Ursache für Nierenerkrankungen bei Krebspatienten identifiziert

Viele Krebspatienten entwickeln eine begleitende schwere Nierenerkrankung in Form der membranösen Glomerulonephritis. Die Ursache sind bestimmte Eiweißmoleküle, die von Tumoren gebildet werden. (Bild: designua/fotolia.com)
Fabian Peters
Tumore bilden Eiweißmoleküle, die schwere Nierenerkrankungen hervorrufen
Bei zahlreichen Krebserkrankungen sind begleitende Nierenerkrankungen festzustellen, deren konkrete Ursachen bislang unklar blieben. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) fanden jetzt heraus, dass ein spezielles Eiweißmolekül, welches in manchen Tumoren gebildet wird, offensichtlich die Ursache für die Entstehung der Nierenerkrankungen ist.

Den UKE-Wissenschaftlern ist es nach eigenen Angaben gelungen, den Zusammenhang zwischen Krebs und Nierenerkrankung zu entschlüsseln. Sie identifizierten ein bestimmtes Eiweißmolekül, das offenbar für die Entstehung der schweren Nierenerkrankung verantwortlich ist. Die Entdeckung könnte auch unmittelbaren praktischen Nutzen für Patienten haben, da vermehrte Eiweißausscheidungen im Urin gegebenenfalls einen Hinweis auf unerkannte Krebserkrankungen bilden. Ihre Ergebnisse haben die Forscher des UKE in dem „New England Journal of Medicine“ und dem „Journal of Clinical Investigation“ veröffentlicht.

Viele Krebspatienten entwickeln eine begleitende schwere Nierenerkrankung in Form der membranösen Glomerulonephritis. Die Ursache sind bestimmte Eiweißmoleküle, die von Tumoren gebildet werden. (Bild: designua/fotolia.com)
Viele Krebspatienten entwickeln eine begleitende schwere Nierenerkrankung in Form der membranösen Glomerulonephritis. Die Ursache sind bestimmte Eiweißmoleküle, die von Tumoren gebildet werden. (Bild: designua/fotolia.com)

Ursachen der Nierenerkrankungen bei Krebspatienten bislang unklar
Bereits seit mehr als 50 Jahren sei bekannt, dass bei verschiedenen Krebserkrankungen (insbesondere Darmkrebs, Lungen- und Prostatakrebs) begleitende Nierenerkrankungen entstehen können, erläutern die Hamburger Wissenschaftler. Allerdings lagen „die Gründe für die Entstehung dieser Nierenerkrankungen bisher im Dunkeln“, berichtet Professor Dr. Rolf Stahl vom UKE. Nun sei es gelungen, die Zusammenhänge zu entschlüsseln. So konnten die Nachwuchswissenschaftler Dr. Elion Hoxha und Dr. Nicola Tomas aus der Arbeitsgruppe von Prof. Stahl bei einer Patientin mit einem Karziom der Gallenblase nachweisen, dass in dem Tumor ein spezielles Eiweißmolekül (Thrombospondin Type 1 Domain Containing 7A) vermehrt gebildet wurde, berichtet das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Eiweißmolekül Auslöser einer membranösen Glomerulonephritis
Den Angaben der Forscher zufolge entwickelte die Patientin Autoantikörper gegen das genannte Eiweißmolekül, was in der weiteren Folge eine Nierenerkrankung in Form der sogenannten membranösen Glomerulonephritis bedingte. Das Eiweißmolekül selbst hatten die Wissenschaftler laut Mitteilung des UKE bereits vor zwei Jahren als Ursache für die Entstehung der entzündlichen Nierenerkrankung charakterisiert. Die membranöse Glomerulonephritis kann leicht einen chronischen Verlauf annehmen und hat häufig ein nephrotisches Syndrom zur Folge, das mit starker Proteinurie (Eiweiß im Urin), Wassereinlagerungen im Gewebe (z.B. geschwollene bzw. dicke Beine), bestimmten Stoffwechselstörungen und unter Umständen Nierenschmerzen einhergeht. Schlimmstenfalls erleiden die Betroffenen ein lebensbedrohliches Nierenversagen.

Bei Eiweißausscheidung im Urin zur Krebsuntersuchung?
In anschließenden Experimenten konnten die Forscher vom UKE eindeutig nachweisen, dass Antikörper gegen das Eiweißmolekül die membranöse Glomerulonephritis bei Tumorpatienten auslösen. Für Patienten mit vermehrter Eiweißausscheidung könnten diese Erkenntnisse nach Ansicht der Wissenschaftler durchaus praktische Konsequenzen haben. Denn „aus unseren Beobachtungen ergibt sich im Umkehrschluss für Patienten, die vermehrt Eiweiß im Urin ausscheiden, dass sie auf das Vorliegen dieser Autoantikörper untersucht werden sollten“, berichtet Professor Stahl. Im Falle eines positiven Antikörpernachweises sei dann eine intensive Abklärung vorzunehmen, „ob eine bisher nicht erkannte Krebserkrankung vorliegt, die dann unter Umständen früher erkannt und besser therapiert werden kann.“ (fp)

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