Erschöpfungssyndrom – Ursachen, Symptome und Behandlung

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Erschöpfungszustände – Ursachen und Therapie

Zustände der Erschöpfung an sich sind im Alltag schon eine extreme Belastung. Noch schlimmer ist jedoch ein chronisches Erschöpfungssyndrom (myalgische Enzephalomyelitis) oder CFS, wie das Syndrom in Anlehnung an seine englische Bezeichnung „chronic fatigue syndrome“ häufig genannt wird. Über Monate hinweg kann es hier zu ernsten Konzentrations-, Gedächtnis- und Leistungseinbußen kommen. Fälschlicherweise denken Patienten in solch einem Fall oft, dass Inaktivität den Zustand verbessert. Doch das kann ein tückischer Trugschluss sein.


Definition

Hinter dem chronischen Erschöpfungssyndrom verbirgt sich eine neurologische Erkrankung, deren Entstehungsmechanismus bis heute noch nicht vollständig erforscht ist. Experten streiten sich bislang noch über die genauen Formen und Unterscheidungssysteme für CFS. Einig ist man sich jedoch darüber, ab welchem Zeitpunkt und unter welchen Kriterien ein Erschöpfungssyndrom tatsächlich vorliegt. Laut Definition des Bundesverbands Chronisches Erschöpfungssyndrom Fatigatio e.V. ist dies der Fall, wenn es über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten zu einer dauerhaften Verringerung der Leistungsfähigkeit um mindestens 60% kommt.

Das Erschöpfungssyndrom führt zu erheblichen Leistungseinbußen im Alltag und Betroffene sind oft nicht mehr dazu in der Lage, angemessen ihrem Beruf nachzugehen. (Bild: Kaesler Media/fotolia.de)

Als charakteristische Leitsymptome gelten dabei neben Abgeschlagenheit und Müdigkeit vor allem Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie ggf. auch Schmerzbeschwerden. Betroffene sind meist nicht mehr dazu in der Lage, vernünftig zu arbeiten oder sich auf etwas zu konzentrieren. Selbst gewöhnliche Alltagsroutinen wie Hausarbeit oder das Erledigen von Besorgungen sind für Menschen mit Erschöpfungssyndrom eine große Herausforderung. In Deutschland leiden etwa 300.000 Personen an diesem Syndrom, wobei Frauen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren am häufigsten betroffen sind.

Wichtig: Nicht verwechselt werden darf das Chronic Fatigue Syndrome mit der Fatigue an sich. Diese ist zwar ebenfalls durch anhaltende Müdigkeit gekennzeichnet, ist jedoch meist Begleiterscheinung einer vorangegangenen Erkrankung und damit zeitlich begrenzt, bzw. sind ihre Ursachen leicht zu ermitteln. Darüber hinaus muss CFS auch vom Burn-Out-Syndrom abgegrenzt werden.

Fehlfunktionen des Immunsystems als Hauptursache

Wie beschrieben, sind die genauen Entstehungsursachen derzeit noch kaum abgeklärt. Fest steht jedoch, dass es im Zuge der Erkrankung zu einer körperweiten Fehlregulation des Nerven-, Immun- und Hormonsystems kommt. Dies hat eine chronische Müdigkeit und Erschöpfung zur Folge, die sich auf so gut wie alle Lebensbereiche niederschlägt. Eine relativ neue Studie weist darauf hin, dass es sich bei CFS womöglich um eine Autoimmunerkrankung handelt. Dies würde bedeuten, dass die körpereigenen Fehlregulationen von einem gestörten Immunsystem herrühren.

Für entsprechende Fehlfunktionen werden verschiedene Einflussfaktoren in Erwägung gezogen, darunter auch Virusinfektionen, die dem Immunsystem bekanntlich stark zusetzen und für zahlreiche Störeinflüsse in der Immunabwehr sorgen können. Drei Krankheiten, die diesbezüglich besonders im Verdacht stehen, das Erschöpfungssyndrom zu fördern, sind:

  • Lungenentzündung (Pneumonie),
  • Röteln (Rubella),
  • Pfeiffersches Drüsenfieber (Mononukleose)

Des Weiteren lassen sich auch vorliegende Allergien nicht als möglicher Störfaktor für das Immunsystem ausschließen. Da Allergiker von Natur aus eine besondere Sensibilität gegenüber Reizfaktoren besitzen, ist es durchaus denkbar, dass der akute Reiz durch Allergene die Immunfunktion derart erschöpft, dass es zu einem CFS kommt.

Erschöpfungssyndrom und psychischer Stress

Dass Stress im Alltag Erschöpfungszustände fördert, ist kein Geheimnis. Und auch auf die Entwicklung eines handfesten Erschöpfungssyndroms können stressreiche Situationen Einfluss nehmen. Zwar stellt CFS keine psychosomatische Erkrankung im eigentlichen Sinne dar, jedoch zehren Alltagsstress, seelische Belastungen, Kummer und Sorgen enorm an den Kräften des Immunsystems und können so auch Autoimmunreaktionen auslösen.

Ernährungsgewohnheiten können eine Rolle spielen

Für eine störungsfreie Immunfunktion ist die richtige Ernährung unerlässlich. So braucht das Immunsystem zum Beispiel eine ausreichende Zufuhr von Proteinen, um Antikörper herzustellen. Und auch Vitamine und Mineralien stärken die Immunabwehr im Krankheitsfall. Sollte es also zu einer Mangelernährung kommen, sind immunologische Störungen nicht auszuschließen. Zudem bestimmt ein geregelter Nährstoffhaushalt auch die körperliche Fitness entscheidend mit. Leistungsabfall und Müdigkeit können sich somit durch falsche Ernährung intensivieren.

Neben Proteinen ist eine ausreichende Zufuhr von Vitaminen und Mineralien wichtig für ein funktionierendes Immunsystem. (Bild: gitusik/fotolia.de)

Umweltfaktoren

Das Immunsystem reagiert recht schnell auf eine ungesunde Wohn- und Arbeitsumgebung. Eine hohe Schadstoffbelastung in der Luft, etwa durch Auto- oder Industrieabgase, wird diesbezüglich immer wieder mit Symptomen wie Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Schlafstörungen assoziiert. Selbiges gilt für eine hohe Lärmbelastung am Wohnort oder Arbeitsplatz. Darüber hinaus sind auch Giftstoffe in Arbeitsmaterialien, im Haushalt oder in der Bausubstanz von Gebäuden nicht als Auslöser von immunologischen Störungen zu unterschätzen.

Symptome bei chronischem Erschöpfungssyndrom

Die Beschwerden eines chronischen Erschöpfungssyndroms machen sich vor allem im Bereich der Psyche bzw. der mentalen Leistungsfähigkeit bemerkbar. Doch auch körperliche Sensibilitäten sind für CFS nicht unüblich. Gerade wenn es um Nerven- und Herzprobleme geht, kann sich die Erkrankung sehr deutlich bemerkbar machen. Des Weiteren befördert das Syndrom eine erhöhte Sensibilität gegenüber Reizfaktoren. Typisch sind zum Beispiel eine besondere Licht-, Lärm- und Temperaturempfindlichkeit, erhöhte Gelenk- und Lymphknotensensibilitäten mit erhöhtem Schwellungsrisiko der Achsel und Halslymphknoten sowie eine besondere Schmerzempfindlichkeit, die sich vor allem in Hals-, Muskel-, Kopfschmerzen und Gelenkschmerzen äußert. Insgesamt lassen sich folgende Beschwerden für CFS festhalten:

  • Psychische Beschwerden wie z.B. Reizbarkeit, depressive Verstimmungen oder innere Unruhe
  • Kognitive Störungen wie z.B. Gedächtnis-, Konzentrations-, Lese- und Wahrnehmungsstörungen
  • Sensibilitätsstörungen wie z.B. Licht-, Lärm-, Schmerz- und Temperaturempfindlichkeit, Gelenk- und Lymphsensibilität
  • Konditions- und Erholungsprobleme wie z.B. Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus, mangelnde Erholung, Leistungseinbußen, Müdigkeit
  • Organstörungen wie z.B. Atem- und Blasenentleerungsstörungen, Magen-Darm-Probleme, Herzrhythmusstörungen

Diagnose und Therapie

Eine ausführliche Patientenbefragung ist bei CFS besonders wichtig. Um einen Verdacht erheben zu können, müssen hier vor allem folgende Fragen beantwortet werden:

  • Wie lange leidet der Patient bereits an Erschöpfungszuständen?
  • Welche Begleitsymptome gehen mit der Erschöpfung einher?
  • Bestehen die Symptome bereits länger als 6 Monate?
  • Bessert sich der Erschöpfungszustand nach ausreichend Nachtschlaf oder nicht?
  • Rühren die Beschwerden womöglich von Stress oder einer Grunderkrankung her?
    (mit Blick auf Burn Out und Fatigue wichtig für eine Differentialdiagnose)
  • Wie stark wirkt sich der Erschöpfungszustand auf den Patientenalltag aus?

Sobald die wichtigsten Fragen innerhalb einer Anamnese geklärt wurden, stehen je nach Verdacht bezüglich möglicher Ursachen verschiedene Laboruntersuchungen zur Verfügung. Diese können zum Beispiel Allergie-, Blut- und Urintests umfassen, anhand derer sich Informationen zu bestehenden Immunsensibilitäten, Nährstoffversorgung und Krankheitszeichen erheben lassen. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder CT kommen nach Bedarf zum Einsatz.

Behandlung bei CFS

Geeignete Therapiemaßnahmen beinhalten bei einem chronischem Erschöpfungssyndrom weniger medikamentöse denn verhaltensorientierte Schritte sowie Maßnahmen zur Erholung. Letzteres bedeutet allerdings nicht, sich in vermeintliche Passivität zu begeben, denn gerade gezielte Beschäftigungsmaßnahmen sind zur Linderung der Erschöpfung enorm wichtig. Diese sollten allerdings auch eine bestimmte Routine zurück in den Alltag des Patienten bringen.

Verhaltenstherapie

Im Zuge eines Verhaltenstrainings gilt es bei CFS vor allem, die kognitive Leistungsfähigkeit wiederherzustellen. Da Depressionen und das Gefühl, erschöpft in den Alltagsanforderungen unterzugehen, eine wichtige Rolle in der krankheitsbedingten Symptomatik spielen, müssen vor allem Maßnahmen zur seelischen und mentalen Stressbewältigung durchgeführt werden. Entspannungsmaßnahmen wie Yoga, Meditation oder private Entspannungsrituale (z.B. durch Musik oder Aromatherapie) sind hierfür sehr gut geeignet.

Entspannungs- oder Yogaübungen können helfen, dem Stress entgegenzuwirken. (Bild: alotofpeople/fotolia.de)

Es ist dringend davon abzusehen, bei CFS weiterhin krampfhaft an stressreichen Alltagsmustern festzuhalten. Dies bedeutet ggf. auch, sich beruflich zurückzunehmen, selbst wenn es die Gesellschaft oder der Chef anders erwarten würde. Übermäßiger Druck von außen verschlimmert die Erkrankung in der Regel nur noch weiter. Stattdessen sollte versucht werden, einen eigenen, dem erschöpften Körper wohltuenden Tagesrhythmus zu finden. Im Notfall muss hierüber auch mit Arbeitgeber, Familien und Freunden geredet werden, damit sich gemeinsam eine Lösung für eine konstruktive Zeitplanung finden lässt. Nichtsdestotrotz sollten Patienten Wert auf eine routinierte Schlafhygiene legen. Geregelte Bettzeiten, im Idealfall begleitet von einem beruhigenden, abendlichen Ritual, tragen viel zur Regeneration bei.

Tipp: Ein Tässchen Beruhigungstee mit entspannenden Kräutern wie Lavendel, Johanniskraut oder Baldrian ist vor dem Schlafengehen sehr zu empfehlen.

Ebenfalls zu meiden sind mit Blick auf das eigene Verhalten schädliche Umgebungseinflüsse. Damit sind nicht nur Lärm und stressreiche Sozialkontakte gemeint, sondern auch Schadstoffeinwirkungen wie Abgase, Allergene und andere krankheitserregende Faktoren (z.B. Infektionserreger). Ferner ist eine gesunde Ernährung unerlässlich, um das geschwächte Immunsystem wieder zu stärken. Diesbezüglich sind insbesondere Mineralstoffe wie Eisen, Jod, Selen und Zink sowie die Vitamine A, C und E ein Muss für eine starke Immunabwehr.

Bewegungs- und Beschäftigungstherapie

Neben der Entspannung sollten auch erholsame Aktivitäten nicht fehlen, wenn es darum geht, einem Erschöpfungszustand die Stirn zu bieten. Physiotherapie kann hier ebenso wirksam sein wie ein regelmäßiger Spaziergang oder moderate Sportbetätigung, etwa durch Schwimmen oder Radfahren. Auch Freizeitbeschäftigungen wie Gartenarbeit, Raumgestaltung, Lesen, Kochrituale oder gemütliche Abende mit Freunden helfen dem Körper, wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

Erwähnt sei, dass die jeweiligen Aktivitäten von jedem Patienten individuell getestet werden sollten. Nicht jeder spricht auf dieselben Maßnahmen an, weshalb Betroffene für sich selbst entdecken sollten, was bei ihnen hilft, ihre Erschöpfung zu überwinden. Abzuraten ist jedoch grundsätzlich von zusätzlich erschöpfenden Extremsportarten und hektischem Treiben im Alltag.

Gesprächstherapie

Seelische Belastung, Traumata und emotionale Ausnahmezustände werden bei CFS am besten im Rahmen einer psychotherapeutischen Gesprächsmaßnahme erörtert. Sie selbst anzugehen oder zu verarbeiten ist nicht in jedem Fall von Erfolg gekrönt, insbesondere dann nicht, wenn es sich um eine sehr ernste Thematik handelt. Demzufolge legen wir in diesem Bereich nahe, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.(ma)