscheibe zu sehen, oder es treten Gefühlsstörungen in den Armen oder Beinen auf. Auch Kraftlosigkeit beim Gehen oder Stehen sowie eine undeutliche oder verwaschene Aussprache können auf die chronische Nervenentzündung hindeuten“, sagt Dr. Failing. Allerdings fallen die Symptome von Patient zu Patient unterschiedlich aus und verschwinden teilweise für mehrere Wochen, sodass Experten auch von einer „Krankheit mit vielen Gesichtern“ sprechen.

Aufschlussreiche Untersuchungsmethode
Insbesondere der Verdacht auf MS löst bei Betroffenen Unsicherheit mit der Furcht vor möglichen Folgen aus. Um eine schnelle und sichere Diagnose zu stellen, findet zunächst eine umfassende Anamnese, also eine Dokumentation der Beschwerden, durch den Arzt statt. Im Anschluss folgen eingehende neurologische Untersuchungen, beispielsweise mithilfe bildgebender Verfahren wie der Magnetresonanztomografie, kurz MRT. „Dabei liefert das strahlungsarme und hochauflösende Diagnosegerät Aufschluss über typische Entzündungsherde in Gehirn und Rückenmark, sodass sich multiple Sklerose bereits im Frühstadium erkennen lässt“, erklärt die radprax-Expertin.

Effektive Therapiemöglichkeiten
Im Fokus der Behandlung von MS-Patienten stehen Schübe zu verhindern sowie ein weiteres Fortschreiten zu verlangsamen. Hierfür kommen je nach Ausprägung und Schweregrad vor allem Medikamente zum Einsatz, die das Immunsystem beeinflussen. Besonders im Frühstadium, auch wenn noch keine Symptome vorliegen, besteht die Therapie aus engmaschigen MRT-Untersuchungen sowie einer medikamentösen Behandlung.

„Im Falle eines akuten Erkrankungsschubs erhält der Betroffene in der Regel drei bis fünf Tage lang eine hochdosierte Kortisoninfusion. Diese dämmt Entzündungsreaktionen ein und lässt die Symptome rasch wieder abklingen“, weiß Dr. Failing. Aufgrund des unberechenbaren Krankheitsverlaufs und der damit verbundenen Belastung für Betroffene und Angehörige stellt eine offene Kommunikation mit dem behandelnden Mediziner eine wichtige Voraussetzung dar, um ein realistisches Bild der Erkrankung zu erhalten. Obwohl multiple Sklerose ein tiefer Lebenseinschnitt bedeutet, lässt sich die Lebensqualität der Betroffenen mithilfe moderner Therapiemaßnahmen relativ lange erhalten.