Übergewicht bald vor Rauchen häufigste Krebs-Ursache

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Gesundheitsexperte warnt: Fettleibigkeit ist das neue Rauchen

Simon Stevens ist Chef des National Health Service (NHS), der Gesundheitsbehörde in Großbritannien. Auf der weltweit größten Krebskonferenz warnte der Gesundheitsexperte vor den massiven gesundheitlichen Auswirkungen, die die ständig wachsenden Anzahl von Übergewichtigen mit sich bringt. „Fettleibigkeit ist zum neuen Rauchen geworden“, warnt der NHS-Chef.


Das jährliche Meeting der American Society of Clinical Oncology in Chicago ist weltweit die größte Konferenz für Krebserkrankungen. Bei dem Treffen hielt NHS-Chef Simon Stevens einen Vortrag, in dem er vor den Folgen von Übergewicht warnt. In Großbritannien habe sich Übergewicht zu einem der bedeutendsten Gesundheitsprobleme entwickelt. Fast jeder dritte Erwachsene sei übergewichtig. Der Anteil habe sich seit dem Jahr 1993 verdoppelt. Wenn sich diese Entwicklung fortsetze, wird Fettleibigkeit das Rauchen als häufigste Ursache für Krebs ablösen.

Übergewicht erhöht das Risiko für mindestens zwölf verschiedene Krebsarten wie beispielsweise Brustkrebs oder Darmkrebs. (Bild: JPC-PROD/fotolia.com)

Übergewicht verursacht Krebs

Stevens mahnt, dass zu viele Menschen sich noch nicht darüber im Klaren sind, dass Übergewicht mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden ist. Der heutige vielfach ausgeübte Lebensstil mit wenig Bewegung und fett- sowie zuckerreicher Ernärung mache Jahrzehnte des medizinischen Fortschritts hinfällig. Schon heute sei ein deutlicher Anstieg in den Krebsfällen zu verzeichnen, die mit Übergewicht in Verbindung stehen.

Düstere Prognosen

Steven stellt die aktuellen Prognosen der NHS vor. Demnach wurden im Jahr 2015 22.800 Krebserkrankungen registriert, die mit Übergewicht in Verbindung stehen. Wird sich dieser Trend so fortsetzen, wird es im Jahr 2030 jährlich etwa 36.800 solcher Fälle geben – fast doppelt so viele. „Obwohl die Überlebensraten von Krebs auf einem Rekordhoch sind, wissen viele Menschen noch nicht, dass Übergewicht zu den stärksten Risikofaktoren für Krebs zählt“, erklärt Stevens. Die Prognosen zeigen, dass es bis zum Jahr 2030 in England jeden Tag 100 neue Krebserkrankungen im Zusammenhang mit Übergewicht geben wird.

Diese Aufgabe kann keiner alleine stemmen

„Wenn die Bevölkerung weiterhin so zunehmen wird, stehen uns jedes Jahr Tausende vermeidbarer Krebstodesfälle bevor“, so der NHS-Chef. Stevens betont, dass die Gesundheitsbehörde diesen Kampf nicht alleine gewinnen kann. Lebensmittelunternehmen, Regierungen sowie jeder selbst müsse einen Teil dazu beitragen.

Gewichtszunahmen machen klinische Erfolge zunichte

Dr. Jennifer Ligibel, eine Expertin der Harvard-Universität, unterstütze die Rede von Stevens. Sie legte Beweise vor, dass Übergewicht auch zu erhöhten Raten von Brustkrebs führt. Eine aktuelle Studie zeigte, dass jede Gewichtszunahme von 5,5 Kilogramm das Krankheitsrisiko um bis zu acht Prozent erhöht. Ligibel befürchtet, dass der rasche Anstieg der Fettleibigkeit bald die medizinischen Erfolge bei Krebs rückgängig machen könnte. „Es ist sehr beunruhigend: Wir machen große Fortschritte bei der Krebstherapie und -behandlung, aber es besteht die Gefahr, dass Fettleibigkeit all dies untergräbt“, mahnt Ligibel.

Menschen brauchen dringend mehr Hilfe beim Abnehmen

„Es besteht ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Krebs und Adipositas. Wir wissen, dass dadurch ein höheres Risiko für ein Dutzend verschiedener Krebsarten besteht“, resümiert die Krebs-Expertin. Menschen müssten viel mehr Unterstützung beim Abnehmen bekommen. Beispielsweise könnten gezielte Abnehmprogramme helfen, langfristige Änderungen in der Lebensweise vorzunehmen. Es gehe darum, den Körper in einem gesunden Gewichtsbereich zu halten. Dies sei durch regelmäßigen Sport und durch eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse, magerem Fleisch und geringem Alkoholkonsum zu erreichen. (vb)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.