Vitaminpräparate bieten keinen Schutz vor Schlaganfällen und Herzinfarkten

Alfred Domke

Vitamine und Co: Nahrungsergänzungsmittel nutzlos gegen Herzinfarkt und Schlaganfall

Viele Deutsche schlucken regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel. Experten weisen allerdings immer wieder darauf hin, dass solche Präparate nur in seltenen Fällen gesundheitliche Vorteile bringen. Gegen Krankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall sind sie nutzlos. Das hat sich nun erneut in einer Studie gezeigt.


Kein Schutz vor Herzkrankheiten

Der Markt mit Nahrungsergänzungsmitteln boomt: Jährlich werden über 160 Millionen Packungen verkauft. Laut Gesundheitsexperten sind solche Präparate aber nur für wenige Menschen empfehlenswert. Von manchen gehen sogar Gesundheitsrisiken aus. Und vor schweren Erkrankungen, etwa des Herzens, schützen die Multivitaminpräparate und Mineralstoffe auch nicht, wie sich nun erneut in einer Studie gezeigt hat.

In einer neuen Studie hat sich gezeigt, dass Nahrungsergänzungsmittel nicht das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt senken. Experten empfehlen das Geld nicht in solche Präparate, sondern in gesunde Ernährung zu stecken. (Bild: pat_hastings/fotolia.com)

Geld besser in gesunde Ernährung stecken

Wie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) in einer Mitteilung berichtet, senken Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine und Mineralien nicht das Risiko, an einem Hirninfarkt oder einer Herzkrankheit zu sterben.

So lautet das Ergebnis einer aktuellen Übersichtsstudie mit über zwei Millionen Teilnehmern.

Experten der DGN und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) raten Verbrauchern deshalb, ihr Geld lieber in einen Sportverein zu investieren und auf eine gesunde Ernährung zu achten.

Jeder vierte Deutsche nimmt Nahrungsergänzung

Wie es in der Mitteilung heißt, schluckt jeder vierte deutsche Verbraucher Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin A, C, D und E, Kalzium, Magnesium oder Eisen.

Laut Verbraucherzentrale Bundesverband setzte der Handel mit solche Mitteln im Jahr 2015 rund 1,1 Milliarden Euro um. Dass dieses Geld schlecht angelegt ist, bestätigt nun eine Metaanalyse zum Einsatz der Präparate gegen Schlaganfall und Herzinfarkt.

US-Mediziner um den Kardiologen Dr. Joonseok Kim, Juniorprofessor an der University of Alabama in Birmingham, haben für die Metaanalyse insgesamt 3.249 Studien aus den Jahren 1970 bis 2016 berücksichtigt.

Um zu klären, wie die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln das Risiko für Schlaganfälle und Herzerkrankungen beeinflusst, analysierten die Wissenschaftler 18 besonders hochwertige Studien, an denen insgesamt mehr als zwei Millionen Menschen teilgenommen hatten.

Kein Nutzen für die Bevölkerung

„Das Ergebnis ist ernüchternd und lautet, dass es keinen Nutzen einer solchen Maßnahme für die Gesamtbevölkerung gibt“, sagte Professor Dr. Peter Berlit, DGN-Generalsekretär und ehemaliger Chefarzt der Klinik für Neurologie am Alfried Krupp Krankenhaus in Essen.

Wenn man die Sterblichkeit für alle Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammenfasst, so war das relative Risiko (RR) bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln exakt 1,00.

Das bedeutet, dass es keinen Unterschied machte, ob die Teilnehmer eine Extradosis Vitamine, Mineralstoffe oder Spurenelemente einnahmen oder nicht.

Zum gleichen Ergebnis kamen die Forscher – im Rahmen der statistischen Schwankungen – bei der separaten Betrachtung von Herzsterblichkeit (RR 1,02), Tod durch Schlaganfall (RR 0,95) und der Häufigkeit von Schlaganfällen (RR 0,98).

Nur das Risiko für Herzerkrankungen schien mit einem RR von 0,88 für Nahrungsergänzungsmittel zu sprechen.

Doch auch hier besteht kein Zusammenhang: Zieht man lediglich die höherwertigen, sogenannten randomisierten und kontrollierten Studien zur Berechnung heran, ergibt sich ein relatives Risiko von 0,97.

Sterblichkeit wird erhöht

„Zu diesem unbefriedigenden Resultat kommt noch das alarmierende Ergebnis einer systematischen Metaanalyse von 78 randomisierten Studien aus dem Jahr 2012 durch die Cochrane Collaboration, wonach die Nahrungsergänzung mit Antioxidantien nicht nur nicht hilft, sondern sogar die Sterblichkeit erhöht!“, so Professor Berlit.

Dabei hatten sich die Wissenschaftler in der aktuellen Studie die größte Mühe gemacht, auch Untergruppen zu erkennen, die möglicherweise doch von Nahrungszusätzen profitieren könnten.

Das Ergebnis blieb jedoch immer negativ, egal, wie lange die Präparate eingenommen wurden, wie alt die Studienteilnehmer waren, ob Mann oder Frau, Raucher oder Nichtraucher, sportlich oder nicht.

Es gibt bessere Investitionen in die Gesundheit

„Mit Multivitamin-Tabletten werden jährlich Milliardenumsätze gemacht, die Metaanalyse zeigt jedoch klar, dass diese Pillen weder Schlaganfälle verhindern noch die Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken“, fasst der 1. Vorsitzende der DSG, Professor Dr. Armin Grau, zusammen:

„Von diesen Pillen profitieren nur Hersteller und Verkäufer. Es ist hingegen eindeutig erwiesen, dass Salat, Obst und Gemüse Gefäßerkrankungen entgegenwirken. In Salat, Obst und Gemüse kommen Vitamine in ihrer natürlichen Umgebung vor. Fünf Portionen am Tag gelten als optimal.“

Weitere effektive Maßnahmen, die sogar den Geldbeutel schonen, sind der Verzicht aufs Rauchen und auf größere Mengen Alkohol sowie regelmäßige körperliche Bewegung.

„Wenn man schon Geld ausgeben will, dann ist es ist viel lohnenswerter, in einen Sportverein oder ein Fitnessstudio zu investieren als in Vitamine und Mineralstoffe“, rät Professor Berlit. (ad)