Tierische Zuwanderer: Haie können demnächst die Ostsee und Nordsee besiedeln

Ab- und Zuwanderungen im Zuge des Klimawandels

Haie in der Nord- und Ostsee sind nur äußerst selten anzutreffen. In den meisten Fällen sind sie nur unter ein Meter lang und völlig ungefährlich führ den Menschen. Warmblüter-Raubtiere wie Robben beherrschten bislang die kälteren Meere im Norden von Deutschland. Dieses Kräfteverhältnis könnte sich bald verschieben, denn laut einer aktuellen Studie wandern mit zunehmender Temperatur immer mehr Warmblüter ab und Raubfische wie Hai ein.


Ein Forschungsteam um die Freiburger Biologin Dr. Kristin Kaschner und um Dr. John Grady von der Michigan State Universität untersuchte kürzlich Veränderungen in der Artenvielfalt in Meeren in Bezug auf die steigenden Temperaturen. Dabei stellten sie fest, dass warmblütige Raubtieren wie Seehunde und Robben verstärkt zu den kalten Gewässern der Pole abwandern und Raubfische wie Hai sich in Gebieten ausbreiten, die zuvor zu kalt für die wechselwarmen Fische waren. Die Studie wurde kürzlich in dem renommierten Fachjournal „Science“ veröffentlicht.

Haie könnten sich bald auch vermehrt in deutschen Gewässern aufhalten. (Bild: timsimages.uk/fotolia.com)

Raubfische sind auf wärmere Gewässer angewiesen

Fische sind wechselwarme Tiere. Sie haben keine konstante Körpertemperatur und passen sich der Außentemperatur an. Raubfische wie Haie haben in kalten Gewässern einen Nachteil gegenüber gleichwarmen Tieren wie Robben, da sich durch die kältere Außentemperatur auch die Körperfunktionen herunterfahren und sie so langsamer schwimmen können – ein klarer Nachteil für die Jagd.

Gleichwarme Raubtiere haben in kalten Gewässern weniger Konkurrenz

Obwohl Robben in kalten Gewässern mehr Energie benötigen, um ihre Körpertemperatur aufrecht zu erhalten, fällt es ihnen leichter, dort an Beute zu kommen, da sie durch die gleichbleibende Körpertemperatur auch in kalten Gewässern die volle Leistungskraft erbringen können.

Kommt nun die Vorherrschaft der Haie?

In der Ökologie gilt die Regel, dass die Biodiversität in Richtung Äquator ansteigt und in den Tropen am höchsten ist, schreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Albert-Ludwig-Universität in einer Pressemitteilung zu der Studie. „Durch die Erwärmung der Ozeane wird sich das Kräfteverhältnis zugunsten der Haie und Fische verschieben“, resümiert Forschungsleiter Dr. Grady. Die Populationen von Säugetieren und Vögeln werde stattdessen abnehmen. (vb)