Luft im Bauch – Ursachen, Symptome und Therapie

Ein kneifender Hosenbund, eine aufgetriebene Bauchdecke, Völlegefühl und allgemeines Unwohlsein – unangenehm ist es allemal, wenn sich zu viel Luft im Bauch angesammelt hat. Die Frage ist in solch einem Fall natürlich, was die Luftansammlung verursacht hat und wie man sie schnell wieder loswird. Meistens ist die Beschwerde eher harmlos und auf eine schlichte Blähung zurückzuführen. Gelegentlich steckt hinter der Luft im Bauch aber auch ein ernstes Gesundheitsproblem. Dies gilt insbesondere dann, wenn ein durch Luft aufgeblähter Bauch zum Dauerproblem wird.


Definition

Dass sich von Zeit zu Zeit Luft im Bauch ansammelt, ist zwar unangenehm, jedoch völlig normal. Im Zuge des Verdauungsprozesses entstehen im Darm nämlich von Natur aus zwischen zwei bis vier Liter Methan täglich, und zwar als Abbauprodukte von Darmbakterien, welche an der Nahrungszersetzung beteiligt sind. Ein gewisser Anteil dieser Methangase wird vom Körper über die Blutbahn in die Lunge abgeleitet und später als Kohlendioxid abgeatmet. Dabei kann es jedoch durchaus einmal passieren, dass im Darm zu viel Darmwind (Flatus) auf einmal entsteht, welcher dann zu Blähungen (Flatulenzen) führt, die nicht mehr über den Blutkreislauf, sondern dem deutlich schnelleren „Entsorgungsweg“ des Enddarms ausgeleitet werden.

Die Menge an tatsächlichen Darmgasen wird im Wesentlichen durch zwei essenzielle Faktoren bestimmt:

  • Aktivitätsstatus der Darmbakterien: Unsere Darmschleimhaut ist von einer Vielzahl an Bakterienkulturen besiedelt, die wir dringend für Verdauungsprozesse benötigen. Auf dem Weg durch den Darm zersetzen sie den Nahrungsbrei, wobei sie selbst Verdauungsgase produzieren. Die Menge der anfallenden Verdauungsgase ist dabei insbesondere abhängig von der Zusammensetzung der Nahrung.
  • Magendarmpassage: Auch der Weg des Nahrungsbreis durch den Magendarmtrakt, die sogenannte Magen-Darm-Passage, ist wesentlich an der Ausbildung von Blähungen beteiligt. Aufgrund verschiedener Ursachen kann es nämlich zu einer herabgesetzten Peristaltik des Darmes und damit zu einem Stau des Nahrungsbreis kommen. Dadurch bleibt den Darmbakterien mehr Zeit für ihre Verdauungsprozesse und es fallen folglich auch vermehrt Verdauungsgase an.
Ein kneifender Hosenbund, eine aufgetriebene Bauchdecke, Völlegefühl und allgemeines Unwohlsein – unangenehm ist es allemal, wenn sich zu viel Luft im Bauch angesammelt hat. Oftmals ist dies harmlos und normal, kann bei länger anhaltendem Auftreten aber auch auf ein Gesundheitsproblem hindeuten. (Bild: ALDECAstudio/fotolia.com)

Blähungen sind also maßgeblich die Folge von bestimmten Ernährungsgewohnheiten. Vor allem nach dem Verzehr blähender Lebensmittel wie Bohnen oder Kohlgemüse kann man fast schon die Uhr danach stellen, dass es wenig später zu mehr oder weniger starken Blähungen kommt. Dabei können durchaus auch lästige Begleitsymptome wie Bauchschmerzen entstehen, selbst wenn ernährungsbasierte Flatulenzen im Allgemeinen nicht als gefährlich zu werten sind.

Anders sieht es dagegen aus, wenn Luft im Bauch ihre Ursache in einer zugrundeliegenden Erkrankung hat. Hier ist zunächst einmal zwischen zwei verschiedenen Formen der Luftansammlung zu unterscheiden. Geht es um Luftansammlungen im Bauchraum, ist hier für gewöhnlich die sogenannte Blähsucht (Meteorismus) für die Beschwerden verantwortlich.

Es handelt sich beim Meteorismus um eine chronische Form der normalen Blähung, wie sie in erster Linie durch eine geschwächte Bauchmuskulatur entsteht. Hier werden die täglich anfallenden Mengen an Methangas aufgrund einer chronisch herabgesetzten Darmperistaltik nur noch unzureichend vom Darm in den Blutkreislauf überführt, was langfristig neben Luft im Darm auch einen dauerhaft aufgeblähten Bauch und anhaltende Darmkrämpfe hervorrufen kann.

Nun ist es aber auch möglich, dass sich Luft nicht direkt im Darm ansammelt. Die Rede ist von Luftansammlungen in der Bauchhöhle (Pneumoperitoneum). Bei einem gesunden Körper kommt es hierzu kaum. Und auch die meisten Krankheiten können kein Pneumoperitoneum verursachen. Viel öfter ist diese Sonderform von Luft in der Bauchhöhle die Folge einer chirurgischen Intervention, bei der es zum vermehrten Durchtritt von Methangasen oder Luft aus dem Darm in den Bauchraum kommt. Und auch Traumata im Bereich der Bauchhöhle sind dazu in der Lage, auf diesem Wege für Luft im Bauch zu sorgen.

Es wird ersichtlich, dass man mit Blick auf die Ursachen für Luft im Bauch zwischen den drei genannten Formen von Luftansammlungen unterscheiden muss. Zwar können gerade Blähungen und akute Phasen eines Blähbauchs häufig durch dieselben Einflussfaktoren entstehen, der ursächliche Mechanismus wie auch das Gesundheitsrisiko beider Varianten von Luft im Darm sind jedoch sehr verschieden. Auch zwischen Meteorismus und Pneumoperitoneum gibt es gewisse Ähnlichkeiten, wobei Luft in der Bauchhöhle meist noch gefährlicher ist als chronische Blähungen. Grund dafür ist die Tatsache, dass bei Luft in der Bauchhöhle eine permanente Darmverletzung vorliegt, welche den Luftdurchtritt in den freien Bauchraum bewirkt.

Blähende Lebensmittel als Hauptursache

Eine gewisse Menge an Luft bzw. Gasen befindet sich wie erwähnt immer in unserem Magen-Darm-Trakt. Schuld daran ist aber nicht nur der Entstehungsweg von Darmgasen im Rahmen bakterieller Zersetzungsprozesse. Schon allein weil wir mit dem Essen und Trinken auch stets etwas Luft verschlucken, tummelt sich neben Methan auch ein gewisser Teil an Frischluft im Verdauungstrakt. Hektisches Essen, aufregende Gespräche während des Speisenverzehrs oder sehr kohlensäurehaltige Getränke befördern diesen natürlichen Luftgehalt noch zusätzlich.

Mit dem Essen und Trinken wird auch stets etwas Luft verschluckt, daher tummelt sich neben Methan auch ein gewisser Teil an Frischluft im Verdauungstrakt. Hektisches Essen, aufregende Gespräche während des Speisenverzehrs oder sehr kohlensäurehaltige Getränke befördern dies zusätzlich. (Bild: estradaanton/fotolia.com)

Dessen ungeachtet ist die Hauptursache für Blähungen aber freilich in der Ernährung zu suchen. Beispielsweise gibt es Nahrungsmittel wie Bohnen oder Kohlgemüse, die aufgrund ihres Ballaststoffreichtums zu vergleichsweise hohem Ausstoß von Verdauungsgasen seitens der Darmbakterien führen. Verzehrt man also besonders viele ballaststoffreiche Lebensmittel, fallen demnach vermehrt Verdauungsgase an, weil ihr Zersetzungsprozess aufgrund des hohen Ballaststoffanteils sehr viel Zeit benötigt.

Auf der anderen Seite gibt es auch schwefelhaltige Lebensmittel wie die Zwiebel. Diese enthält zum einen bekanntlich größere Mengen an Schwefelverbindungen, welche im Verdauungstrakt eine erhöhte – und mitunter auch besonders übelriechende – Gasbildung innerhalb des Nahrungsbreis selbst verursachen. Zum anderen sind Zwiebeln nicht nur reich an Schwefel, sondern darüber hinaus auch als fruktanhaltige Lebensmitel einzustufen.

Fruktane sind größere Molekülverbindungen aus dem Fruchtzucker Fructose, die vom menschlichen Verdauungstrakt nur im Dickdarm zersetzt werden können. Aus diesem Grund passieren Zwiebeln den Magen und Dünndarm zumeist gänzlich unverdaut, bis im Dickdarm schließlich erstmal die Zersetzung der Lebensmittel stattfindet. Ein Umstand, der bei der Zwiebelverdauung logischerweise besonders intensive Abbauprozesse der Dickdarmbakterien befördert und mit diesem Prozess auch einen erhöhten Ausstoß bakterieller Methanausscheidungen.

Eine weitere Gruppe von Nahrungsmitteln, die verhältnismäßig oft zu Blähungen führen, ist Rohkost. Die Darmbakterien müssen hier oftmals doppelt so hart ackern, um die Nährstoffe aus der Rohkost zu lösen, was insbesondere für relativ harte Gemüsesorten wie Möhren gilt. Demzufolge erhöht sich selbstverständlich auch der Methanausstoß der Verdauungsbakterien, was infolge die Blähungen hervorruft. Neben rohem Gemüse sind hier auch insbesondere rohe, unreife Obstsorten als besonders blähungsträchtig zu nennen.

Es gibt also sehr unterschiedliche Gründe, weshalb bestimmte Nahrungsbestandteile ein erhöhtes Blähungsrisiko mit sich bringen. Grob lässt sich die Gesamtheit blähender Lebensmittel dabei auf folgende Produkte beschränken:

  • Zwiebeln und Zwiebelgemüse (z.B. Knoblauch, Lauch oder Porree),
  • Kohlgemüse (z.B. Kohlrabi, Rosenkohl, Rotkohl oder Weißkohl),
  • Hülsenfrüchte (z.B. Bohnen, Erbsen oder Linsen),
  • rohes Gemüse (z.B. Möhren, Paprika oder Blattsalate)
  • und unreifes Obst (z.B. Aprikosen, Kirschen oder Pflaumen).
Eine Gruppe von Nahrungsmitteln, die verhältnismäßig oft zu Blähungen führt, ist Rohkost. Die Darmbakterien müssen hier oftmals doppelt so hart ackern, um die Nährstoffe zu lösen, was insbesondere für relativ harte Gemüsesorten wie Möhren gilt. (Bild: Rebel/fotolia.com)

Es sei erwähnt, dass man sich wegen einer erhöhten Gasbildung im Darm durch eine ballaststoffreiche Ernährung oder den Verzehr blähender Lebensmittel allein noch nicht gleich Sorgen machen muss. Denn die aufgezeigten Lebensmittel sind im Grunde sehr gesund. So beugen Ballaststoffe in der Nahrung zum Beispiel einer Verstopfung vor und sorgen für einen langanhaltenden Sättigungseffekt.

Darüber hinaus senkt eine ballaststoffreiche Kost auch das Risiko von Darmkrebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Erhöht man den Ballaststoffgehalt in der Ernährung zudem schrittweise, dünstet das Gemüse vor dem Verzehr und weicht Hülsenfrüchte vor der Weiterverarbeitung eine Nacht in Wasser ein, ist der blähende Effekt meist nur von kurzer Dauer. Mit einer Ausnahme.

Sonderfall: Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Beobachtet man an sich, dass relativ zeitnah nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel Blähungen in Kombination mit krampfhaften Bauchschmerzen und bzw. oder Durchfall auftreten, sollte man hellhörig werden und die Angelegenheit ggf. ärztlich abklären lassen. Denn hier handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht um gewöhnliche Luftansammlungen im Bauch, sondern um die Begleitsymptome einer Nahrungsmittelunverträglichkeit.

Häufig ist es bei der Nahrungsmittelunverträglichkeit so, dass die verdächtigen Lebensmittel in geringen Mengen (zunächst) noch vertragen werden. Erst im späteren Verlauf oder bei einem konkreten Übermaß an Lebensmittelallergenen stellt sich dann eine Unverträglichkeitsreaktion ein. Diese beruht zumeist auf dem Umstand, dass entsprechende Lebensmittelinhaltsstoffe vom Körper nicht verdaut werden können.

Das Problem sind dabei jedoch nicht die Darmbakterien, sondern fehlende Enzyme, wie es beispielsweise bei der Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) der Fall ist. Hier fehlt das zur Aufspaltung von Laktose notwendige Enzym Laktase, welches in den Schleimzellen des Dünndarms gebildet wird.

Fehlt das Enzym Laktase, kann der Milchzucker nicht aufgespalten werden und gelangt unverdaut in den Dickdarm, wo er schließlich von den Darmbakterien verwertet wird. Die Folge ist abermals eine unbeabsichtigte Erhöhung der Methanausstöße seitens der Bakterien. Gleichzeitig werden durch die bakterielle Verwertung der Laktose auch Säuren gebildet, die bei Laktoseintoleranz neben Blähungen auch schmerzhafte Reizungen der Darmwände provozieren können.

Übrigens: Laktoseintoleranz ist für Erwachsene eigentlich völlig natürlich, denn ursprünglich lag der Produktionsschwerpunkt des Körpers für Laktase im Säuglingsalter, wo das Enzym für die Spaltung von Milchzucker aus der Muttermilch notwendig ist. In der westlichen Welt hat sich aufgrund der traditionellen Milchwirtschaft und dem damit erhöhten Verzehr von Tiermilch und Milchprodukten aber im Laufe der Jahrhunderte eine Genmutation ausgebildet, welche die Laktaseproduktion des Körpers bis weit über das Jugendalter hinaus aufrechterhält.

Alle Personen ohne diese Laktasemutation bekommen es dementsprechend mit Verdauungsbeschwerden zu tun, wann immer sie Milchprodukte zu sich nehmen. Und auch bei vielen Menschen mit Mutation stellt sich die Enzymproduktion im späteren Erwachsenenalter dennoch ein.

Laktoseintoleranz ist für Erwachsene eigentlich völlig natürlich, denn ursprünglich lag der Produktionsschwerpunkt des Körpers für Laktase im Säuglingsalter, wo das Enzym für die Spaltung von Milchzucker aus der Muttermilch notwendig ist. (Bild: absolutimages/fotolia.com)

So ähnlich wie bei der Laktoseintoleranz kommen Blähungen auch bei anderen Lebensmittelunverträglichkeiten zustande. Dabei kann so gut wie jedes Lebensmittel bei entsprechender Prädisposition zu einer Unverträglichkeit führen. Besonders häufig anzutreffen sind jedoch folgende Varianten:

  • Unverträglichkeit gegenüber Fruchtzucker (Fruktoseintoleranz),
  • Unverträglichkeit gegenüber Glutamaten (Gultamatintoleranz),
  • Unverträglichkeit gegenüber Haushaltszucker (Saccharoseintoleranz),
  • Unverträglichkeit gegenüber Histamin (Histaminintoleranz / Histaminose),
  • Unverträglichkeit gegenüber Klebereiweiß / Glutenunverträglichkeit (Zöliakie),
  • Unverträglichkeit gegenüber Milchzucker (Laktoseintoleranz)
  • und Unverträglichkeit gegenüber Schleimzucker (Galaktoseintoleranz).

Wichtig: Zu den Lebensmitteln, die besonders häufig entsprechende Inhaltstoffe aufweisen, zählen neben Milchprodukten auch Vollkornprodukte, Sojaprodukte, Fertigprodukte, Backwaren, Süßigkeiten sowie einige Obst- und Gemüsesorten. Es lässt sich hier also nicht pauschal zwischen gesunden und ungesunden Lebensmitteln unterscheiden, auch wenn Nahrungsmittelunverträglichkeiten im Allgemeinen gerne vorwiegend mit ungesunden Lebensmittelprodukten assoziiert werden.

Verzögerte Magen-Darm-Passage

Lebensmittel spielen auch bei der Entstehung chronischer Blähungen nicht selten eine Rolle. Vielfach ist in solchen Fällen eine dauerhafte Ernährung durch

  • zu fettiges Essen,
  • stark eiweißhaltige Ernährung,
  • Weißmehlprodukte,
  • Fast Food und Fertigprodukte

verantwortlich. Außerdem provoziert die Gewohnheit, sehr große Mahlzeitenmengen zu sich zu nehmen, langfristig einen Blähbauch durch eine verzögerte Magen-Darm-Passage. Ursächlich ist hier fast immer eine herabgesetzte Darmperistaltik, also eine gestörte Funktionalität der Darmmuskulatur. Diese ist üblicherweise für die Kontraktionsimpulse zuständig, die den Nahrungsbrei durch den Verdauungstrakt schleusen.

Fast Food und Fertigprodukte spielen bei der Entstehung chronischer Blähungen nicht selten eine Rolle. Außerdem provoziert die Gewohnheit, sehr große Mahlzeitenmengen zu sich zu nehmen, langfristig einen Blähbauch durch eine verzögerte Magen-Darm-Passage. (Bild: Studio Romantic/fotolia.com)

Im Bereich der Medikamente haben gerade Präparate wie Muskelrelaxantien oder Schmerzmittel einen ähnlichen Effekt. Sie können die Darmmuskulatur vorübergehend lahmlegen und damit Blähungen durch eine herabgesetzte Darmperistaltik befördern. Häufig beobachten lässt sich dies beispielsweise bei opioidhaltigen Schmerzmitteln wie Morphin oder Oxycodon sowie bei den muskelentspannenden Medikamenten Diazepam und Baclofen.

Allerdings gibt es noch zahlreiche andere Gründe für eine verlangsamte Muskelaktivität im Darm bzw. eine verzögerte Magen-Darm-Passage des Nahrungsbreis. In Frage kommen zum Beispiel Engstellen im Darm infolge gut- oder bösartiger Gewebewucherungen wie

  • Divertikel,
  • Geschwüre,
  • Narbengewebe
  • oder Tumore.

Auch ein Darmverschluss (Illeus) oder angeborene anatomische Anomalien, etwa in Form eines Dickdarmknicks, sind als Ursache der chronischen Blähungen nicht auszuschließen.

Ein weiteres, sehr häufig auftretendes Krankheitsbild, das mit Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung einhergeht, ist das Reizdarmsyndrom. Durch verschiedene, medizinisch noch nicht vollständig abgeklärte Ursachen kommt es bei diesem Symptomkomplex zu einer Störung der Darmperistaltik mit Blähungen und Darmkrämpfen als Leitsymptomen. Ebenso beeinflussen Hormone die Aktivität der Darmmuskulatur. Das Phänomen hormonbedingter Blähungen lässt sich diesbezüglich vor allem bei Frauen immer wieder beobachten.

So wirkt das Zyklushormon Progesteron, welches in der zweiten Zyklushälfte nach dem Eisprung ausgeschüttet wird, beispielsweise entspannend auf die Peristaltik. Kurz vor dem Einsetzen der Menstruation entstehen deshalb sehr häufig Beschwerden wie Blähungen und Verstopfungen. Die Symptome werden unter den genannten Umständen medizinisch sogar zum prämenstruellen Syndrom (PMS) gezählt.

Verstärkt werden diese Beschwerden vor allem während der zweiten Zyklushälfte durch ein bestimmtes Ernährungsverhalten (viel Süßigkeiten und Kohlenhydrate), wie es nicht nur während der Menstruation, sondern auch in der Schwangerschaft nur allzu üblich ist. Und ja, auch Schwangere leiden aufgrund ihres veränderten Progesteron-Spiegels immer wieder an chronischen Blähungen. Zusätzlich zu hormonellen Faktoren stellt hier natürlich auch die Größe des Kindes als raumforderndes Hindernis für eine ungestörte Magendarmpassage einen ungünstigen Einflussfaktor dar.

Schwangere leiden aufgrund ihres veränderten Progesteron-Spiegels immer wieder an chronischen Blähungen. Die Größe des Kindes als raumforderndes Hindernis stellt – neben hormonellen Einflüssen – einen ungünstigen Einflussfaktor für eine ungestörte Magendarmpassage dar. (Bild: Drobot Dean/fotolia.com)

Gestörte Aktivität der Darmbakterien

In Bezug auf chronische Blähungen sind die Ursachen nicht ganz so harmlos. Ernährungsfaktoren spielen hier zwar ebenfalls mit ein, allerdings kommen hier auch schwere Grunderkrankungen des Magen-Darm-Trakts als Auslöser in Frage. Allen voran ist hier ein nachhaltig gestörtes Bakteriengleichgewicht in der Darmflora (Dysbiose) zu nennen. Es tritt insbesondere bei chronischen Magen-Darm-Erkrankungen auf, kann aber auch infolge einer medikamentösen Therapie oder durch falsche Ernährungsgewohnheiten entstehen.

Im Bereich der Medikamente sind zum Beispiel Antibiotika dafür bekannt, die Darmflora entschieden aus dem Gleichgewicht zu bringen. Denn die Haupteigenschaft antibiotischer Wirkstoffe ist es bekanntlich, Bakterien abzutöten, wobei die Arzneimittel leider nicht zwischen schädlichen Infektionskeimen und Darmbakterien unterscheiden. Sollten die Arzneiwirkstoffe eine natürlich im Darm vorkommende Bakterienbesiedelung also stark angreifen, haben andere, mitunter tatsächlich gefährliche Bakterienstämme Gelegenheit, sich im Darm zu vermehren und damit der Verdauung erheblich zu schaden.

Luft im Darm durch vermehrte Blähungen ist hierbei noch die harmloseste Folge, denn was vor allem unter der schädlichen Bakterienvermehrung leidet, sind Darmschleimhaut und Darmwände. Im schlimmsten Fall droht hier eine sogenannte antibiotikainduzierte Kolitis. Darunter versteht man eine chronische Darmentzündung, die durch Antibiotika ausgelöst wurde.

Einige weitere Magen-Darm-Erkrankungen, die ebenfalls mit Blähungen durch eine gestörte Darmflora in Verbindung stehen, sind im Übrigen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Die extreme Dysbiose, ebenso wie die krankheitsbedingten Entzündungsvorgänge im Magen-Darm-Trakt, lösen bei diesen Erkrankungen schon durch geringste Reize von außen (z.B. Lebensmittel) schwere Bauchkrämpfe und Verdauungsbeschwerden wie Blähungen oder Durchfall aus.

Ursachen für Luft in der Bauchhöhle

Zu einer Ansammlung von Luft in der Bauchhöhle kommt es eher selten. Ist dem aber so, ist mit den Ursachen meist nicht zu spaßen. Gerade verletzungsbedingte Auslöser, etwa durch eine Perforation der Magen- oder Darmwände, deutet bei Luftansammlungen in der Bauchhöhle meist auf ein fortgeschrittenes Geschwür- oder Tumorleiden hin. In der Unfallmedizin ist ein Pneumoperitoneum zudem als Folge schwerer Traumata des Verdauungstraktes nach Gewalteinwirkung (z.B. tätliche Auseinandersetzungen) bekannt. Eher beabsichtigt ist die Luftausleitung in die Bauchhöhle dagegen bei manchen chirurgischen Verfahren wie der Laparoskopie.

Weitere Ursachen für Luft im Bauch

Stress ist immer wieder als Ursache für Verdauungsbeschwerden mit oder ohne Blähungen anzutreffen. Gleiches gilt für Leber- und Gallenerkrankungen, die oftmals zu einer gestörten Produktion von Gallensaft führen. Dieser ist neben Enzymen, einer harmonischen Darmflora und einer gut funktionierenden Darmmuskulatur ebenfalls essentiell für die Verdauungsprozesse. Aus diesem Grund gehen auch Erkrankungen der Leber oder Galle häufig mit Blähungen als Begleitsymptom einher.

Stress ist immer wieder als Ursache für Verdauungsbeschwerden mit oder ohne Blähungen anzutreffen. Gleiches gilt für Leber- und Gallenerkrankungen, die oftmals zu einer gestörten Produktion von Gallensaft führen. (Bild: Adiano/fotolia.com)

Ähnliches passiert bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse. Ist diese beispielsweise durch eine Entzündung in ihrer Funktion eingeschränkt, kann sie die von ihr produzierten Verdauungsenzyme nicht mehr in der benötigten Menge in den Dünndarm abgegeben. In erster Linie resultieren hieraus Stuhlgänge mit unverdauten Nahrungsresten. Doch auch Blähungen oder Verstopfungen sind bei Bauchspeicheldrüsenerkrankungen nicht unüblich.

Begleitsymptome

Sofern es sich um einmalige Blähungen handelt, die sich klar auf den Verzehr blähender Lebensmittel oder wiederkehrende Zyklusbeschwerden zurückführen lassen, ist ein Arztbesuch bei Luft im Bauch nicht wirklich notwendig. Sollten die Luftansammlungen dagegen immer wieder im Zusammenhang mit dem Verzehr bestimmter Lebensmittel auftreten oder gesellen sich gar weitere Begleitsymptome wie

  • Bauchschmerzen,
  • Blutbeimengungen beim Stuhlgang,
  • Durchfall, Verstopfung oder Stuhlveränderungen hinsichtlich Konsistenz und Farbe,
  • Stresssymptome (z.B. Bluthochdruck, Abgeschlagenheit oder Gereiztheit),
  • Übelkeit und Erbrechen

hinzu, ist ein Arztbesuch dringend angeraten. Vor allem Blut im Stuhl ist immer ein Symptom, das eine besondere Beobachtung benötigt, denn dahinter können sich schwerwiegende Erkrankungen verbergen. Treten frische Blutbeimengungen bei oder nach dem Stuhlgang auf, sollte daher immer ein Arzt konsultiert werden.

Diagnose

Diagnostiziert wird Luft im Bauch dann zunächst durch Befragung des Patienten. Dieser kann in den meisten Fällen detailliert Auskunft darüber geben, wann genau die Beschwerde eingetreten ist, wie stark sie ausgeprägt ist, und ob es Begleitbeschwerden oder Vorerkrankungen gibt, die als Erklärung für die Luftansammlung dienen könnten. Die Ernährungsgewohnheiten sollten während des Patientengesprächs ebenfalls angesprochen werden.

Im Anschluss an das Patientengespräch erfolgt in der Regel eine körperliche Untersuchung. Tastuntersuchungen spielen dabei eine übergeordnete Rolle um festzustellen, wie sehr der Bauchraum aufgebläht ist. Zur finalen Ursachenfindung kommen dann auch bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Magen- oder Darmspiegelungen zum Einsatz. Allergietests zur Feststellung von Nahrungsunverträglichkeiten erfolgen auf Verdacht.

Im Anschluss an die Patientenbefragung erfolgt in der Regel eine körperliche Untersuchung. Tastuntersuchungen spielen dabei eine übergeordnete Rolle um festzustellen, wie sehr der Bauchraum aufgebläht ist. (Bild: pressmaster/fotolia.com)

Therapie

Anhaltende Blähungen stellen kein isoliertes Krankheitsbild dar, sondern sind das Resultat eines vorangegangenen Reizfaktors oder einer anhaltenden Gesundheitsbeschwerde. Vor Anwendung etwaiger Behandlungsmaßnahmen sollte darum zweifelsfrei geklärt werden, welche Ursache den Luftansammlungen zugrunde liegt. Natürlich gibt es daneben aber auch einfache Hausmittel und Tricks für die Behebung einmaliger Blähungen, etwa im Zuge von Ernährungsbesonderheiten. Nachstehend eine kleine Übersicht hierzu:

Ernährungsmaßnahmen

Sollte sich im Zuge der ärztlichen Untersuchungen herausstellen, dass eine Lebensmittelunverträglichkeit für die Luftansammlungen im Bauchraum verantwortlich ist, gilt es selbstverständlich, entsprechende Lebensmittel zu meiden. Doch auch für Personen ohne Unverträglichkeiten gibt es einige Empfehlungen bezüglich der täglichen Ernährung:

  • Nehmen Sie sich ausreichend Zeit zum Verzehr von Speisen und Getränken.
  • Hastiges Schlingen ist zu vermeiden.
  • Kohlensäurehaltige Getränke sind bei wiederkehrenden Blähungen zu reduzieren.
  • Hülsenfrüchte sollten vor dem Verzehr ein paar Stunden in Wasser vorquellen.
  • Bei Blähungen durch Rohkost ist Gemüse vor dem Verzehr kurz anzudünsten.
  • Der Ballaststoffgehalt in der Ernährung ist bei Bedarf nur schrittweise zu erhöhen.
  • Der Verzehr von sehr zuckerhaltigen Lebensmitteln sollte reduziert werden.
  • Fettige sowie sehr üppige Mahlzeiten sind ebenfalls zu vermeiden.
  • Zur Stärkung der Darmflora hin und wieder Probiotika (z.B. probiotische Joghurts) essen.
  • Im Zweifelsfall Essverhalten und Verdauungsprobleme eine Weile beobachten.

Noch ein paar Worte zum Abgehen von Flatulenzen: Die während der Verdauung anfallenden Darmwinde werden nur zu einem kleinen Teil über die Darmschleimhaut in das Blut resorbiert. Der weitaus größere Anteil wird über das Abgehen von Flatulenzen nach außen abgeleitet. Ein Unterdrücken der Flatulenzen ist deshalb kontraproduktiv und könnte letztlich sogar zu Schmerzen und reflektorischen Darmkrämpfen führen. In entspannter und ungestörter Atmosphäre sollte deshalb dem Flatulenzdrang unbedingt nachgegeben werden, auch wenn es vielen unangenehm oder peinlich sein mag.

Hausmittel und naturheilkundliche Therapie

Treten trotz ernährungstechnischer Maßnahmen Blähungen auf, kann häufig ein kurzer, strammer Spaziergang oder eine äußere Wärmebehandlung der Bauchdecke mit einem Wärmekissen oder einer Wärmflasche für Erleichterung sorgen.

Ähnlich positiv wirkt sich gezielte Stressreduzierung im Alltag auf die Normalisierung von Verdauungsprozessen aus. Und auch die Naturheilkunde kann hier einige Behandlungsstrategien anbieten. Entkrampfend und entblähend wirkt zum Beispiel der Verzehr von Kamillen- oder Fencheltee. Bereiten Sie hiervon nach dem Essen einfach zwei bis drei Tassen zu und trinken Sie diese schluckweise.

Auch die Naturheilkunde bietet einige Behandlungsstrategien, um gegen Blähungen vorzugehen. Entkrampfend und entblähend wirkt zum Beispiel der Verzehr von Kamillen- oder Fencheltee. (Bild: Gehkah/fotolia.com)

Ebenfalls hilfreich sein kann eine Massage der Bauchdecke mit Kümmelöl. Verteilen Sie dieses kreisförmig von rechts unten nach links unten über den Bauch und achten Sie darauf, beim Massieren nicht allzu fest auf den Bauch zu drücken, sondern mit leichten und sanften Bewegungen zu agieren.

Ein anderer naturheilkundlicher Tipp ist das Kauen von Koriander-, Curcuma- oder Kümmelsamen nach dem Essen. Die drei Pflanzen gelten als verdauungsfördernd und sind nicht ohne Grund Bestandteil zahlreicher Verdauungsschnäpse und Magenbitter. Allerdings wird gerade den Pflanzensamen nachgesagt, dass sie besonders gut gegen Luftansammlungen im Bauchraum wirken.

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie von Luftansammlungen im Bauchraum greift an verschiedenen Stellen an. Zum Beispiel gibt es Medikamente, die die Oberflächenspannung der Verdauungsgase Herabsetzen und sie dadurch gängiger für den Weg durch den Darm oder die Resorption in die Blutbahn machen. Diese Medikamente sind häufig freiverkäuflich und können unter Einhaltung der Dosierhinweise auch für Babys angewendet werden. Hierzu gehören beispielsweise Medikamente mit den Wirkstoffen Dimeticon und Simeticon.

Beobachtet man einen zeitlichen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Milchprodukten und dem Auftreten von Blähungen, könnte der Beobachtung eine Laktoseunverträglichkeit zugrunde liegen. Hier hilft es mitunter, das milchzuckerspaltende Enzym Laktase von außen zuzuführen. Da es sich bei der Laktoseintoleranz mittlerweile um eine sehr verbreitete Diagnose handelt, ist dieses Enzym freiverkäuflich in Apotheken, Drogerien oder sogar Supermärkten erhältlich. Dennoch sollte die Einnahme vorab mit dem Hausarzt abgesprochen werden.

Für jedwede anderen Grunderkrankungen, die als Ursache von Blähungen in Frage kommen, gibt es im Großteil aller Fälle ebenfalls geeignete Medikamente. Welches hier allerdings das richtige ist, muss individuell und unter Beratung mit dem behandelnden Arzt erörtert werden.

Operative Therapie

Verletzungen im Bereich der Bauchhöhle, die zu einem Pneumoperitoneum geführt haben, erfordern logischerweise eine operative Versorgung der Wunde. Ob hier genäht, geklammert oder ein anderes Operationsverfahren angewendet wird, entscheiden Ärzte von Fall zu Fall. Ist eine krankheitsbedingte Perforation der Organe an dem Luftdurchtritt in die Bauchhöhle schuld, so kommt neben dem Wundverschluss als letzter Ausweg manchmal auch nur noch eine Teilresektion der beschädigten Organabschnitte in Betracht. Dies ist allerdings ein relativ seltener Ausnahmefall. (ma)