Wird Gebärmutterhalskrebs in den nächsten Jahrzehnten weltweit ausgerottet?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Durchbruch bei der Behandlung von Gebärmutterhalskrebs?

Werden wir bereits in naher Zukunft in der Lage sein, Gebärmutterhalskrebs vollständig zu eliminieren? Forschende haben einen Impfstoff entwickelt, von dem sie annehmen, dass er das Zervixkarzinom in vielen Ländern innerhalb von drei Jahrzehnten praktisch beseitigen wird. Bis zum Ende des Jahrhunderts würde dann auch in den meisten anderen Ländern auf der Welt Gebärmutterhalskrebs vollständig ausgerottet sein.


Die Wissenschaftler des Cancer Council New South Wales stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass ein neu entwickelter Impfstoff zur vollständigen weltweiten Beseitigung von Gebärmutterhalskrebs führen könnte. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in dem englischsprachigen Fachblatt „The Lancet Oncology“.

Wird in naher Zukunft Gebärmutterhalskrebs vollständig ausgerottet sein? (Bild: fotoliaxrender/fotolia.com)

Screening und Impfungen könnten Millionen von Todesfällen verhindern

In den nächsten 50 Jahren werden wahrscheinlich mehr als 44 Millionen Frauen an Gebärmutterhalskrebs erkranken, weil sie an keinem Screening oder keiner Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) teilnahmen. Zwei Drittel dieser Fälle und schätzungsweise 15 Millionen Todesfälle seien in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu erwarten, behaupten die Experten. Der rasche Einsatz von Screening und Impfungen ab dem Jahr 2020 könnte weltweit bis zur Jahrhundertmitte mehr als 13 Millionen Gebärmutterhalskrebserkrankungen verhindern. Durch solch eine Behandlung könnte außerdem die Anzahl der Fälle auf unter vier pro 100.000 Frauen reduziert werden, berichten die Wissenschaftler.

Im Jahr 2018 gab es 570.000 neue Fälle von Gebärmutterhalskrebs

Zu Beginn dieses Monats meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2018 weltweit 570.000 neue Fälle der Erkrankung. Damit ist Gebärmutterhalskrebs nach Brust-, Darm- und Lungenkrebs die vierthäufigste Krebserkrankung bei Frauen. Die Krankheit kostet jedes Jahr mehr als 300.000 Frauen das Leben, meistens in Ländern mit niedrigem Einkommen.

Was sind humane Papillomviren?

Trotz des enormen Ausmaßes des Problems legen die Ergebnisse nahe, dass die weltweite Beseitigung von Gebärmutterhalskrebs in Reichweite ist, sagt Studienautorin Professor Karen Canfell vom Cancer Council New South Wales. Um dieses Ziel zu erreichen, werde sowohl eine hohe Abdeckung der HPV-Impfung als auch des Gebärmutterhalskrebs-Screenings benötigt. HPV wird sexuell übertragen und ist sehr verbreitet und umfasst mehr als 100 Virustypen, von denen mindestens 14 krebserregend sind. Die Viren wurden auch mit Krebserkrankungen des Anus, der Vulva, der Vagina und des Penis in Verbindung gebracht. Es dauert 15 bis 20 Jahre, bis sich Gebärmutterhalskrebs bei Frauen mit normalem Immunsystem entwickelt. Ist das Immunsystem schwach oder beeinträchtigt, zum Beispiel durch eine HIV-Infektion, kann sich der Krebs aber viel schneller entwickeln.

Impfstoffe wirken effektiv gegen die größten Stämme von HPV

Klinische Studien haben gezeigt, dass HPV-Impfstoffe gegen die beiden HPV-Stämme (Typ 16 und 18 ) effektiv schützen, die für 70 Prozent der Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sind. Die Mediziner fordern, dass ab dem Jahr 2020 etwa 80 Prozent der Mädchen im Alter zwischen zwölf und 15 Jahren geimpft werden. Mindestens 70 Prozent der Frauen sollten sich zudem zweimal im Laufe ihres Lebens einer Untersuchung unterziehen. Dies würde die Prävalenz der Krankheit bis zum Jahr 2059 unter die Messlatte von 4 pro 100.000 Frauen in Ländern wie den Vereinigten Staaten, Kanada, Großbritannien und Frankreich drücken (in Ländern mit mittlerem Einkommen wie Brasilien und China bis 2069), berechneten die Autoren. (as)