Wie das Gehirn bis ins hohe Alter fit bleibt

Studie untersucht Möglichkeiten zum Schutz der kognitiven Fähigkeiten im Alter

Jeder von uns möchten gerne bis ins hohe Alter geistig fit bleiben. Doch viele Menschen zeigen mit zunehmendem Lebensalter einen deutlichen Rückgang ihrer kognitiven Fähigkeiten und nicht wenige entwickeln eine Demenzerkrankung. Wie sich die geistige Gesundheit bis ins hohe Lebensalter erhalten lässt, ist nicht eindeutig geklärt, doch haben Lebensstilfaktoren dem bisherigen Forschungsstand zufolge einen maßgeblichen Einfluss. Inwiefern durch gezielte Intervention bei der Lebensführung dem Verlust der kognitiven Fähigkeiten entgegengesteuert werden kann, soll in einer aktuellen Studie untersucht werden, für die derzeit noch Hausärzte zur Teilnahme gesucht werden.


Unter der Bezeichnung „AgeWell.de“ wird die Studie in vier Erhebungszentren (Leipzig, Greifswald, München, Kiel) durchgeführt. Insgesamt sollen 1.152 Hausarztpatienten im Alter von 60 bis 77 Jahren, bei denen ein erhöhtes Demenzrisiko vorliegt, für die Untersuchung rekrutiert werden. An ihnen wird anschließend die Wirkung eines gezielten Multikomponenten-Interventionsprogramms getestet, dass die geistige Gesundheit bis ins hohe Alter erhalten soll. Die Gesamtleitung der Studie hat Prof. Dr. med. Steffi G. Riedel-Heller vom MPH Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig übernommen. Derzeit werden noch teilnehmende Hausärzte in einzelnen Erhebungsregionen gesucht.

Eine aktuelle Studie untersucht, mit welchen Maßnahmen sich die geistige Gesundheit bis ins hohe Lebensalter erhalten lässt. (Bild: ArtFamily/fotolia.de)

Lebensstil mit nachweislichem Einfluss

Heute leiden bereits rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland an Demenz und für die Zukunft wird aufgrund des demografischen Wandels mit einem deutlich Anstieg der Erkrankungen gerechnet. Die meisten Demenzformen sind dabei bislang nicht heilbar. Allerdings haben Beobachtungsstudien gezeigt, „dass das Demenzrisiko mit einer Reihe von vaskulären und lebensstilassoziierten Risikofaktoren zusammenhängt“, berichtet die Universität Greifswald in einer Mitteilung zu dem aktuellen Forschungsprojekt. Diese Studien untersuchten jedoch bisher lediglich die Wirksamkeit von Interventionen bei einzelnen Lebensstilfaktoren, was der multifaktoriellen Natur von Demenzerkrankungen nach Ansicht der Forscher nicht gerecht wird.

Spezielles Interventionsprogramm vorgesehen

In der AgeWell.de-Studie wird nun die Wirkung der gleichzeitigen Intervention bei mehreren Risikofaktoren und Krankheitsmechanismen untersucht. Das Multikomponenten-Interventionsprogramm der AgeWell.de-Studie umfasst dabei laut Angaben der Universität Greifswald:

  • Ernährungsberatung,
  • Erhöhung der körperlichen Aktivität,
  • kognitives Training,
  • Management vaskulärer Risikofaktoren,
  • Erhöhung der sozialen Aktivität,
  • Prüfung der Medikation sowie
  • Interventionen bei Verlusterlebnissen und depressiver Symptomatik.

Ziel sei es, die geistige Leistungsfähigkeit im Alter zu erhalten oder sogar zu verbessern. Die Studie ist insbesondere an Hausärzte adressiert, weil diese sich in ihrer alltäglichen Praxis häufig den Herausforderungen im Umgang mit der schwierigen Situation der Menschen mit Demenz gegenüber sehen, so die Universität Greifswald weiter. Der umfassenden Ansatz des AgeWell.de-Projektes werde von zahlreichen Hausärzten unterstützt und viele seien bereits aktive Kooperationspartner. Aktuell werden jedoch auch noch weitere Hausärzte gesucht, die geeignete Patientinnen und Patienten in die Studie einbringen können.

Hausärzte für die Teilnahme gesucht

Interessierte Hausärzte können sich persönlich beim DZNE über den genauen Ablauf der Studie informieren. Dr. Ina Zwingmann vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) wird hier als Ansprechpartnerin für die Studie genannt. „Auch stehen wir interessierten Hausärzten gern für Fragen und Unterstützung zur Verfügung,“ so der Hinweis der Forscher. Für die teilnehmenden Hausärzte bestehe die wichtigste Aufgabe in der Rekrutierung der Patientinnen und Patienten. Das entsprechende Informationsmaterial werde selbstverständlich gestellt. Zudem könne ein Großteil der Arbeitsschritte auch von dem jeweiligen Praxisteam übernommen werden, das von den Forschern extra geschult werde. „Nach unserer Erfahrung nehmen hausärztliche PatientInnen sehr gerne an solchen Projekten teil“, betonen die Wissenschaftler.

Verbesserung der Demenzprävention das Ziel

Von den Interventionsmaßnahmen versprechen sich die Forschenden unter anderem positive Effekte auf den Erhalt oder eine Verbesserung der kognitiven Leistung, der Alltagsaktivität und der Lebensqualität. Die Ergebnisse der Studie sollen „einen Ausgangspunkt für eine bessere Demenzprävention und die Verringerung des eigenen Demenzrisikos bieten“, so die Wissenschaftler weiter. Das Forschungsprojekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. (fp)