Studie: Bekanntes Pestizid kann Autismus bei Kindern verursachen

Werdende Mütter sollten nicht mit einem bestimmten Pestizid in Kontakt kommen

Forscher fanden jetzt heraus, dass die Exposition gegenüber einem berüchtigten Pestizid während der Schwangerschaft das Risiko des Kinder erhöht, an Autismus zu erkranken.


Die Wissenschaftler der Columbia University stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass ein Kontakt mit dem Pestizid Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) während der Schwangerschaft zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit führen kann, dass das Kind Autismus entwickelt. Die Mediziner publizierten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „American Journal of Psychiatry“.

Pestizide werden gerade in der Landwirtschaft häufig eingesetzt. Forscher fanden heraus, dass ein bestimmtes Pestizid mit Autismus bei Kindern in Verbindung stehen könnte. (Bild: Dusan Kostic/fotolia.com)

DDT ist in den meisten Teilen der Welt verboten

Die Exposition gegenüber dem berüchtigten Pestizid Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) während der Schwangerschaft könnte das Risiko erhöhen, dass ein Kind an Autismus leidet. Das Pestizid wurde bereits in den 1960er Jahren berühmt und ist seither in den meisten Teilen der Welt verboten. Dennoch verwenden einige Länder das Pestizid immer noch.

Forscher analysieren Daten von pränataler Studie über Autismus

Ein Forschungsteam unter der Leitung der Columbia University verwendete die Daten von finnischen Müttern für eine pränatale Studie über Autismus. Dabei identifizierten sie 778 Kinder, welche zwischen dem Jahr 1987 und dem Jahr 2005 geboren wurden und bei denen Autismus diagnostiziert wurde. Sie verglichen bei diesen Kindern die mütterlichen Blutproben, die bereits während der Schwangerschaft entnommen wurden. Weitere 778 Kinder und ihre Mütter dienten als Kontrollgruppe. Die Blutproben wurden sowohl auf das Pestizid DDT als auch auf dessen Metaboliten (p,p‘-dichlorodiphenyl dichloroethylene; p,p‘-DDE) untersucht. Diese entstehen, wenn DDT in unserem Körper abgebaut wird. Darüber hinaus hat das Forscherteam die Konzentrationen einer anderen Gruppe potenziell toxischer Schadstoffe gemessen, welche als polychlorierte Biphenyle (PCB) bezeichnet werden.

Wie wirkte sich PCB aus?

Es gab keine Anzeichen für eine Beziehung zwischen Autismus und PCB. Die Forscher stellten jedoch ein signifikant erhöhtes Risiko für eine Diagnose von Autismus beim Kind fest, wenn die Mutter einen Serum-DDE-Spiegel aufwies, welcher zu den oberen 25 Prozent gehörte. Das Kind litt bei den niedrigsten 75 Prozent der DDE-Werte auch doppelt so häufig an einer geistigen Behinderung zusammen mit Autismus.

Was ist DDT?

DDT ist ein übliches synthetisches Pestizid, welches in den 1940er Jahren entwickelt wurde, um Moskitos in großem Umfang zu vernichten. Es war so effektiv, dass es praktisch überall verwendet wurde, von der Ernte bis zum Einsatz im Haushalt. Das Pestizid ist sehr wirksam für die Bekämpfung der Malaria-Ausbreitung, erklären die Experten. Während wir uns in den wohlhabenden westlichen Nationen wenig um den Schädling sorgen, welcher für die Ausbreitung von Malaria verantwortlich ist, stelle Malaria immer noch eine der größten Bedrohungen der Menschheit dar.

Viele Länder nutzen DDT gegen Malaria

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht ledigliche eine Ausnahme des DDT-Einsatzes für Innenräume in den Regionen mit einer signifikanten Malaria-Bedrohung vor. Viele afrikanische Länder spritzen jedoch weiterhin regelmäßig das Pestizid gegen Malaria. Dies facht die Kontroverse weiter an. Die Chemikalie selbst wird nur als mäßig toxisch aufgeführt, was bedeutet, dass Menschen eine ziemlich große Exposition erleben müssen, um an ihren Auswirkungen zu sterben, erläutern die Wissenschaftler. Im Laufe der Jahrzehnte häuften sich jedoch die Anzeichen subtiler, aber ernster gesundheitlicher Auswirkungen. Jetzt sollte überlegt werden, ob Autismus in die Liste der Nebenwirkungen aufgenommen werden muss, betonen die Forscher.

Was bewirkt die Autismus-Spektrum-Störung?

Die Studie selbst kann nicht klären, wie DDT die Entwicklung des Gehirns beeinflussen könnte. Es konnte auch nicht bewiesen werden, dass der Metabolit von DDT Autismus verursacht, besonders angesichts der komplexen Natur der Störung, sagen die Autoren der Studie. Diese sei durch Schwierigkeiten bei der sensorischen Verarbeitung, Kommunikation und Sozialisierung gekennzeichnet und scheine verschiedene neurologische Wege und Gehirnfunktionen einzubeziehen. Heute wird der Zustand als Autismus-Spektrum-Störung bezeichnet, um die breite Palette von Schweregraden und Manifestationen seiner Schlüsseleigenschaften zu berücksichtigen. Die Genetik spielt zweifellos eine wichtige Rolle in der Entwicklung, aber Umwelteinflüsse können nicht ausgeschlossen werden, sagen die Mediziner. Es ist schwierig, die Vielzahl von Ursachen hinter diesem komplexen Beschwerdebild zu bestimmen, und wie so oft sind weitere Forschungen dringend erforderlich, so das Fazit der Forscher. (as)