Ursache für Antibiotikaresistenz wurde identifiziert

Schimmelpilze in einer Petrischale

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Wie schützen sich Bakterien vor Antibiotika?

Bakterien können ihre Form verändern, um sich im Körper vor Medikamenten zu verbergen. Diese neue Erkenntnis ist ein großer Durchbruch im globalen Kampf gegen die weiter zunehmende Antibiotikaresistenz von Bakterienstämmen.


Bei der aktuellen Untersuchung der Newcastle University wurde jetzt festgestellt, dass Bakterien ihre Form verändern können, um sich vor Medikamenten zu schützen. Die Ergebnisse der Studie wurden in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Nature Communications“ publiziert.

Schimmelpilze in einer Petrischale
Die Entdeckung von Penicillin war der Anfang der medizinischen Antibiotika. Heutzutage wird Penicillin beispielsweise zur Behandlung von Harnwegsinfektionen eingesetzt. (Bild: sinhyu/fotolia.com)

30 Menschen mit Harnwegsinfektionen wurden untersucht

Der weltweite Anstieg der Resistenz von Bakterien gegen Medikamente könnte in Zukunft selbst die einfachsten Operationen unmöglich machen. Es war bereits bekannt, dass sich Bakterien anpassen, um Antibiotika zu entgehen, allerdings war nicht klar, wie sie dies tun. Bei der Untersuchung der Proben von 30 älteren Patienten mit wiederkehrenden Harnwegsinfektionen fanden die Forschenden bei ihrer Studie heraus, dass Bakterien ihre Zellwand verloren, indem sie sich von einem kleinen röhrenförmigen Organismus zu einem amorphen Klumpen entwickelten, den Antibiotika nicht erkennen können.

Darum werden bestimmte Bakterien nicht von Antibiotika angegriffen

Die Zellwand gibt den Bakterien eine regelmäßige Form (beispielsweise Stäbchen- oder Kugelform) und schützt sie. Allerdings macht dies die Bakterien auch gut erkennbar für das menschliche Immunsystem und Antibiotika wie Penicillin. Die Forschenden konnten beobachten, dass die Bakterien in Gegenwart von Antibiotika in der Lage sind, von einer hochregelmäßigen Wandform in einen völlig zufälligen, zellwandmäßigen L-förmigen Zustand zu wechseln. In dieser Form kann der Körper die Bakterien schwerer erkennen und greift sie nicht an, was auch für Antibiotika gilt.

Der Grund warum Harnwegsinfektionen wieder zurückkehren

Dem Team ist es gelungen, auf einem Video festzuhalten, wie Bakterien nach dem nicht mehr Vorhandensein des Antibiotikums eine neue Zellwand bilden und die Zellwand innerhalb von nur fünf Stunden in ihren gewohnten Zustand zurückkehrt. Die Forschenden nehmen an, dass dies der Grund dafür ist, dass Harnwegsinfektionen so oft zurückkehren, weil die Antibiotika die Bakterien nicht wirklich auslöschen. Die Bakterien bilden dann eine neue Zellwand und die betroffene Person steht wieder vor einer erneuten Infektion. (as)

Autor:
Alexander Stindt
Quellen:
  • Katarzyna M. Mickiewicz, Yoshikazu Kawai, Lauren Drage, Margarida C. Gomes, Frances Davison et al.: Possible role of L-form switching in recurrent urinary tract infection, in Nature Communications (Abfrage: 27.09.2019), Nature Communications

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.