Psychische Gesundheit: Starkes Übergewicht erhöht das Risiko für emotionale Probleme

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Studie zeigt engen Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und psychischer Gesundheit

Starkes Übergewicht hat einen negativen Einfluss auf die psychische Gesundheit. Dieser Zusammenhang entwickelt sich offenbar schon in der frühen Kindheit. Darauf deuten neue Forschungsergebnisse hin.


Starkes Übergewicht gefährdet die Gesundheit

Immer mehr Menschen weltweit leiden an Übergewicht und Fettleibigkeit. Auch viele Kinder und Jugendliche sind viel zu dick. Adipositas ist ein Risikofaktor für zahlreiche Krankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes. Zudem begünstigt starkes Übergewicht psychische Erkrankungen. Der Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit und Adipositas beginnt sich schon bei sehr jungen Kindern zu entwickeln. Das haben Forscher aus Großbritannien nun herausgefunden.

Fettleibigkeit und emotionale Probleme wie Angstgefühle und schlechte Stimmung entwickeln sich schon in jungen Jahren Hand in Hand. Darauf deuten neue Forschungsergebnisse hin. (Bild: kwanchaichaiudom/fotolia.com)

Zusammenhang zwischen Adipositas und emotionalen Problemen

Laut neuen Forschungsergebnissen, die auf dem „European Congress on Obesity“ (ECO) in Glasgow präsentiert werden, entwickeln sich Fettleibigkeit und emotionale Probleme wie Angstgefühle und schlechte Stimmung schon in jungen Jahren Hand in Hand.

Die Forschenden der University of Liverpool und vom University College London stellten in ihrer Analyse fest, dass Mädchen und Jungen mit Übergewicht im Alter von sieben Jahren ein höheres Risiko für emotionale Probleme im Alter von elf Jahren hatten.

Bei jüngeren Kindern war dieser Zusammenhang nicht ersichtlich.

Im Durchschnitt hatten Mädchen höhere BMI (Body-Mass-Index) und emotionale Symptome als Jungen im Alter von sieben bis 14 Jahren, aber das gleichzeitige Auftreten und die Entwicklung von Fettleibigkeit und emotionalen Problemen waren bei Mädchen und Jungen gleich.

Um zu diesen Ergebnissen zu gelangen, werteten die Wissenschaftler Daten von mehr als 17.000 Kindern aus, die zwischen 2000 und 2002 in Großbritannien geboren wurden.

Sie hatten Informationen über Größe und Gewicht der Kinder (BMI) sowie Berichte über ihre emotionalen Probleme, die von ihren Eltern im Alter von drei, fünf, sieben, elf und 14 Jahren zur Verfügung gestellt wurden.

Die Studienautoren verwendeten statistische Modelle, um den Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und emotionalen Problemen zu messen.

Die Studienergebnisse wurden im Fachmagazin „JAMA Psychiatry“ veröffentlicht.

Eine Reihe von Faktoren könnten eine Rolle spielen

Zwar wurde in der Studie nicht untersucht, warum sich Fettleibigkeit und emotionale Probleme gemeinsam in der Kindheit entwickeln. Doch die Forscher gehen davon aus, dass wahrscheinlich eine Reihe von Faktoren eine Rolle spielen.

„Kinder mit einem höheren BMI können eine gewichtsbezogene Diskriminierung und ein schlechtes Selbstwertgefühl erfahren, was im Laufe der Zeit zu erhöhten depressiven Symptomen beitragen kann“, so Studienleiterin Dr. Charlotte Hardman von der University of Liverpool, laut einer Mitteilung die im Fachblatt „EurekAlert!“ veröffentlicht wurde.

Bei Erwachsenen sei dies bereits in der Vergangenheit gezeigt worden. Und „Depressionen können zu durch das emotionale Essen von Lebensmitteln mit hohem Kaloriengehalt, schlechtem Schlaf und Lethargie zu Fettleibigkeit führen“, so die Expertin.

Zudem fanden die Forschenden Hinweise darauf, dass sozioökonomische Benachteiligung den Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit bei Kindern und schlechter psychischer Gesundheit teilweise erklären kann.

„Das gemeinsame sozioökonomische Risiko bei der Entstehung von Fettleibigkeit und schlechter psychischer Erkrankung könnte durch zahlreiche Faktoren erklärt werden“, sagte Co-Studienleiterin Dr. Praveetha Patalay vom University College London.

„So gibt es in sozioökonomisch benachteiligten Gebieten in der Regel einen schlechteren Zugang zu gesunden Nahrungsmitteln und Grünflächen, was zu einer Zunahme von Fettleibigkeit und emotionalen Problemen führen und die Auswirkungen sozioökonomischer Benachteiligung auf Familienebene verstärken kann.“

Frühzeitige Interventionen

„Unsere Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung frühzeitiger Interventionen, die sowohl auf das Gewicht als auch auf die psychische Gesundheit abzielen und negative Ergebnisse im späteren Kindesalter minimieren“, so Dr. Hardman.

„Die Leute denken, dass es so einfach ist, weniger zu essen und mehr zu trainieren – aber es ist viel komplexer“, sagte die Autorin laut einem Bericht der „BBC“. „Übergewicht und emotionale Probleme sind miteinander verbunden“, erklärte die Wissenschaftlerin.

„Ab dem Alter von sieben Jahren scheinen sich psychische Gesundheit und Fettleibigkeit zu verschränken und sich gegenseitig zu verschärfen.“ Dann würden Kinder „in einem Teufelskreisen stecken“.

Und: „Da sowohl die Fettleibigkeitsrate als auch die emotionalen Probleme in der Kindheit zunehmen, ist das Verstehen ihres gleichzeitigen Auftretens ein wichtiges Anliegen der öffentlichen Gesundheit, da beide mit schlechter Gesundheit im Erwachsenenalter zusammenhängen“, so Dr. Hardman.

Die Autoren weisen aber auch darauf hin, dass ihre Ergebnisse Beobachtungszusammenhänge zeigen, sodass keine eindeutigen Schlussfolgerungen über Ursache und Wirkung gezogen werden können.

Zudem könnten bestimmte Umstände wie nicht gemessene Störfaktoren oder unwahre Berichte der Eltern die Ergebnisse beeinflusst haben. (ad)