Leistenbruch – Ursachen und Therapie

Fabian Peters

Ursachen, Symptome und Behandlung eines Leistenbruchs

Der Leistenbruch beziehungsweise die Leistenhernie (Inguinalhernie) ist ein relativ weit verbreitetes Beschwerdebild, welches durch Schmerzen und eine sichtbare Schwellung im Leistenbereich gekennzeichnet ist. Allerdings leiden nicht alle Betroffenen unter entsprechend deutlich wahrnehmbaren Symptomen. Bei dem Leistenbruch bildet sich eine sogenannte Bruchpforte, durch die Eingeweide aus dem Bauchraum austreten können, welche schlimmstenfalls dabei eingeklemmt werden. Dies kann lebensbedrohliche Komplikationen nach sich ziehen und ein schnelles ärztliches Eingreifen ist hier dringend erforderlich.

Definition

Die Inguinalhernie (Hernia inguinalis) ist ein sogenannter Eingeweidebruch der Bauchdecke im Bereich des Leistenkanals. Hier bildet sich eine Bruchpforte, die dem inneren Druck nicht Stand halten kann, und es tritt ein sogenannter Bruchsack aus. Abhängig von der Lokalisation der Bruchpforte können direkte und indirekte Leistenbrüche unterschieden werden. Während bei den direkten Leistenbrüchen der Bruchsack durch die Hinterwand des Leistenkanals tritt, sind indirekte Leistenbrüche durch eine Bruchpforte im inneren Leistenring gekennzeichnet und daher etwas seitlich versetzt. Eine besondere Form des Leistenbruchs bei Jungen bzw. Männern ist der sogenannte Hodenbruch, wenn der Bruchsack bis in den Hodensack reicht. Bei Frauen beschreibt die Vaginalhernie einen Leistenbruch, bei dem der Bruchsack sich bis in die Schamlippen ausbreitet. Des Weiteren kann zwischen angeborene und erworbenen Leistenbrüchen unterschieden werden. Sind Organteile in der Bruchpforte eingeklemmt, wird dies als inkarzerierte Leistenhernie bezeichnet.

Ein Leistenbruch ist meist mit einem Drückgefühl, Schmerzen und Schwellungen im Leistenbereich verbunden. (Bild: Robert Kneschke/fotolia.com)
Ein Leistenbruch ist meist mit einem Drückgefühl, Schmerzen und Schwellungen im Leistenbereich verbunden. (Bild: Robert Kneschke/fotolia.com)

Symptome

Als typische Merkmale einer Inguinalhernie gelten ein Druckgefühl in der Leistengegend, Leistenschmerzen (insbesondere beim Heben, Husten und anderen Belastungen) und eine sichtbare Ausbuchtung im Bereich der Leiste auf der betroffen Körperseite. Allerdings sind die Beschwerden bei manchen Betroffenen nur eingeschränkt oder überhaupt nicht feststellbar.

Eine vorliegende Schwellung lässt sich meist mit dem Finger eindrücken und tritt beim Abheben des Fingers wieder hervor. Auch kann sich die Schwellung bei körperlicher Belastung vergrößern und bei einem Hodenbruch beziehungsweise einer Vaginalhernie bis in den Hodensack beziehungsweise die großen Schamlippen reichen. Lässt sich die Schwellung nicht oder nur unter starken Schmerzen mit dem Finger eindrücken, ist dies ein möglicher Hinweise auf eingeklemmte Organteile und es sollte schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden.

Werden Teile des Darms in der Bruchpforte eingeklemmt (inkarzerierte Leistenhernie), kann dies schwerwiegende weitere Symptome auslösen. Denn es drohen beispielsweise ein Darmverschluss und ein Absterben der eingeklemmten Organteile. Starke Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sind hier mögliche Warnsignale. Unbehandelt ist schlimmstenfalls eine lebensgefährliche Bauchfellentzündung die Folge.

Bei einem inkarzerierte Leistenbruch werden Organteile in der Bruchpforte eingeklemmt. DIe ist ein medizinischer Notfall und erfordert umgehend eine Operation. (Bild: blueringmedia/fotolia.com)
Bei einem inkarzerierte Leistenbruch werden Organteile in der Bruchpforte eingeklemmt. DIe ist ein medizinischer Notfall und erfordert umgehend eine Operation. (Bild: blueringmedia/fotolia.com)

Ursachen und Verbreitung

Bei den Ursachen des Leistenbruchs ist grundsätzlich zwischen erworbenen und angeborenen Formen zu unterscheiden. Die angeborenen Inguinalhernien sind Folge eines Fehlers in der fetalen Entwicklung, bei dem sich zum Beispiel der Verbindungskanal zwischen Hodensack und Leistenkanal nicht wie vorgesehen schließt. Nach dem Absteigen der Hoden in den Hodensack verbleibt eine Öffnung, durch die Eingeweide in den Kanal eintreten können. Bei Mädchen ist eine Fehlentwicklung entlang des sogenannten Mutterbandes ein möglicher Auslöser der angeborenen Inguinalhernie. Jedoch sind Mädchen im Vergleich zu Jungen eher selten von einem angeborenen Leistenbruch betroffen.

Die erworbenen Formen des Leistenbruchs gehen nicht selten auf eine nachlassende Belastbarkeit der Gewebestrukturen im Bereich des Leistenkanals mit zunehmendem Lebensalters zurück, können jedoch auch durch übermäßige Belastungen ausgelöst werden, wie beispielsweise durch starkes Pressen beim Stuhlgang, schweres Heben oder heftiges Husten. Auch eine Schwangerschaft erhöht den Druck auf den Leistenkanal und ist mitunter Auslöser eines Leistenbruchs. Bei den erworbenen Formen des Leistenbruchs sind Männer ebenfalls die Hauptleidtragenden.

Die geschlechtsspezifische Verteilung des Beschwerdebildes wird insgesamt mit 80 bis 90 Prozent Männern und 10 bis 20 Prozent Frauen angegeben. Bei Kindern wird die Verbreitung der angeborenen Inguinalhernien auf bis zu drei Fälle bei hundert Neugeborenen geschätzt. Im Hinblick auf die Gesamtzahl der operativen Eingriffe in Deutschland lag laut Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) bei Männern im Jahr 2014 der Verschluss eines Leistenbruchs mit 155.999 Fällen an zweiter Stelle. Insgesamt wurden 176.300 operative Operationen einer Hernia inguinalis im Jahr 2014 vorgenommen. Anhand der Zahlen wird einerseits die wesentlich höhere Prävalenz bei Männern und anderseits die starke Verbreitung des Beschwerdebildes deutlich.

Diagnose

Anhand der Symptome und eines Abtastens der Leistenregion lässt sich in vielen Fällen bereits eine relativ verlässliche Erstdiagnose stellen, doch bedarf es gegebenenfalls weiterer Untersuchungen, um das Ausmaß des Leistenbruchs festzustellen und/oder andere Erkrankungen auszuschließen. Hier sind vor allem bildgebende Verfahren wie Ultraschall- oder MRT-Untersuchungen vermehrt eingesetzte Diagnoseinstrumente. Zeigt sich im Rahmen der Untersuchungen, das Organteile in dem Bruch eingeklemmt sind, wird umgehend eine Operation erforderlich, um weitere Komplikationen zu vermeiden.

Eine Ultraschalluntersuchung kann Aufschluss über das Ausmaß eines Leistenbruchs geben. (Bild: Barabas Attila/fotolia.com)
Eine Ultraschalluntersuchung kann Aufschluss über das Ausmaß eines Leistenbruchs geben. (Bild: Barabas Attila/fotolia.com)

Behandlung

Grundsätzlich ist die Leistenhernie in den meisten Fällen ein Operationsgrund, allerdings ist bei manchen Betroffenen eine Operation aus anderen Gründen nicht möglich. Hier wird konservativ mit einem sogenannten Bruchband therapiert, welches im Alltag getragen wird und von außen Druck auf die Bruchstelle ausübt. So wird das Austreten des Bruchsacks verhindert und die Eingeweide werden nicht in der Bruchpforte eingeklemmt. Ein Bruchband kann auch bis zu einem später angesetzten Operationstermin verordnet werden.

Da die angeborenen Formen des Leistenbruchs bis Vollendung des ersten Lebensjahres mitunter von alleine abklingen, werden jüngere Kinder nur operiert, wenn eine inkarzerierte Leistenhernie vorliegt. Bei Kinder im Alter über einem Jahr sollte laut den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie immer eine Operation erfolgen.

Eine Ultraschalluntersuchung kann Aufschluss über das Ausmaß eines Leistenbruchs geben. (Bild: Barabas Attila/fotolia.com)
Eine Ultraschalluntersuchung kann Aufschluss über das Ausmaß eines Leistenbruchs geben. (Bild: Barabas Attila/fotolia.com)

Für die Operation des Leistenbruchs stehen verschiedene Operationstechniken zur Verfügung, deren Einsatz auch in Abhängigkeit von dem Ausmaß des Beschwerdebildes zu sehen ist. Grundsätzlich ist dabei zwischen offenen Operationen und sogenannten laparoskopischen Eingriffen zu unterscheiden.. Das Ziel ist ein Verschluss der Bruchpforte und bei erwachsenen Patienten können zusätzlich gegebenenfalls vorhandene Schwachstellen im Gewebe durch eine Art Netz verstärkt werden. Dies erfolgt bei der offenen Operation durch einen entsprechend großen Schnitt zur Freilegung des Leistenkanals. Bei der Laparoskopie wird minimalinvasiv mit Hilfe von Endoskopen operiert, die durch kleine Schnittöffnungen in den Bauchraum geschoben werden.

Beide Operationstechniken gelten hierzulande als Routineeingriffe und können oftmals auch ambulant durchgeführt werden. Allerdings sind Komplikationen bei den Eingriffen nicht grundsätzlich auszuschließen. So nennen die Behandlungsleitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie beispielsweise Wundinfektionen (1,2% der Patienten betroffen), sekundären Hodenhochstand (je nach Alter bis zu 13% betroffen), Hydrozelen (0,06%), eine Hodenatrophie (0,3%) oder chronische Leistenschmerzen (3,2%) als mögliche negative Folgen der Operation bei Kindern. Tendenziell habe die Rezidivrate nach laparoskopischer Operation etwas höher gelegen als nach einer offenen Operation (4% gegenüber 2 %). Eine grundsätzliche Empfehlung zu offenen Operationen lässt sich hieraus jedoch nicht ableiten. Vielmehr ist in Abhängigkeit von dem individuellen Beschwerdebild der Betroffenen die geeignete Operationstechnik auszuwählen. (fp)