Untersucht: Kindermatratzen können krebserregende Stoffe freisetzen

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Gesundheitliche Gefahren durch Kindermatratzen?

Einige Kindermatratzen können der Gesundheit von Kindern schaden, weil sie durch die Körpertemperatur erwärmt werden und so gefährliche Schadstoffe ausstoßen, die bei Untersuchungen bereits mit Krebs in Verbindung gebracht wurden.


Bei der aktuellen Studie des Technion, Israel Institute of Technology wurde festgestellt, dass Kindermatratzen gefährliche Schadstoffe freisetzen können, wenn die Matratzen durch die Körpertemperatur erwärmt werden. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem englischsprachigen Fachblatt „Environmental Science and Technology“ publiziert.

Matratzen von Kindern können gesundheitsgefährdende Verbindungen freisetzen. (Bild: contrastwerkstatt/fotolia.com)

Was bewirken flüchtige organische Verbindungen?

Die Exposition gegenüber sogenannten flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) kann toxisch sein und wurde bereits mit Kopfschmerzen, Übelkeit, Leber- und Nierenschäden, Nervenproblemen und Krebs in Verbindung gebracht. Die winzigen Partikel können zu einer gesundheitlichen Bedrohung werden, wenn sie von Hunderten von alltäglichen Haushaltsgegenständen wie Möbeln, Kerzen und Teppichen freigesetzt werden.

Asthma durch das Einatmen von flüchtigen organischen Verbindungen?

Die Forschenden fanden heraus, dass die Materialien, aus denen Matratzen hergestellt werden, bei Erwärmung auf Körpertemperatur höhere Mengen der Verbindungen freisetzen. Menschen können dann die schädlichen Stoffe einatmen, weil sich ihre Gesichter direkt über dem Stoff befinden. Bei zahlreichen Studien wurden flüchtige organische Verbindungen beschuldigt, Asthma bei Kindern ausgelöst und bei Erwachsenen verschlimmert zu haben. Das Einatmen von flüchtigen organischen Verbindungen kann Augen, Nase und Rachen reizen und Atembeschwerden verursachen.

Acht verschiedene Matratzen wurden untersucht

Bei der aktuellen Studie wurden acht verschiedene Kindermatratzen genau untersucht. Die Forschenden analysierten, wie sich Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Kohlendioxidkonzentration, welche durch das Liegen für einen Zeitraum von mehreren Stunden auf der Matratze ansteigen, auf mehrere flüchtige organische Verbindungen auswirken, welche von der Matratzen abgegeben werden. Die Forschenden legten dafür Teile der Matratzen in eine Kammer, aus der sie Luftproben entnahmen.

Matratzen setzten 18 flüchtige organische Verbindungen frei

Die acht Matratzen setzten ziemlich ähnliche Mengen von 18 flüchtigen organischen Verbindungen frei, mit Ausnahme einer flammhemmenden Verbindung, die nur von einer Säuglingsmatratze abgegeben wurde, berichten die Autoren. Körpertemperaturen trugen wesentlich dazu bei, dass flüchtige organische Verbindungen freigesetzt wurden. Säuglinge und Kleinkinder, die einige dieser Verbindungen einatmen, wie beispielsweise Acetaldehyd, Formaldehyd und Benzol, könnten einem erhöhten Gesundheitsrisiko ausgesetzt sein. Eine andere Verbindung mit potenziellem Gesundheitsrisiko war sogenanntes Butylhydroxytoluol (BHT), welches ebenfalls in Matratzen nachgewiesen wurde.

Ist der Kontakt mit flüchtigen organischen Verbindungen vermeidbar?

Die Exposition gegenüber flüchtigen organischen Verbindungen ist aufgrund der Vielzahl von Emissionsquellen (darunter beispielsweise Vinylböden, Reinigungsmittel, Kosmetika und Haarsprays) praktisch unvermeidbar. Flüchtige organische Verbindungen in Produkten werden über Monate oder sogar Jahre hinweg langsam freigesetzt. Ein Beispiel hierfür ist eine Farbe, die anfangs einen starken Geruch aufweist und mit der Zeit verdunstet. Nicht alle dieser Verbindungen sind gesundheitsschädlich, es gibt viele flüchtige organische Verbindungen, welche harmlos sind. Es gibt Anzeichen dafür, dass flüchtige organische Verbindungen in Wohngebieten zunehmen, weil Wohngebäude sie aufgrund mangelnder Belüftung einschließen. Wenn Luft in einem Haus eingeschlossen wird, besteht die Möglichkeit, dass deutlich höhere Konzentrationen erreicht werden.

Weitere Forschung ist nötig

Die gesundheitlichen Risiken von flüchtigen organischen Verbindungen durch Matratzen seien gering, aber besorgte Eltern können stattdessen eine Matratze auf Baumwoll-, Woll- oder Federbasis wählen, die mit weniger flüchtigen organischen Verbindungen hergestellt wird. Die Forschenden erklärten, dass weitere Studien zu möglichen gesundheitlichen Auswirkungen einer geringen Exposition gegenüber flüchtigen organischen Verbindungen erforderlich seien. (as)

Autor:
Alexander Stindt
Quellen:
  • Kira Oz, Bareket Merav, Sabach Sara, Dubowski Yael: Volatile Organic Compound Emissions from Polyurethane Mattresses under Variable Environmental Conditions, in Environmental Science and Technology (Abfrage: 12.07.2019), Environmental Science and Technology