Starke Abwehrkräfte: Mit Zitronensäure und Ingwer das Immunsystem anregen

Nicht nur gut für den Geschmack: Stoffe aus Zitronen und Ingwer stimulieren Abwehrkräfte

Zitronen und Ingwer gelten als zwei besonders gesunde Lebensmittel. Schließlich enthalten beide große Mengen an Vitamin C und tragen daher dazu bei, das Immunsystem zu stärken. Doch sie beinhalten noch mehr wichtige Stoffe: Zitronensäure und 6-Gingerol. Diese stimulieren die molekularen Abwehrkräfte im menschlichen Speichel, wie Forscher nun herausgefunden haben.


Mit Zitronen und Ingwer der Gesundheit etwas Gutes tun

Wer seiner Gesundheit etwas Gutes tun will, sollte regelmäßig morgens ein Glas Zitronenwasser trinken. Dem Körper werden so wichtige Vitamine und Nährstoffe aus der Zitrone zugefügt. Zusätzlich wird die Verdauung angeregt und Flüssigkeit zugefügt. Ebenfalls empfehlenswert ist, den Tag mit Ingwerwasser zu starten. Die scharfe Knolle ist nicht nur reich an Vitamin C, sondern kann auch vor Krankheiten schützen und beim Abnehmen helfen. Doch Zitronen und Ingwer können noch mehr: Wie Forscher nun herausgefunden haben, stimulieren geschmacksgebende Stoffe der beiden Lebensmittel die Immunabwehr.

Die in Zitronen enthaltene Zitronensäure und scharf-schmeckendes 6-Gingerol aus Ingwer stimulieren die molekularen Abwehrkräfte im menschlichen Speichel. (Bild: Alexander/fotolia.com)

Zitronensäure und scharf-schmeckendes 6-Gingerol aus Ingwer

Wie die Technische Universität München (TUM) in einer aktuellen Mitteilung berichtet, verleihen Zitronensäure und scharf-schmeckendes 6-Gingerol aus Ingwer nicht nur Speisen und Getränken eine besondere Geschmacksnote.

Beide Stoffe stimulieren auch die molekularen Abwehrkräfte im menschlichen Speichel. Das hat ein Forscherteam der TUM und des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie herausgefunden.

Die Ergebnisse der Studie wurden vor kurzem im Fachmagazin „Journal of Agricultural and Food Chemistry“ veröffentlicht.

Speichel erfüllt unterschiedlichste biologische Aufgaben

Der menschliche Speichel ist eine komplexe, wässrige Mischung aus unterschiedlichsten Komponenten. Er enthält neben Schleimhaut- und Immunzellen eine Vielzahl von Molekülen, die unterschiedlichste biologische Aufgaben erfüllen.

Denn Speichel spielt nicht nur eine wesentliche Rolle bei der Nahrungsaufnahme, sondern ist auch für die Gesunderhaltung der Zähne, des Zahnfleischs und der Mundschleimhaut entscheidend. Zugleich stellt er die erste Bastion gegen von außen eindringende Krankheitserreger dar.

Daher sind im Speichel verschiedene, antimikrobiell wirkende Moleküle enthalten, zu denen auch das antibakteriell wirkende Lysozym gehört. Sie sind Teil des angeborenen, molekularen Immunsystems.

Bestimmte Faktoren beeinflussen die Speichel-Zusammensetzung

Dass Faktoren wie Alter, Gesundheitszustand aber auch was jemand isst und trinkt die Speichel-Zusammensetzung beeinflussen, ist inzwischen belegt. Über die Effekte einzelner Lebensmittelinhaltsstoffe ist jedoch noch wenig bekannt.

Um mehr über diese zu erfahren, untersuchte das Forscherteam um Studienleiter Professor Thomas Hofmann, Leiter des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie an der TUM, den Einfluss unterschiedlicher Geschmacksstoffe auf die Speichelzusammensetzung des Menschen:

Zitronensäure (sauer), der Süßstoff Aspartam (süß), Iso-alpha-Säuren (bitter), der Geschmacksverstärker Natriumglutamat (umami), Kochsalz (salzig), 6-Gingerol (scharf) sowie die im Szechuanpfeffer enthaltenen Substanzen Hydroxy-alpha-Sanshool (kribbelnd) und Hydroxy-beta-Sanshool (betäubend).

Geschmacksgebende Stoffe besitzen bereits im Mundraum biologische Wirkungen

Wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler durch die Kombination von Speichelflussmessungen, Proteomanalysen und bioinformatischen Auswertungen erstmals nachwiesen, modulieren alle untersuchten Substanzen die Proteinzusammensetzung des Speichels in mehr oder weniger großem Umfang.

Biologische Funktionsanalysen der von der Modulation betroffenen Speichelproteine zeigten zudem, dass die durch Zitronensäure und 6-Gingerol ausgelösten Veränderungen, das molekulare Abwehrsystem im Speichel aktivieren.

So steigerte 6-Gingerol die Aktivität eines Enzyms, welches das im Speichel gelöste Thiocyanat in Hypothiocyanat umwandelt, wodurch sich die Menge des antimikrobiell und fungizid wirkenden Hypothiocyanats im Speichel in etwa verdreifachte.

Dagegen ließen die durch Zitronensäure ausgelösten Veränderungen die Lysozym-Spiegel im Speichel um das bis zu Zehnfache ansteigen.

Wie Untersuchungen an Bakterienkulturen erstmals belegen, reicht diese Erhöhung aus, um das Wachstum von Gram-positiven Bakterien fast komplett zu unterbinden. Lysozym wirkt gegen diese Art der Bakterien, indem es deren Zellwand zerstört.

„Unsere neuen Erkenntnisse zeigen, dass geschmacksgebende Stoffe bereits im Mundraum biologische Wirkungen besitzen, die weit über ihre bekannten sensorischen Eigenschaften hinausgehen“, so Hofmann vom Lehrstuhl für Lebensmittelchemie und molekulare Sensorik der TUM.

Diese mit neuesten Analysemethoden weiter zu erforschen, sei eins der Ziele, die sich die Lebensmittel-Systembiologie gesetzt habe, erklärt der Lebensmittelchemiker.

Nur so ließen sich auf lange Sicht neue Ansätze für die Produktion von Lebensmitteln finden, deren Inhaltsstoff- und Funktionsprofile an den gesundheitlichen und sensorischen Bedürfnissen der Verbraucherinnen und Verbraucher ausgerichtet seien. (ad)