Traumatisierung: Ursachen und Therapie

Frühkindliche Traumatisierung verfolgen die Betroffene bis ins Erwachsenenalter. Bild: ambrozinio - fotolia
Dr. Utz Anhalt
Traumatische Ereignisse geschehen allen Menschen allen Alters und quer durch die sozialen wie ökonomischen Schichten. Solche Traumata verursachen Entsetzen, intensive Angst, Horror, Hilflosigkeit und physische Stress-Reaktionen.

Manchmal geht der Eindruck dieser Ereignisse nicht einfach, wenn sie vorbei sind. Stattdessen sind manche Traumatisierungen tief greifende Erfahrungen, die den Weg verändern können, wie Kinder, Jugendliche und Erwachsene sich selbst in der Welt begreifen. Manchmal wird diese Störung nicht gefühlt: über Wochen, Monate oder sogar Jahre.

Frühkindliche Traumatisierung verfolgen die Betroffene bis ins Erwachsenenalter. Bild: ambrozinio - fotolia
Frühkindliche Traumatisierung verfolgen die Betroffene bis ins Erwachsenenalter. Bild: ambrozinio – fotolia

Traumata bedeuten eine enorme Bürde für jedes Gesundheits- und Sozialsystem. Trauma ist nicht nur eine Herausforderung für die mentale Gesundheit, sondern es gehört zu jedem Gesundheitssektor und bedarf primärer, physischer, mentaler und geistiger Heilung.

Von der Zeit, als sich das Trauma ereignete, können Menschen die Effekte in allen Phasen ihres Lebens erfahren und in ihrem Alltag – als Eltern, bei der Arbeit, in ihrer Sozialisation, bei Verpflichtungen – und in ihren persönlichen Beziehungen.

Es sollte aber betont werden, dass die meisten Menschen, die traumatische Erfahrungen erleben, nicht die Symptome eines Post-Traumatischen-Stress-Syndroms erleiden. Wie auch immer, für viele Menschen werden schlechte psychische und physische Gesundheit, Depression und Ängstlichkeit eine große Herausforderung.

Menschen, die ein Trauma erlitten, sind in Gefahr, in jeder Sozial- und Gesundheitsbetreuung retraumatisiert zu werden. Der Mangel an Wissen und Verständnis des traumatischen Eindrucks beeinträchtigt die Art und Weise, ob die Dienste die effektivst mögliche Pflege geben.

Wenn es zu einer Re-Traumatisierung kommt, hat das System versagt am Individuum, das das Trauma erfuhr, und das kann den Betroffenen hinterlassen als jemand, der sich missverstanden, nicht unterstützt und sogar gedemütigt fühlt. Es kann sogar einen schädlichen Kreislauf in Gang setzen, der Heilung und Wachstum verhindert. Das lässt sich aber verhindern: Durch Grundwissen und durch das Einbeziehen von Sprache und Praktiken, die dem Trauma angemessen ist.

Traumatische Geschehnisse können jeden treffen; sie sind ein Teil der menschlichen Erfahrung. Unfälle, natürliche Katastrophen, Kriege, Familienkonflikte, sexuelle Ausbeutung, Kindesmissbrauch und Ablehnung und bedrückende soziale Verhältnisse sind unausweichbar. Wie jedoch ein Mensch auf diese Umstände reagiert, hängt von seiner sozialen Biografie ebenso ab wie von seiner genetischen Veranlagung und Schutzfaktoren, die der Mensch zu dieser Zeit entwickelt hat.

“Es gibt in Deutschland kaum Ärzte, die Erfahrungen mit Kriegstraumatisierten haben. Nieman konnte mir bisher helfen. Ich habe Angst, in der geschlossenen Anstalt oder im Knast zu landen.” (Malcolm Mackenzie, ehemaliger britischer Soldat)

Trauma

Ein Trauma ist ein mit Stress besetztes Ereignis von bedrohendem Ausmaß, dass einen tief gehenden Einschnitt auf jeden hinterlässt, der es erfährt. Beispiele beinhalten ernste Unfälle, Vergewaltigung, Verbrechen, natürliche und von Menschen gemachte Katastrophen, Zeuge bei einem gewaltsamen Tod zu sein, etc..

Weniger dramatische Ereignisse und Vorfälle können einen ähnlichen Effekt haben, wenn der Betroffene sie nicht verarbeiten kann, oder wenn er sie als Schaden an seiner physischen oder psychischen Integrität wahrnimmt.

Das Trauma ist eine Reaktion auf ein abnormales Ereignis, in dem ein Mensch Angst, Horror oder Hilflosigkeit erfährt, weil er Zeuge oder Zielscheibe von Tod oder Verletzung wird, ob ob vollzogen oder drohend.

Die Störung kann indessen auch vermittelt entstehen: So zeigten Untersuchungen von Vietnam-Veteranen, die am „Posttraumatischen Stress-Syndrom“ litten, dass viele von ihnen bei den traumatisierenden Geschehnissen im Krieg gar nicht beteiligt gewesen waren.

Ein geteiltes Trauma, die Angst vor dem traumatischen Geschehnis, das Menschen in der gleichen Situation erlebten, kann ähnliche Folgen haben wie das Geschehnis selbst.

Das Kennzeichen einer traumatischen Erfahrung ist, dass sie typischerweise das Individuum überwältigt: Emotional, mental und physisch. Der Mensch wird von Gefühlen der Furcht, intensiven Angst, Hilflosigkeit und physischen Stress-Reaktionen überschwemmt, ohne sie kontrollieren zu können.

Die Möglichkeiten, mit denen wir stressenden Geschehnissen begegnen, sind ineffektiv im Gesicht traumatischer Erfahrungen. Der Einschnitt durch diese Geschehnisse verschwindet nicht einfach, wenn das Geschehnis vorbei ist.

Die Reaktion eines Individuums auf ein emotionales Trauma ist komplex und schwierig, vorherzusagen. Das Alter eines Menschen, vergangene Dispositionen zu Trauma-Erfahrungen, soziale Unterstützung, Kultur, eine psychiatrische Geschichte der Familie und die generellen emotionale Stabilität sind einige Variablen, die die individuelle Reaktion eines Menschen auf ein Trauma beeinflussen.

Effekte des Traumas auf das Gehirn und den Körper

Das Trauma hinterlässt anhaltende Marker im Gehirn und Körper. Alle traumatischen Erfahrungen bringen die Stress-Reaktion zurück, die ein Spektrum von physiologischen und hormonellen Veränderungen beinhaltet, die das zentrale und periphere Nervensystem beeinflussen. Kurz gesagt: Die Stress-Reaktion tritt in Kraft, um sich selbst während der bedrohlichen Ereignisse zu schützen.

Sie beinhaltet das Ausschütten von Stress-Hormonen. Dazu gehören Cortisol, Adrenalin und Noradenalin. Während eines bedrohlichen Ereignisses sind sie verantwortlich dafür, den Blutdruck zu heben und gestaute Energie in die Muskeln zu pumpen, um Handlungen zu ermöglichen.

Diese Stress-Hormone geben Feedback an das Gehirn und beeinflussen Gehirn-Regionen, die für emotionale und kognitive Prozesse verantwortlich sind. Während des Traumas werden permanent physiologische und psychologische Änderungen in die Gehirne und Körper der Opfer getragen, die zu von diesem physiologischen Geschehnis überflutet werden.

Als ein Ergebnis kann ein Trauma zum post-tramatischen Stress-Syndrom führen, dass die Vergangenheit in das Erleben der Gegenwart bringt. Diese destruktiven Emotionen können auch zu psychischen Störungen führen wie Depression und Angst, außerdem entwickeln die Opfer ungesundes Verhalten: Substanzmissbrauch, maßloses Essen, Gewalt und andere.

Das Trauma lebt zudem weiter im Körper des Betroffenen. Das Herz leidet inter hohem Blutdruck, einem hohen Cholesterinspiegeln und Herzinfarkten. Das Verdauungssystem öeidet unter Magenkrämpfen, Diabetes und Gewichtsschwankungen.

Mehr noch, das geschwächte Immunsystem hat Schwierigkeiten, Bakterien und Viren abzuwehren, was zu mehr Krankheiten und langsamer Gesundung führt. Dazu ist das reproduktive System betroffen, und das führt zu sexueller Lustlosigkeit und Unfruchtbarkeit. Andere Bereiche des Körpers, wie Haut, Muskeln und Gelenke sind ebenfalls negativ vom Trauma beeinflusst.

Das Trauma schadet dem Wohlbefinden des Individuums und aktiviert außerdem neurobiologische Stress-Reaktionen. Obwohl diese Stress-Reaktionen notwendig sind für das Überleben, könnnen sie, wenn sie chronisch werden, die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen, was zu einer Dysregulation des Nervensystems führt.

Sexuelles Missbrauchs-Trauma

Die Mehrheit der Opfer von sexuellen Übergriffen und Vergewaltigung sind Frauen. Sexueller Missbrauch ist ein krimineller Akt der Gewalt. Er beinhaltet ein breites Spektrum ungewollten Sexualkontaktes wie Vergewaltigung, Zwangsprostitution, sexuellen Missbrauch, Vergewaltigung in der Ehe, “date rape” , oder sexuellen Missbrauch in der Kindheit.

Überlebende von sexuellen Übergriffen sind nicht nur konfrontiert mit den emotionalen und physischen Effekten eines gewalttätigen Verbrechens, sondern auch mit falschen Vorstellungen, die die Gesellschaft und sogar enge Freunde oder Familienmitglieder über sexuelle Übergriffe haben.

Sexuelle Übergriffe beeinflussen die phsysische und mentale Gesundheit. Sie verursachen physische Verletzungen und dazu eine Bandbreite von sexuellen und reproduktiven Gesundheitsproblemen, die beide lang anhaltende Konsequenzen haben.

Die am weitetsten verbreitete Reaktion eines Opfers von sexuellen Übergriffen ist Angst, Angst vor körperlichen Verletzungen (geschlagen, geschnitten oder beschosssen zu werden, etc.) oder sogar davor, getötet zu werden. Angstreaktionen, die mit dem Übergriff verbunden sind wie visuelle Ähnlichkeiten, Gedanken, Gerüche oder Geräusche können Wochen, Monate oder sogar Jahre anhalten.

Opfer vermeiden typischerweise alles, was sie an den Übergriff erinnert wie Orte, Situationen oder Menschen. Einige Betroffene sind so verängstigt, dasss die ihre Aktivität rigoros einschränken, bis hin zu dem Punkt, dass sie ihr Haus nicht mehr verlassen können, oder es nicht aushalten, allein zu sein.

Nach der Erfahrung eines sexuellen Übergriffes fürchten viele Frauen und Männer, dass sie die Kontrolle über ihr Leben verlieren. Sie wurden gezwungen, an einer Handlung teilzunehmen, die gegen ihren Willen geschah. Sie verloren die Kontrolle über ihr Leben während des Übergriffes, und dieses Gefühl des Kontrollverlusts kann nach dem Übergriff anhalten.

Opfer können den Übergriff wieder und wieder in ihren Gedanken und Träumen rückerinnern. Wenn dies geschieht, ist es fast so, als ob der Vorfall wieder passiert. Das Wort dafür heißt Flashback.

Die verbreitetste Quelle von Schuldgefühlen sind das Ergebnis von Selbstvorwürfen. Das Opfer sagt sich Sätze wie “ich hätte nicht so spät ausgehen sollen”, oder “Ich hätte mich anders anziehen können”, oder “wenn ich die Tür verschlossen hätte, wäre das nicht passiert.”

Einige Untersuchungen weisen daraufhin, dass jedes 10. Kind in Deutschland sexuelle Missbrauchserfahrungen gemacht hat. Bild: DanielEnde - fotolia
Einige Untersuchungen weisen daraufhin, dass jedes 10. Kind in Deutschland sexuelle Missbrauchserfahrungen gemacht hat. Bild: DanielEnde – fotolia

Opfer sexueller Übergriffe können sich außerdem schuldig fühlen für das, was sie tun mussten, um den Übergriff zu überleben. Manchmal entstehen diese Selbstvorwürfe daraus, dass andere Opfer schlimmer verletzt wurden als der / die Betroffene selbst. Im englischen wird dies bezeichnet als: “survivor´s guilt”.

Das Selbstbild leidet bisweilen als Ergebnis des Übergriffs. Viele Opfer berichten davon, sich “dreckig” zu fühlen und duschen sich zwanghaft, um “sauber” zu werden.

Weitere verbreitete Reaktionen auf ein Trauma sind Trauer und Depression. Dazu zählen Gefühle von Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung, Weinanfälle, und manchmal sogar Gedanken an Suizid. Betroffene verlieren Interessen und Hobbys, die sie zuvor genossen. Nichts bereitet ihnen mehr Freude.

Nach einem Übergriff verlieren die Opfer oft ihr Interesse an sexuellen Beziehungen, und sie vermeiden es, sexuell aktiv zu werden. Ihre sexuelle Lust sinkt.

Opfer sexueller Übergriffe erfahren sowohl Furcht wie Angst, also sowohl ein unbestimmbares Gefühl von allgemeiner Unsicherheit wie auch die konkrete Angst vor bestimmten Dingen, Orten, Menschen, Tieren, Gerüchen, Geräuschen und Stimmungen.

Zum Beispiel kann eine Frau, die ein übergewichtiger Mann mit Alkoholproblem, blondem Vollbart und Jogginghose in ihrem Hausflur vergewaltigte, eine intensive Angst entwickeln vor Betrunkenen, übergewichtigen Männern, Männern mit Jogginghosen, aber auch vor Triggern wie Alkoholgeruch, dunklen Hausfluren oder blonden Haaren. Zu solchen konkreten Auslösern kommt aber eine diffuse Angst als Grundgefühl, wenn sie auf die Straße geht.

Merkmale des Täters wie Haut- und Haarfarbe, Geruch, Kleidung, besondere Kennzeichen wie Ohrringe oder Tätowierungen stimulieren die Angst ebenso wie Assoziationen zu Situation und Setting: Eine Landstraße, eine Tankstelle, eine dunkle Nacht oder sogar das eigene Haus. Mit anderen Worten: Alles, was an den Übergriff erinnert, kann die Angst auslösen. Die Opfer vermeiden deshalb oft Situationen, Gerüche und Geräusche, weil diese Stimuli im Opfer bleiben und im Gehirn den Alarm auslösen.

Für alle Traumatisierungen gilt: Es ist gleichgültig, ob Andere (!) diese Angst nachvollziehen können oder nicht. Doch Außenstehende, selbst Eltern oder Freunde, reagieren oft falsch – und dies häufig mit gutem Motiv.

Wird die / der Traumatisierte von der Angst überwältigt, sagen sie: “Du musst das abschließen”, oder “steiger dich da nicht so rein”. Wenn das Opfer die Situation, dem Täter ähnliche Personen, und dem Tatort ähnliche Plätze meidet, sagen sie: “Du musst da endlich durch, weglaufen bringt nichts.”

Ihr Trugschluss liegt darin, dass sie vom richtigem Umgang mit Problemen, Krisen und Ängsten bei “Normalneurotikern” ausgehen, oft, ohne es zu wissen.

Es ist zum Beispiel vollkommen richtig, wenn ein Kind “fremdelt”, ihn an den Kontakt mit Fremden zu gewöhnen. Es ist richtig, jemand, dem eine Situation Angst macht, weil er sie nicht kennt, mental “in den Hintern zu treten”, damit er seine Komfortzone verlässt und so erkennt, dass seine Angst unbegründet ist.

Menschen, die ihre Stärken und Schwächen haben, deren Gehirn aber “normal” arbeitet, können begründete und unbegründete Ängste dadurch in den Griff bekommen, dass sie sich der Situation aussetzen, die ihnen Angst einflösst. Denn ein funktionierendes Gehirn hilft uns, Ängste zu kontrollieren.

Für einen Traumatisierten sind solche gut gemeinten und, für Nicht-Traumatisierte sinnvollen, Ratschläge aber schädlich. Sie verstärken seine Schuldgefühle, indem er denkt, er müsste sich “mehr zusammen reißen”, er müsste “stärker sein”, oder er müsste “an sich arbeiten”.

Doch Traumatisierung bedeutet gerade, die Flashbacks und die Angtszustände nicht kontrollieren zu können. Es handelt sich nicht um einen bewusste, sondern um eine psychobiologische Reaktion des Organismus, deren Kennzeichen gerade ist, sie nicht willentlich steuern zu können. Auch Tiere leiden unter Traumatisierungen.

Willensstarke erleiden ebenso eine Traumatisierung wie Willensschwache, Hochsensible ebenso wie Normalsensible. Es gibt möglicherweise Unterschiede, ob (!) Menschen in einer bestimmten Situation ein Trauma erleiden. Wenn sie aber traumatisiert sind, reagiert ihr Gehirn entsprechend und unwillkürlich, in unserem “Reptiliengehirn”, also dort, wo unsere archaischen Angstreflexe ablaufen.

Kriegstrauma

Krieg sucht die menschliche Existenz vielschichtig heim. Er setzt Menschen Gesundheitsschäden aus – psychisch wie physisch, chemisch, biologisch und motorisch. Der Krieg hinterlässt tiefe und zerstörerische soziale und wirtschaftliche Folgen für die betroffenen Menschen.

Krieg wird sowohl kollektiv wie individuell erfahren. Er zerstört die vertraute Infrastruktur, kreiert eine Umwelt von Furcht und Chaos und führt zum Verlust der Identität einer Gemeinschaft. Darüber hinaus führt die Entwurzelung zu mentalem Stress-Störungen, intern im Individuum und extern in den Communities. Betroffene Individuen und Gemeinschaften brauchen kulturbezogene psychosoziale Interventionen, die darauf zielen, die spezfischen Bedürfnisse der Gruppe in der kritischen Zeit zu erfüllen.

Die Folgen des Krieges beinhalten lang anhaltende physische und psychologische Leiden für Kinder und Erwachsene. Krieg hat teilweise traumatisierende Effekte auf Soldaten, weil sie oft unmittelbar Terror ausgesetzt waren.

Krieg zerstört elementare menschliche Bedüfnisse, Menschenrechte und Werte. Er vernichtet emotionales Wohlbefinden, er verursacht unwiederbringliche materielle Verluste, physisches Ausgebranntsein, psychische Zusammenbrüche und jede Alltagsroutine.

Die erste und einzige positive Reaktion auf Stress ist Flucht, aber es gibt keine Möglichkeit, im Krieg vor Stress-Erfahrungen davon zu laufen: Ein Stress-Faktor folgt auf den nächsten.

Deshalb läuft in den Individuen die komplette Bandbreite an Anpassungsmechanismen, wenn Menschen Krieg erleben: Änderungen im Verhalten, hormonelle Schübe, Nervenstörungen, Ändeurngen des Metabolismus, genetische Mutationen und alle Arten von Krankheiten.

Stress induzierte Folgen, die von der Dauer und Intensität der Stress-Erfahrung abhängen, sind unter anderem: PTSS, unterbrochene Schwangerschaften, Labilität gegenüber Krankheiten, unterdrückte Immunabwehr, hormonelle Störungen und alle Formen emotionaler Instabilität oder psychischen “Thrills”: Selbstmord, Mord und andere Formen von Gewalt.

In Kriegsregionen steigt die Rate von psychischen Störungen massiv an, und Frauen sind davon stärker betroffen als Männer. Kulturelle und religiöse Strategien, solche Störungen zu händeln, versagen, weil die Infrastruktur dazu verstört ist. Da die Menschen im Umfeld ebenso traumatisiert oder tot sind, fehlt die emotionale Unterstützung.

In Syrien, Afghanistan, dem Kongo oder Somalia wachsen Generationen auf, die nichts anderes als den Ausnahmezustand Krieg kennen. Ihre “Karrieren” beginnen mit einem Trauma, auf das das nächste folgt: Kindersoldaten erleben zum Beispiel, wie Milizen die Dörfer plündern, Frauen vergewaltigen und Kinder entführen. Sie sind bereits traumatisiert, dann dringen die Gewalttäter in ihr eigenes Dorf ein, zwingen sie, die eigenen Eltern zu erschießen, betäuben sie mit Drogen, unterziehen sie einer Gehirnwäsche mittels psychischer und physischer Folter, und die Opfer werden zu Tätern, die wiederum Andere traumatisieren.

Horror im Gemüt

Das Ausmaß an traumatisierendem Stress zu beziffern, fällt schwer wegen den Unterschieden in der Natur und der Defininitionen dieser Probleme. Doch es ist klar, dass ein erheblicher Teil der Weltbevölkerung gewalttätigen und traumatisierenden Erfahrungen ausgesetzt ist, darunter Folter.

Außerdem sind viele Lebensumstände wiederum mit Folter, ähnlicher Gewalt und Trauma verbunden. Dazu gehören: ethnopolitische Kriege, Zwangsumsiedlungen, Gewaltverbrechen und politische Unterdrückung; die Konsequenzen für die körperliche und mentale Gesundheit, die mit solcher Gewalt und Traumata verknüpft sind werden weiterhin ein bedeutendes Problem für die öffentliche Gesundheit bleiben.

Die Folgen von Gewalt und Folter betreffen nicht nur Individuen und Familien, sondern auch Gemeinschaften, Gesellschaften und ganze Nationen. Die Eindrücke solcher Erfahrungen brennen sich unauslöschlich in das Gehirn ein und beeinträchtigen nicht nur die Betroffenen, sondern setzen auch die folgenden Generationen einem Kreislauf von Schmerzen und Leid aus. Folter bedingt eine der extremsten Formen des Traumas und führt potenziell zu langfristigem psychischen und körperlichen Leiden.

Die meisten Leute verstehen unter Folter endlosen Schmerz. Körperlicher Schmerz ist die eine Sache, die an die Folterkammer erinnert – an die versteckten Zellen illegaler Gefängnisse, nachdem das Opfer heraus kam. Genau so schrecklich wie die physischen Nachwirkungen der Folter auch sind, aber der reale Horror ist das, was in der Seele bleibt.

Folter zielt darauf, die Humanität, Würde und den Selbstrespekt des Individuums zu brechen. Angst ist ein essentielles Element der Folter. Wenn Folter angewandt wird, ist eine ganze Gesellschaft in Furcht, und nicht nur das Individuum.

Kinder von gefolterten Eltern erleiden mehr psychosomatische Symptome, Kopfschmerzen, Depressionen wie Lernprobleme und zeigen mehr aggressives Verhalten. Sie zeigen psychotische Symptome, die Traumatisierungen ähneln ebenso wie Defizite in ihrer geistigen und körperlichen Entwicklung.

Von allen Formen der Folter löst Vergewaltigung die stärksten Emotionen im Erzähler und Zuhörer aus. Vergewaltigung in Friedenszeiten wird meist gut als psychisches Trauma erkannt – mit gut dokumentierten Konsequenzen für die mentale Gesundheit. Alle Frauen, die vergewaltigt wurden, zeigen in einem bestimmten Grad psychische Störungen in den darauf folgenden Tagen und Wochen.

Die Verwirrung, den Alltag zu restrukturieren, sind die Regel, ebenso Schlafstörungen, Alpträume, die Aspekte des Verbrechens rekonstruieren, und die damit verbunden Gefühle ausdrücken, das Vermeiden von Triggern, die die Erinnerungen auslösen, gehört zu den Symptomen, ebenso Hyperventilation.

Traumatisches Leben hinter den Gefängnistüren der Islamischen Republik Iran

Ein Beispiel für das Leiden von Inhaftierten sind die Gefängnisse nach der Islamischen Revolution im Iran. Das Schicksal der Frauen dort ist schlimmer als das der Männer, denn Frauen sind aus der theologischen Perspektive des iranischen regimes minderwertig, und ihr Körper ein Platz des Bösen und der Ureinheit.

Die körperliche Folter einer Frau kann die Gestalt einer Vergewaltigung annehmen. Ungeachtet der Notwendigkeit für das Regime, solche Fälle geheim zu halten, schrieben einige weibliche politische Gefangene über die Folter und Vergewaltigung, der sie zum Opfer fielen. Die meisten der Vergewaltigungsopfer hatten jedoch keine Chance, darüber zu sprechen. Die zuvor vergewaltigten Frauen wurden nämlich oft hingerichtet; die Vergewaltigung einer Frau im Gefängnis ist der letzte Akt, der ihrer Exekution voraus geht.

Nach dem Gesetz der Islamischen Revolution dürfen zum Tod verurteilte Frauen nicht hingerichtet werden, wenn sie Jungfrauen sind. Deshalb wurden sie an Mitglieder der Revolutionären Garden oder an Gefängnisbeamte “verheiratet”, und dann vor ihrer Exekution vergewaltigt, damit sie nach ihrem Tod nicht in den Himmel kommen konnten.

Die Mullahs glaubten, dass diese Frauen unrein seien und nicht in das Paradies kommen könnten, weil sie ihre Jungfräulichkeit verloren hatten – also kämen sie in die Hölle. Dafür wurde das Opfer in der Nacht vor der Hinrichtung mit einem Betäubungsmittel ruhig gestellt und dann von den Wächtern vergewaltigt. Nach der Exekution schrieb der religiöse Richter im Gefängnis ein Heiratsdokument und schickte es an die Familie des Opfers mit einer Schachtel voll Süßigkeiten.

Die Mädchen fürchteten sich mehr vor der “Hochzeitsnacht” als vor ihrer Exekution, die sie am Morgen erwartete. Und sie hätten sich alle gewehrt, deshalb taten die Gefängnisangestellten Schlafpillen in ihr Essen.

Am Morgen fühlten sich die Mädchen leer, und sie waren bereit und wollten sterben.

Die Furcht vor Vergewaltigung steht vor allem in Gefängnissen im Vordergrund, in denen das gesamte Personal männlich ist. Die Körper der Frauen werden dabei in vielerlei Hinsicht geschunden.

Obwohl das Schariagesetz des iranischen Regimes jeden Kontakt zwischen männlichem und weiblichen Körper verbietet, außer in der Familie, berichten weibliche politische Gefangene, dass während der Vernehmung und in den Folterzellen die Vernehmer und Folterer auf verschiedenen Teilen ihres Körpers saßen, insbesondere auf der Taille und dem Gesäß, während sie ihre Opfer peitschten.

Seit die Gesellschaft von patriarchalischen Ideen regiert wird, und unterschiedliche Werkzeuge angewandt werden, um Frauen psychisch zu quälen, wird sexueller Missbrauch und, sogar wichtiger, die Androhung sexuellen Missbrauchs, genutzt, um Frauen davon abzuhalten, sich politisch zu engagieren.

Die Isolation poltisch aktiver Frauen von ihrer Familie und der Gesellschaft, verbunden mit der Missbrauchsdrohung bedingt, dass Familien versuchen, die Aktivität von Frauen und Mädchen zu begrenzen, um zu vermeiden, dass sie in Gefahr geraten.

Auf der einen Seite bedroht die Regierung also die Sexualität der Frauen, indem sie Angst schürt, und auf der anderen Seite verschiebt sie die Verantwortung auf die Familien dieser Frauen, um sie ruhig zu stellen, und um jeglicher Aktion gegen das Regime vorzubeugen. Die Bedrohung der poltisch aktiven Frauen durch sexuellen Missbrauch kombiniert mit der Unterdrückung in die Familie ist der Schlüssel, Kritik mundtot zu machen.

Eine verbreitete Reaktion auf sexuelle Gewalt in der iranischen Gesellschaft ist das Gefühl der Scham. Ironischerweise, statt dass die Gewalttäter den respekt vor sich verlieren und Scham empfinden, wenn ihre Methoden bekannt werden, sind es die Opfer und ihre Familien, die fühlen, dass sie ihr Gesicht verlieren, wenn sie an die Öffentlichkeit gehen.

Den Opfern und ihren Familien wird das Gefühl vermittelt, dass sie etwas falsch gemacht haben müssten, um so ein schlimmes Schicksal über sich zu bringen; dass sie irgendwie verantwortlich seien. Diese tiefe Furcht, den Respekt von Freunden und Familien zu verlieren, treibt viele vergewaltigte Frauen und ihre Angehörigen dazu, den Pfad des Schweigens und der Leugnung zu wählen.

Das Stellvertreter-Trauma

Stellvertretende Traumatisierung bezeichnet die anwachsenden Wandlungseffekte, denen Helfer ausgesetzt sind, die mit Überlebenden traumatischer Erlebnisse arbeiten. Der Begriff ist definiert als ein Prozess des Wandels, der anhält und sich mit der Zeit verstärkt dadurch, dass sich der Betroffene wiederholt mit dem Trauma anderer beschäftigt; der traumatische Stress überträgt sich auf den, der die Erzählungen des traumatischen Ereignisses hört oder untersucht.

Oft kommt es zu einer solchen stellvertretenden Traumatisierung, weil jemand sich um andere Menschen kümmert, die verletzt wurden und sich verantwortlich fühlt, sie zu begleiten. Dieses “sich kümmern” kann über die Zeit das psychische, physische und geistige Wohlbefinden erschüttern.

Betroffene arbeiten meist mit Überlebenden eines Traumas, und das Sekundärtrauma trifft diverse Fachleute, die mit Gewalt und persönlichen Verletzungen konfrontiert sind. Der Großteil der Forschung bezog sich auf Polizisten, Therapeuten, Heimarbeitern und Rettungssanitäter; aber gegenwärtige Untersuchungen konzentrieren sich auch auf das Risiko für Menschen in anderen Rollen, stellvertretend traumatisiert zu werden.

Dem Trauma eines Anderen ausgesetzt, sind nämlich auch Angehörige, also Partner, Eltern, Geschwister und Kinder; außerdem Freunde und Bekannte. Zum Beispiel äußert sich eine Traumatisierung bei Nachkommen von Holocaust-Überlebenden in der ersten, zweiten und sogar dritten Generation.

Journalisten, Dolmetscher, Lehrerinnen, und alle Kräfte in psychosozialen Berufen – wer immer mit Traumatisierungen arbeitet, ist empfänglich dafür, indirekt traumatisiert zu werden.

Symptome eines stellvertretenden Traumas können sehr unterschiedlich sein, abhängig von den Lebenserfahrungen und Wahrnehmungen des traumatischen Geschehnisses. Es gibt aber gemeinsame Symptome: Heilpraktiker und Therapeuten mit den emotionalen Symptomen eines stellvertretenden Traumas sind oft überlastet, ebenso ängstlich wie unfähig, Freude zu empfinden – ihre Gefühle sind taub, sie fühlen sich verzweifelt und emotional ausgebrannt.

Traumatherapie

Traumatisierte können sich nicht selbst heilen. Das stellt insofern ein großes Problem für die Therapie dar, weil gerade Menschen aus Milieus, in denen “die Zähne zusammen beißen” als Tugend und psychische Probleme als Schwäche gelten, besonders oft traumatischen Situationen ausgesetzt sind, insbesondere bei der Polizei und dem Militär.

Trauma-Verarbeitung in der Psychotherapie. Bild: Photographee.eu - fotolia
Trauma-Verarbeitung in der Psychotherapie. Bild: Photographee.eu – fotolia

Eine der Tragödien der menschlichen Existenz liegt beim Trauma darin, dass etwas, das als das Leben schützende Fähigkeit beginnt, uns in einer zwanghaften Wiederholung gefangen hält. Freud sagte über einen Traumatisierten: “Er reproduziert es nicht als eine Erinnerung, sondern als eine Handlung, um sie zu wiederholen; und am Ende verstanden wir, dass dies sein Weg ist, sich zu erinnern.”

Die spezielle Natur der traumatischen Information bedingt das Verhalten des psychischen Wiederaufbaus. Zersplitterte traumatische Erinnerungen und die übersteigerten Bilder und Empfindungen sind kurzfristig lebenserhaltend, aber verhindern langfristig die volle Integration.

Wir inszenieren unsere Vergangenheit überall – zu Hause, in der Schule, am Arbeitsplatz, auf dem Spielplatz und auf der Straße. Jeder von uns spielt Rollen in seinem eigenen persönlichen Drama, innerlich hoffend, dass jemand uns ein anderes Drehbuch und einen anderen Ausweg aus diesem Drama gibt, abhängig davon, welche Erfahrungen wir machten. Der Weg zur Heilung versteckt sich in der Krankheit.

Die einzige Möglichkeit des nonverbalen Hirns, zu “sprechen”, ist unser Verhalten. Wenn wir uns Reinszenierungs-Verhalten ansehen, erkennen wir, dass traumatisierte Menschen “ihre Geschichte erzählen”, allerdings auf versteckten Pfaden im Dschungel.

Wenn wir nonverbale Botschaften interpretieren können, können wir vielleicht besser auf diese Hilferufe antworten. Damit Heilung aber geschieht, müssen wir unseren überwältigenden Erfahrungen Worte und Bedeutung verleihen. Traumatisierte sind von Sprache abgeschnitten, haben die Macht der Worte verloren und sind in der Falle sprachlosen Entsetzens.

Burnout und Trauma

Den Begrifff “burnout” prägte in den 1970ern der amerikanische Psychologe Herbert freudenberger. Er benutzte ihn, um zu beschreiben, welche Konsequenzen schwerer Stress und hohe Ideale haben bei Menschen, die in “helfenden” Berufen arbeiten.

Ärzte und Schwestern, zum Beispiel, die sich selbst für andere opfern, würden demnach oft im “burnout” enden – erschöpft und unfähig, zu funktionieren. Heute wird der Begriff indessen nicht nur für die helfenden Berufe angewandt, sondern generell für die dunkle Seite des Selbstopfer. Es scheint jeden betreffen zu können, von überstressten Karrieristen und Prominenten bis zu überarbeiteten Arbeitern und Hausfrauen- wie männern.

Neueste Studien verweisen derweil darauf, dass nicht generell “Überarbeitung”, sondern Sinnlosigkeit den Burnout vorantreibt, salopp gesagt, erleiden Menschen vor allem einen “Burnout”, wenn sie zu ihrer Lebens- und Jobsituation “Ja” sagen, obwohl sie “Nein” meinen.

Sie merken, dass sie mit ihrer Arbeit (oder Arbeitslosigkeit) unzufrieden sind, zur “falschen Zeit am falschen Ort sind”, sich nicht abgrenzen können – und das führt zu extremem Stress. “Burnout”, früher als Nervenzusammenbruch bezeichnet, resultiert demnach aus der Verzweiflung, nicht selbst über das eigene Leben zu bestimmen – und dieser Kontrollverlust gilt auch für andere Traumatisierungen.

Deutlich wird, dass die Überforderung aus Sinnlosigkeit und nicht aus Arbeit selbst entsteht, bei zwei Hauptgruppen von Betroffenen – Erwerbslosen und Lehrkräften. Erwerbslose, also Menschen, die keinen Lohn für Arbeit bekommen, “arbeiten” im offiziellen Sinn nicht; demnach kann Überarbeitung kein Grund für ihren “Burnout” sein. Stattdessen sehen sie sich aber Drangsalierungen der Jobcenter ausgesetzt, verlieren ihren sozialen Status, sind gewungen, sich auf irgendwelche Jobs zu bewerben, die ihnen weder liegen noch gefallen und verdienen vor allem kein eigenes Geld. Für alles müssen sie das Jobcenter fragen, so wie unmündige Kinder ihre Eltern.

Lehrkräfte an Schulen sind “burnout” ebenfalls häufig ausgesetzt. Eine Berliner Studie untersuchte Lehrkräfte, die unter extremem Stress leiden, allerdings genauer, und dabei stellte sich heraus, dass die Betroffenen überdurchschnittlich oft die Sicherheit durch den Beamtenstatus, die (vermeintlich) langen Ferien, und das, im Vergleich zur formalen Unterrichtszeit hohe Gehalt als Gründe für die Berufswahl ausgaben – und sich dann bei großen Schulklassen, verhaltensauffälligen Schulkindern, nervenden Eltern etc. überfordert fühlten.

Sie waren aus falschen Gründen in einen Beruf gegangen, für den sie nicht geeignet waren.

Gegenbeispiele sind Menschen, die einer Arbeit nachgehen, die sie wirklich wollen, die sie lieben, und die sie selbst bestimmen. Ein Schriftsteller, der jede freie Minute nutzt, um an seinem Roman zu arbeiten, bekommt vielleicht Probleme mit seiner Gattin, weil er den Haushalt vernachlässigt – einen Burnout wegen seiner Arbeit bekommt er aber nicht, auch wenn er jeden Tag 18 Stunden am Laptop sitzt. Im Gegenteil: Menschen, die etwas tun, was sie wirklich wollen, setzen ungeahnte Ressourcen frei; sie gleichen einem Beutegreifer auf der Jagd.

Mobbing am Arbeitsplatz, unfair verteilte Aufgaben, die Arbeit für andere ohne Kontrolle über das Produkt dieser Arbeit, die Abhängigkeit von Anderen, Ansprüche, die der Betroffene nicht erfüllen kann – all das kann im Burnout kulminieren.

Solcher Stress kannn zu physischen und psychischen Symptomen führen. Überarbeit bei gleichzeitiger intellektueller Unterforderung, Konflikte mit Kollegen, Zeitdruck bei gleichzeitiger Sinnlosigkeit – all das kennzeichnet einen Burnout. Betroffene leugnen die eigenen Bedürfnisse, oder sie werden ihnen verwehrt.

Deshalb können Verbesserungen des beruflichen Umfelds, des Arbeitsklimas und konkrete Unterstützung im Alltag die Folgen eines Zusammenbruchs lindern oder ihn sogar verhindern.

Burnout beinhaltet drei primäre Symptome: Erstens Emotionales Ausbrennen, zweitens Depersonalisierung -Zynismus, Arbeitsverweigerung, innere Lehre- und drittens eine extreme negative Sicht auf die eigenen Fähigkeiten und Erfolge.

Symptome zeigen sich aber auch körperlich: Der Mensch fühlt sich permanent erschöpft, leidet unter wiederkehrendem Kopfweh oder hat Magenschmerzen; er verliert den Apetit, und sein Blutdruck steigt.

Dazu tritt das Gefühl, zu versagen und Hilf– sowie Motivationslosigkeit. Nach außen hin entwickelt er eine zynische Lebenseinstellung, außerdem wirkt er verwirrt und unfähig, sich am Leben zu erfreuen.

Die Betroffenen isolieren sich häufig von ihrer Familie und ihren Bekannten und vernachlässigen Verantwortlichkeiten.

Bisweilen missbrauchen sie Alkohol und andere Drogen, um den Stress zu kontrollieren und richten ihre Frustrationen sogar auf anderen Menschen. Sie verschleppen Termine, sie schieben Entscheidungen auf, und sie ziehen sich zugleich zurück.

Chronische traumatische Enzephalopathie

Diese Gehirnkrankheit kennzeichnet eine weit gestreute Verbreitung des Tau-Proteins im Gehirn. Sie entsteht vermutlich durch ein Gehirntrauma, Schläge auf den Kopf und andere Erschütterungen des Schädels. Am häufigsten sind Spitzensportler betroffen, insbesondere Boxer, Rugby- und American Football Spieler.

Die Symptome entstehen Jahre oder sogar Jahrzehnte nach den Erschütterungen des Kopfes und beinhalten Änderungen im Denken, den Stimmungen und Verhalten. Auf Dauer führt die Enzephalopathie zur Demenz

Betroffene können Erfahrungen, Erinnerungen und Verhalten nicht mehr verknüpfen. Sie kämpfen mit Depressionen, Verwirrungen, sie verlieren die Motivation oder denken sogar an Selbstmord. Die Kranken verlieren auch die Kontrolle über ihre Impulse, und das führt zu gewalttätigem Verhalten und Substanzmissbrauch.

Post-Tramatische-Stress-Störung

PTSS entwickelt sich bei Menschen, die ein traumatisches Geschehen erlebten oder Zeuge davon wurden – Krieg, Naturkatastrophen oder jede andere Situation, die Gefühle von Hilflosigkeit und intensiver Angst auslöst.

Die meisten Menschen leiden mit der Zeit unter den Nachfolgen solcher Geschehnisse weniger, bei einigen Menschen werden die Symptome mit der Zeit aber immer schlimmer. Das kennzeichnet PTSS und betrifft auch die Familien der Opfer ebenso wie das Rettungspersonal.

Helfer in Krisen leiden oft an einem sekundären Trauma. Bild: Photographee.eu - fotolia
Helfer in Krisen leiden oft an einem sekundären Trauma. Bild: Photographee.eu – fotolia

Die meisten Menschen, die ein Trauma erlitten, zeigen Reaktionen wie Schock, Wut, Angst, und sogar Schuld. Diese Reaktionen sind verbreitet, verschwinden aber meist wieder. Bei einem von PTSS Betroffenen halten sie aber an und werden so stark, dass er kein normales Leben führen kann.

Der Betroffene Malcolm Mackenzie, ein ehemaliger Soldat einer britischen Spezialeinheit, sagt: “Bei einem Feuerwerk habe ich neben mein Bett gegriffen und meine Waffe gesucht, die natürlich nicht da war. Manchmal habe ich Atemnot und muss an die frische Luft, einfach so. Dann fährt ein Auto mit Jugendlichen auf mich zu und Bosnien ist wieder da. Ich habe Gräueltaten gegenüber Zivilisten gesehen, in Sierra Leone, Bosnien, in Ruanda. Einmal habe ich gesehen, wie sie einer brennenden Frau den Kopf zertraten.”

Diagnostische Kriterien für PTSS sind erstens extremer tramatischer Stress verbunden mit intensiver Angst, Horror oder desorganisertem Verhalten; zweitens ständiges Wiederholen des traumatischen Geschehens, zum Beispiel als Rollenspiel; drittens Vermeiden von allem, was an das Trauma erinnert, oder schlimmer noch, Situationen zu konstruieren, die an das Trauma erinnern könnten; viertens ständige physische Hyperreaktionen; fünftens halten diese Symptome für mehr als einen Monat an und verusachen klinisch erkennbare psychische Funktionsstörungen.

Wenn sie weniger als drei Monate anhält, gilt eine PTSS als akut, bei mehr als drei Monaten als chronisch und als verzögert, wenn sie sechs Monate oder später nach dem Trauma auftritt.

PTSS ist insbesondere charakterisiert durch drei Symptomkreise: Rückerfahrungen wie Flashback-Symptome; Vermeidungsverhalten und emotionales Verstummen, zum Beispiel in der Unfähigkeit, dass Trauma bewusst zurück zu rufen und zu verarbeiten; dazu kommen Nervosität, Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und Amnesie. (Somayeh Ranjbar)

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Quellen:

http://trauma-informed.ca/wp-content/uploads/2013/10/Trauma-informed_Toolkit.pdf

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http://www.capitalpunishmentuk.org/iranfem.html

Sexual torture of women political prisoners in the Islamic Republic of Iran

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https://www.apcointl.org/doc/conference-documents/personnel-human-factor/305-stress-signs-and-symptoms-of-emotional-burnout/file.html

http://www.nctsnet.org/nctsn_assets/pdfs/CWT3_SHO_STS.pdf

http://pnl.bwh.harvard.edu/education/what-is/chronic-traumatic-encephalopathy

https://childtrauma.org/wp-content/uploads/2013/11/PTSD_Caregivers.pdf

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