Vergesslichkeit – Wann wird es riskant?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Wo liegt die Grenze zwischen bloßer Schusseligkeit und Symptomen ernster Erkrankungen wie Parkinson oder einem Hirntumor? Hier einige Tipps, worauf Sie achten können.


Schusseligkeit

Jeder Mensch kennt das: Er hat andere Gedanken im Kopf und merkt, dass er den Autoschlüssel vergessen hat. Oder er hat fünf Dinge gleichzeitig vor, kann sich diese aber nicht alle merken. Oder man geht in den Supermarkt, um Kaffee zu kaufen, kommt mit zwei vollen Tüten zurück – aber ohne Kaffee. Dinge im Alltag zu vergessen nervt, es ist aber normal.

Hinter zunehmender Vergesslichkeit können harmlose Auslöser stecken, aber auch schwere Krankheiten. (Bild: pathdoc/fotolia.com)

Wann wird es kritisch?

Für die Betroffenen selbst ist es oft schwer, zu sehen, wann die „gewöhnliche“ Vergesslichkeit aufhört und Formen der Demenz beginnen. Ab und zu etwas vergessen ist kein Problem, ein Warnsignal leuchtet hingegen, wenn Sie tägliche Routine nicht bewältigen können – in der Arbeit, in der Freizeit, im Haushalt.

Wann zum Arzt?

Wenn Sie selbst merken, dass Sie immer häufiger Dinge vergessen, kleine des Alltags ebenso wie wichtige, und Sie andere Menschen immer häufiger darauf ansprechen, sollten Sie in jedem Fall einen Arzt aufsuchen.

Was macht der Arzt?

Der Arzt wird Sie zuerst fragen, inwiefern Sie bemerken, dass ihre Vergesslichkeit schlimmer geworden ist, ob Sie dadurch Nachteile im Alltag haben und mögliche Ursachen abklopfen.

Keine klinischen Krankheiten als Ursache

Oft liegen keine Störungen als Folge einer physischen Krankheit vor, zum Beispiel, wenn Sie den Kopf mit anderen Dingen voll haben. Bereiten Sie sich gerade auf eine Prüfung vor? Grübeln Sie ständig über die Zukunft ihrer Kinder? Dann sind ihre Gedanken nicht bei den Dingen, die im Alltag gerade anliegen.

Neuropsychologische Tests

Um objektiv zu beurteilen, ob ihre Vergesslichkeit pathologisch ist, führen Arzt oder Ärztin neuropsychologische Tests durch, um zu sehen, welche Informationen Sie im Gedächtnis abrufen können. Dazu dient zum Beispiel der Uhrentest, bei dem Sie auf einem Ziffernblatt eine bestimmte Uhrzeit einzeichnen.

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung werden Blutdruck, Puls, Blut und Urin analysiert, um zu sehen, ob eine Stoffwechsel- oder Hormonstörung vorliegt.

EKG und CT

EKG und Computertomografie sowie Kernspintomografie zeigen Veränderungen im Gehirn, wie sie bei Alzheimer oder Demenz auftreten.

Vom Hausarzt zum Neurologen

Die Erstuntersuchung machen Hausarzt oder Hausärztin. Haben diese den begründeten Verdacht, dass eine Demenz vorliegt, ist die Neurologie gefragt.

Anzeichen von Demenz

Die Vergesslichkeit nimmt im Alter zu, das ist normal. Bei Demenzkranken verschlechtert sich das Gedächtnis jedoch viel schneller, und das Erinnerungsvermögen sinkt rapide innerhalb weniger Monate. Zudem vergessen Demenzkranke auch Gegenstände, die ihnen wichtig sind.

Anzeichen von Alzheimer

Bei Alzheimer leidet nicht nur das Kurzzeitgedächtnis. Auch das Langzeitgedächtnis setzt immer mehr aus, je mehr die Krankheit fortschreitet. Zudem leiden die intellektuellen Fähigkeiten, denn die Nervenzellen im Gehirn sind irreparabel geschädigt.

Anzeichen von Altersvergessenheit

Altersvergesslichkeit bleibt auf einem bestimmten Punkt stehen – dem der „normalen Schusseligkeit“. Typisch für diese nicht pathologische Vergesslichkeit ist, dass sie sich nur auf das Gedächtnis erstreckt. Die intellektuellen Fähigkeiten sind ebenso wenig eingeschränkt wie die Motorik oder die Sprache.

Symptom, keine Krankheit

Erinnerungsstörungen sind keine eigenständige Krankheit, sondern ein unspezifisches Symptom, das verschiedene Erkrankungen zur Basis haben kann. Deshalb sollten Sie die Ursache unbedingt ärztlich abklären lassen.

Ursachen von Gedächtnisstörungen

Gedächtnisstörungen können harmlose Ursachen haben, die leicht zu beheben sind oder aber ernste Krankheiten als Basis. Zu den schweren Krankheiten, die mit Erinnerungsverlust einhergehen gehören Parkinson, Hirntumore, Nierenerkrankungen, Schlaganfälle oder Erkrankungen der Schilddrüse.

Leicht zu behendende Ursachen

Doch auch weniger dramatische Auslöser können zu Gedächtnisschwund führen. Dazu gehören Flüssigkeitsmangel, Vitaminmangel, Schlafmangel, bestimmte Medikamente oder Eisenmangel. Hier helfen die Zufuhr der fehlenden Flüssigkeit, die Einnahme der Vitamine, Schlaf und das Absetzen der ursächlichen Arzneien.

Psychische Ursachen

Ursachen für Gedächtnisstörungen können auch Depressionen sein, das Posttraumatische Belastungssyndrom, Borderline, Traumatisierungen, negativer Stress und generell alle affektiven Störungen, die mit Dissoziationen verbunden sind. Bei jungen Menschen kann Vergesslichkeit Folge einer Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätsstörung sein.

Warum macht Stress vergesslich?

Stress ist ein evolutionär entstandener Gefahrenmodus. Adrenalin, Noradrealin und Corticoide laufen auf Hochtouren. Die Wahrnehmung verengt sich auf eine Angriffs- oder Fluchtreaktion gegenüber der (oft vermeintlichen) Bedrohung. Betroffen ist besonders der Hippocampus, der das Kurzzeitgedächtnis steuert. Der kann jetzt nicht mehr in aller Ruhe die Gedächtnisinformationen filtern.

Depressionen

Mittelschwere und vor allem schwere Depressionen sind mit massivem Gedächtnisverlust verbunden. Die Konzentration rutscht in den Keller, die geistige Leistung nimmt ab. Die Gedächtnisleistung nimmt so stark ab, dass die Betroffenen den Alltag kaum noch bewältigen können. Psychotherapie und Antidepressiva helfen, ärztliche Betreuung ist unumgänglich.

Was tun?

Durch Mangel bedingter Vergesslichkeit können Sie gut entgegen wirken. Sie sollten darauf achten, genug Eisen und Vitamin 1 zu sich zu nehmen, sich körperlich fit zu halten und mit Entspannungsübungen wie Waldspaziergängen Stress beim Entstehen zu verhindern. Ganz wichtig ist: Schlafen Sie ausreichend und ungestört, mindestens sieben Stunden. (Dr. Utz Anhalt)