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Viele Menschen leben im Dauerstress bei der Arbeit

Dr. Utz Anhalt
Verfasst von Dr. phil. Utz Anhalt
20. Mai 2016
in News
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Fast jeder Arbeitnehmer in Deutschland, nämlich neun von zehn, leidet unter Stress bei der Arbeit. Das ergab eine aktuelle Studie der pronova BK.

Die Gründe? Anspruchsvolle Aufgaben in einer immer komplexeren Welt? Weit gefehlt. Platz 1 der Stressfaktoren ist ständiger Termindruck mit 38 %, Platz 2 ein schlechtes Arbeitsklima und die Bronzemedaille für Stress verursachende Bedingungen am Arbeitsplatz erhält emotionale Belastung.

Zu schaffen machen den Befragten vor allem Überstunden. Immerhin jeder dritte von zehn muss auch in seiner Freizeit ständig erreichbar sein, sprich in Rufbereitschaft. Das gilt indessen nicht als vergüteter Bereitschaftsdienst.

Nur 40 % der Befragten halten täglich eine Mittagspause, und fast 30 % verlassen ihren Arbeitsplatz während der Arbeitszeit überhaupt nicht. Es eine Binsenweisheit, dass Pausen, die bewusst der Erholung dienen, psychisch notwendig sind und zudem die Arbeitsleistung verbessern.

Mediziner empfehlen alle 45 Minuten eine 5 Minutenpause, alle drei Stunden eine 15 Minutenpause und eine halb- bis einstündige Mittagspause. Diese Pausen sind nur dann Pausen, wenn sie nicht mit überschüssiger Arbeit vollgepfropft werden.

Genau das tun aber viele der Befragten und steigern damit zusätzlich den Stress: Sie reden in den Pausen über Dienstliches. Oder sie organisieren Termine und erledigen private Dinge. Eine Ruhepause legen sie nicht ein, und sind deshalb auch nicht entspannt, wenn sie wieder an die Arbeit gehen.

Der Stress durch die unzumutbaren Bedingungen macht krank. 2 von 3 Befragten leiden unter Verspannungen im Nacken, und mehr als jedem Zweiten machen Rückenschmerzen zu schaffen, einer von zwei hat Schmerzen in Schultern, Armen und Händen.

Die aktuelle Studie bestätigt, was der Stressreport der Bundesregierung bereits 2012 ergab. Seit 1990 nehmen Leistungsverdichtung, Arbeitstempo und Zeitdruck ständig zu.

Bis Mitte der 2000er Jahre stiegen demnach die Belastungen extrem, um sich dann zwischen 2005 und 2011 auf sehr hohem Niveau einzupendeln.

Schon 2012 standen psychische Erkrankungen an vierter Stelle aller Krankheiten und Hauptfaktor dafür waren die Belastungen am Arbeitsplatz.Depressionen, aber auch Herz-Kreislauf-Beschwerden bis hin zum Herzinfarkt, Migräne und Tinnitus zählen zu den verbreiteten Folgen ständigen Zeitdrucks, schlechter Arbeitsatmosphäre und emotionalen Stresses.Am Ende steht oft ein Burn-Out.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund erläutert: “Die Umfrage des Jahres 2015 zeigt, dass Präsentismus in Deutschland unter den abhängig Beschäftigten weit verbreitet ist: knapp die Hälfte (47%) der abhängig Beschäftigten in Deutschland gaben an, im vergangenen Jahr mindestens eine Woche trotz Krankheit gearbeitet zu haben.” Ein Faktor für Stress in hohem Ausmaß, denn “besonders stark verbreitet ist dies unter Beschäftigten mit einer hohen psychischen Arbeitsbelastung: Arbeitsverdichtung, die Sorge um den Arbeitsplatz und ein schlechtes Betriebsklima tragen offenbar dazu bei, dass Beschäftigte trotz Krankheit arbeiten.”

Ein positiver Anreiz fehlt hingegen: “Die Vermutung, dass eine hohe Identifikation der Beschäftigten mit ihrer Arbeit ebenfalls zu diesem Verhalten führt, konnte dagegen nicht belegt werden.”

Der Index des DGB “Gute Arbeit” zeigt also, dass die drei Haupt-Stress-Faktoren für Arbeitnehmer Termindruck, schlechtes Arbeitsklima und emotionale Belastung direkt verknüpft sind.(Dr. Utz Anhalt)

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Autoren- und Quelleninformationen

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Dr. Utz Anhalt

Dr. Utz Anhalt

Utz Anhalt, Geb. 19.03.1971 in Hannover. 1999 Magister Geschichte / Politik; 2007 Doktor der Philosophie über die Geschichte der Zoos. Redakteur bei Heilpraxisnet.de, Dozent, Publizist und Autor unter anderem für Museum aktuell, Expotime, Nautilus - Magazin für Abenteuer und Fantastik, Miroque, Karfunkel, Zillo Medieval, Sitz-Platz-Fuß, Junge Welt, Freitag, TAZ, ND, Frankfurter Allgemeine. Mitarbeit bei Abenteuer Wissen, Welt der Wunder, Galileo Mystery, History Channel, Planetopia. Recherche in Venezuela, bei Indigenen in USA / Mexiko, Tansania / Uganda, Indien, Thailand und inzwischen vor allem Iran. Dr. Utz Anhalt bei Wikipedia

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