Wer sollte sich gegen die Grippe impfen lassen?

Apothekerkammer Bremen empfiehlt Immunisierung in den Herbstmonaten

Bei den momentan noch warmen Temperaturen schon an Winter, Kälte und Grippe denken? Wichtig wäre es – denn die nächste Grippewelle kommt bestimmt. Dass die echte Influenza in Deutschland immer noch tödlich enden kann, belegen die Zahlen: Die Grippe-Saison 2017/2018 war die stärkste der vergangenen Jahrzehnte. Mehr als 300.000 Menschen erkrankten an der Infektion, etwa 1.000 Patienten starben nachweislich daran.


Deshalb raten Ärzte und auch die Apothekerkammer Bremen, sich rechtzeitig impfen zu lassen, um das Risiko zu minimieren – besonders für Menschen über 65 Jahre, Schwangere und Kinder ist das Thema relevant.

Grippe-Impfung schon jetzt sinnvoll. Bild: abhijith3747 – fotolia

Wenn mit dem Herbst wieder kühlere Temperaturen ins Bremer Land einziehen, ist der nächste Husten und Schnupfen nicht weit entfernt. Erkältungsymptome wie Abgeschlagenheit, Husten, Schnupfen und Kältegefühl machen sich dann bemerkbar. Nach ein paar Tagen Schonung sind die Betroffenen in der Regel wieder gesund. Eine richtige Grippe äußert sich hingegen mit hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Husten sowie Halsschmerzen. „Die meisten überstehen die Krankheit ohne größere Komplikationen. Sie kann allerdings das Immunsystem derart schwächen, dass die Patienten zusätzlich an Lungen- oder seltener Gehirn- oder Herzmuskelentzündungen erkranken“, warnt Dr. Stefan Schwenzer, Vorstandsmitglied der Apothekerkammer Bremen.

Um eine richtige Grippe zu erkennen, kann beim Hausarzt ein Influenza-Schnelltest (near-patient test) gemacht werden, das Ergebnis steht bereits nach 15 Minuten fest. Liegt eine Grippe vor, muss der Nachweis der Influenza gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG) gemeldet werden. „Die Ansteckung erfolgt schnell und geschieht über Tröpfcheninfektion. Setzt ein Erkrankter durch Niesen oder Husten die Krankheitserreger frei, atmen Umstehende diese Viren leicht ein“, so Schwenzer. Auch durch direkten Kontakt wie Händeschütteln oder Küssen besteht Ansteckungsgefahr. Die Influenzaviren überleben an der Luft mehrere Stunden, bei geringen Temperaturen entsprechend noch länger. Aus diesem Grund ist auch eine Übertragung über kontaminierte Türklinken, Lichtschalter, Geldscheine oder Haltegriffe in Bussen und Bahnen möglich.

Wann eine Impfung sinnvoll ist

Experten zufolge lassen sich höchstens 50 Prozent der Menschen gegen Grippe impfen, für die eine Immunisierung empfohlen wird. Dazu zählen laut Ständiger Impfkommission (STIKO) beispielsweise Erwachsene, die chronische Herz-Kreislauf-und Atemwegserkrankungen oder Beschwerden der Nieren, Leber oder des Nervensystems aufweisen. Auch Menschen mit Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes mellitus, Krankheiten des Abwehrsystems oder des Blutes sowie Personen mit angeborener oder erworbener Immundefizienz oder einer HIV-Infektion zählen dazu. Zudem sollten sich laut STIKO Schwangere ab dem 2. Trimenon, Kinder ab sechs Jahre, Frauen und Männer ab 60 Jahre und Bewohner von Alters- und Pflegeheimen impfen lassen.

Gleiches gilt für alle, die beruflich oder privat einer erhöhten Ansteckungsgefahr ausgesetzt sind. Für die kommende Grippesaison empfiehlt die STIKO erstmals einen Vierfachimpfstoff – mit jeweils zwei Komponenten gegen A- und B-Linien des Influenzavirus, da in der letzten Saison überraschend viele Menschen an einer B-Linie erkrankt waren, die nicht im Dreifach-Impfstoff berücksichtigt wurde. Nun bekommen auch Kassenpatienten die Vierfach-Dosis. Wichtig zu wissen: „Eine 100-prozentige Sicherheit, nicht an Grippe zu erkranken, ist durch die Impfung zwar nicht gegeben“, sagt der Apotheker. Dennoch mache der Piks Sinn.

„Studien zeigen, dass eine Grippeimpfung Vorteile hat. Die Schutzwirkung liegt bei jungen Erwachsenen bei bis zu 80 Prozent, bei Älteren bei 40 bis 60 Prozent. Kommt es dennoch zur Ansteckung, verläuft die Krankheit wesentlich glimpflicher – meist ohne Aufenthalt im Krankenhaus.

Der beste Zeitpunkt

Wer sich für eine Grippeimpfung entscheidet, macht am besten einen Termin im Oktober oder November. Nach der Spritze dauert es 10 bis 14 Tage, bis der Impfschutz vollständig gegeben ist. „Sollten Patienten dennoch an Grippe erkranken, lindern frei in der Apotheke erhältliche Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol die Kopfschmerzen und das Fieber. Gegen den Husten und Schnupfen helfen inhalieren, Nasenspray, Halsbonbons sowie Hustentropfen und –saft“, so Apotheker Schwenzer. Außerdem sollten sich Betroffene Bettruhe halten und viel trinken. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, vom Arzt antivirale Wirkstoffe, sogenannte Neuraminidasehemmer wie Oseltamivir und Zanamivir, verschrieben zu bekommen. Frühzeitig eingenommen, verringern sie sowohl die Dauer als auch die Schwere der Erkrankung. (sb)