Studie: Erkältungsvirus zerstört Blasenkrebs

Mann liegt erkältet im Bett

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Vollständige Heilung von Blasenkrebs durch ein Erkältungsvirus?

Kann ein einfaches Erkältungsvirus die Behandlung von Blasenkrebs revolutionieren? Bei einer aktuellen Untersuchung wurde festgestellt, dass ein Stamm des Erkältungsvirus Krebszellen bei Patienten mit Blasenkrebs angreifen und zerstören kann.


Bei einer Studie der University of Surrey und des Royal Surrey County Hospital wurde jetzt festgestellt, dass ein Stamm von Erkältungsviren dabei helfen könnte Blasenkrebs im Körper zu zerstören. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden in dem englischsprachigen Fachblatt „Clinical Cancer Research“ publiziert.

Mann liegt erkältet im Bett
Wird in Zukunft ein Erkältungsvirus zur Behandlung von Blasenkrebs verwendet? (Bild: Michael Eichhammer/fotolia.com)

Coxsackievirus zur Behandlung von Krebs?

Die Forschenden untersuchten die Sicherheit und Verträglichkeit der Exposition gegenüber dem Coxsackievirus (CVA21), einem natürlich vorkommenden Stamm der Erkältung, bei 15 Patienten mit Nicht-Muskel-invasivem Blasenkrebs. Dies Form von Krebs befindet sich im Gewebe der inneren Oberfläche der Blase und ist eine häufig auftretende Krebserkrankung.

Welche Formen der Behandlungen gibt es derzeit?

Aktuelle Behandlungen für diese Form von Krebs sind problematisch. Die sogenannte transurethrale Resektion, ein invasives Verfahren, bei dem alle sichtbaren Läsionen entfernt werden, weist eine hohe Tumorrezidivrate von 50 bis 70 Prozent sowie eine hohe Tumorprogressionsrate zwischen 10 und 20 Prozent über einen Zeitraum von zwei bis fünf Jahren auf. Eine andere übliche Behandlungsmethode, die Immuntherapie mit Bacille Calmette-Guerin, einem lebenden Bakterium zur Behandlung von Blasenkrebs, führt bei etwa einem Drittel der Patienten zu schwerwiegende Nebenwirkungen, während ein Drittel überhaupt nicht auf die Behandlung anspricht.

CVA21 ist hochselektiv und greift nur Krebszellen an

Während der aktuellen Studie erhielten 15 Patienten eine Woche vor der geplanten Operation zur Entfernung ihrer Tumore CVA21 über einen Blasenkatheter. Die Untersuchung der Gewebeproben nach der Operation ergab, dass das Virus hochselektiv war und nur auf Krebszellen im Organ abzielte, alle anderen Zellen blieben intakt. Es wurde festgestellt, dass das Virus Krebszellen infiziert und sich selbst repliziert, wodurch die Zellen absterben. Bei Urinproben von Patienten wurde ein Ausscheiden des Virus festgestellt, was darauf hinweist, dass das neu replizierte Virus nach dem Tod viral infizierter Krebszellen weiterhin mehr Krebszellen im Organ angreift.

Warum reagiert das Immunsystem nicht bei Tumoren in der Blase?

Typischerweise werden Tumore in der Blase nicht durch das eigene Immunsystem des Patienten angegriffen, während sie heranwachsen. Es gibt Hinweise darauf, dass die Behandlung mit CVA21 den Tumor entzündet, wodurch Immunzellen in die Krebsumgebung vordringen und die Krebszellen angreifen und abtöten. Nach der Behandlung mit dem Virus wurde bei der Mehrzahl der Tumoren der Patienten der Zelltod festgestellt. Bei einem Patienten wurde während der Operation sogar keine Spur des Krebses mehr gefunden.

Bisherige Behandlung war teilweise ineffektiv und toxisch

Nicht-Muskel-invasiver Blasenkrebs ist eine weit verbreitete Krankheit, die oft eine langwierige und komplizierte Behandlung erfordert. Die derzeitige Behandlung ist bei einem Teil der Patienten ineffektiv und toxisch, und es besteht ein dringender Bedarf an neuen Therapien, berichten die Autoren der Studie. Das sogenannte Coxsackievirus könnte dazu beitragen, die Behandlung dieser Form von Krebs zu revolutionieren. Eine Verringerung der Tumorlast und ein erhöhter Tod von Krebszellen wurden bei allen Patienten beobachtet und tatsächlich verschwanden alle Krankheitsspuren bei einem Patienten nach nur einer Woche Behandlung, was die potenzielle Wirksamkeit der Behandlung zeigt. Bemerkenswerterweise wurden außerdem bei keinem Patienten signifikante Nebenwirkungen beobachtet, fügen die Forschenden in einer Pressemitteilung hinzu.

Onkolytische Viren statt Chemotherapie?

Üblicherweise wurden Viren mit Krankheiten in Verbindung gebracht, aber in der richtigen Situation können sie die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden verbessern, indem sie Krebszellen zerstören. Onkolytische Viren wie das Coxsackievirus könnten die Art und Weise, wie Krebs behandelt wird, verändern und eine Abkehr von etablierteren Therapien wie der Chemotherapie ermöglichen, erklärt das Forschungsteam. (as)

Autor:
Alexander Stindt
Quellen:
  • Nicola E Annels, David Mansfield, Mehreen Arif, Carmen Ballesteros-Merino, Guy R Simpson et al.:Viral targeting of non-muscle invasive bladder cancer and priming of anti-tumour immunity following intravesical Coxsackievirus A21 , in Clinical Cancer Research, Clinical Cancer Research
  • Strain of common cold virus could revolutionise treatment of bladder cancer, University of Surrey, University of Surrey