Johanniskraut – Wirkung und Anwendung

Fabian Peters

Johanniskraut in der Naturheilkunde

Johanniskraut, auch Hypericum perforatum genannt, wird bereits seit mehr als 2000 Jahren als Heilpflanze genutzt. Dieses Licht bringende Kraut mit den sonnengelben Blüten ist nicht nur äußerst hübsch anzusehen, sondern verfügt über ein großes Wirkungsspektrum. Angewandt wird Johanniskraut in Form von Tabletten, als Urtinktur, Tinktur, Salbe, Creme, als Öl, in Form von Fertigarzneien und auch als homöopathisches Mittel.

Eine Heilpflanze als Hexenkraut

Früher hatte Johanniskraut noch andere Namen, wie zum Beispiel Hexenkraut, Walpurgiskraut und Teufelsflucht. Als Kranz gebunden, auf dem Kopf getragen, tanzten Menschen damit um das Sonnwendfeuer und warfen die Kränze in die Glut, um sich vor Dämonen, Hexen oder bösem Zauber zu schützen. Auch glaubten die Menschen daran, dass das Kraut, aufgehängt an Fenstern, böse Geister vertreiben und im Stall die Tiere vor Verzauberung schützen könne.

Johanniskraut wird in der Naturheilkunde häufig zur Behandlung von Nervenverletzungen eingesetzt. (Bild: emer/fotolia.com)
Johanniskraut wird in der Naturheilkunde häufig zur Behandlung von Nervenverletzungen eingesetzt. (Bild: emer/fotolia.com)

Aussehen

Johanniskraut wächst an Wegrändern, an Dämmen in lichten Wäldern und Gebüschen. Die Pflanze wird zwischen 25 und 90 Zentimeter hoch. Die wunderschönen, leuchtend gelben Blüten verursachen eine blutrote Verfärbung, wenn sie verrieben werden. Deshalb wird das daraus gewonnene Johanniskrautöl auch oft als Rotöl bezeichnet. Das Wort Hypericum stammt aus dem Griechischen und setzt sich wahrscheinlich aus „hyper“ = über und „eikon“ = Bild zusammen. Dies könnte heißen, dass Johanniskraut die Seele des Menschen über seine schlimmen inneren Bilder, seine krankhaften Einbildungen, stellt.

Mehr zum Thema:

Arnika der Nerven

Heute glaubt niemand mehr an das „hexenhafte“ Hypericum – seine Heilwirkung, die absolut erwähnenswert ist, steht im Vordergrund. Johanniskraut wird gerne als „Arnika der Nerven“ bezeichnet und so auch als Notfall Homöopathikum eingesetzt. Bei einem Sturz auf die Wirbelsäule oder auf das Steißbein, bei Gehirnerschütterungen, in Verbindung mit einem Schock – bei allen Verletzungen der Nerven ist Hypericum das Mittel der Wahl. Als Notfallmittel aus der Homöopathie, wird dies meist in einer Hochpotenz verabreicht.

Inhaltsstoffe

Die Inhaltsstoffe von Johanniskraut sind unter anderem Hypericin, Pseudohypericin, Gerbstoffe und ätherisches Öl.

Wirkung innerlich

In der Naturheilkunde wird Johanniskraut bei leichten und mittelschweren Depressionen angewandt. Von einer Eigenmedikation ist unbedingt abzusehen. Ein Arzt oder Heilpraktiker muss entscheiden, welche Dosierung und ob überhaupt Hypericum zum Einsatz kommen darf. Höhere Dosen sind verschreibungspflichtig.

Die Inhaltsstoffe dieser Pflanze bewirken einen Anstieg der Neurotransmitter. Dazu kommt die photosensibilisierende Wirkung, die eine gesteigerte Lichtutilisation nach sich zieht. Jeder hat schon einmal von der sogenannten Winterdepression gehört, die sich vor allem aufgrund von Lichtmangel in den dunklen Tagen entwickelt. Hier kann Johanniskraut Hilfe bringen. Seine Wirkung ist durchaus mit dem einen oder anderen Antidepressivum gleichzusetzen. Hypericum wirkt Angst lösend, leicht sedierend und hilft bei nervöser Unruhe.

Leidet eine Frau unter einem prämenstruellem Syndrom, bei dem nicht nur körperliche Symptome, wie zum Beispiel Bauchschmerzen, Wassereinlagerungen und Brustspannen auftreten, sondern noch Beschwerden, wie depressive Verstimmung, Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen hinzukommen, kann Johanniskraut in vielen Fällen das Mittel der Wahl sein. Eine Reizblase und Bettnässen gehören ebenso zu den Einsatzgebieten.

In der Naturheilkunde ist Johanniskraut ein Erste-Hilfe-Mittel bei Migräne. Hier wird dies hochdosiert verabreicht, um einen drohenden Migräneanfall zu kupieren. Bei Wetterfühligkeit, CFS (chronic fatigue syndrome), Fibromyalgie, Spannungskopfschmerzen und Tinnitus (Ohrensausen) ist die Behandlung mit Hypericum ebenfalls einen Versuch wert. In der Volksheilkunde wurde das Kraut zudem bei Wurmbefall, Bronchitis, Husten und bei Gallenblasenbeschwerden verabreicht.

Anwendung als Öl

Als Öl, äußerlich angewandt, kommt Johanniskraut bei Traumen, Verletzungen, Muskelverspannungen und Wirbelsäulenbeschwerden zum Einsatz. Das Öl wirkt schmerzlindernd und antientzündlich. Johanniskrautöl hilft bei scharfen und stumpfen Verletzungen, bei Distorsionen (Verdrehung, Zerrung) und Kontusionen (Prellung) , Hämatomen (blauer Fleck) und bei Herpes zoster (Gürtelrose). Seine antientzündliche Komponente kann präventiv zur Vermeidung eines Dekubitus (Wundliegen) und eines Ulcus cruris („offenes Bein“) gute Dienste leisten. Das Öl wirkt bei Verbrennungen ersten Grades und bei Sonnenbrand. Bei Letzterem ist aufgrund der photosensibilisierenden Wirkung unbedingt von einer präventiven Anwendung abzusehen. Dasselbe gilt auch für die Anwendung im Zusammenhang mit einer Strahlentherapie: Vorher nicht (hier ist das Calendulaöl zu empfehlen), aber hinterher zeigt Johanniskrautöl seine heilenden Eigenschaften.

Das Öl wird gerne von Hebammen den Schwangeren als Dammpflege empfohlen, um diesen Bereich vor der Geburt geschmeidig und dehnbar zu machen. Zudem helfen Auflagen mit getränkten Mullkompressen bei kleineren Wunden. Hierbei ist zu erwähnen, dass das enthaltene Hyperforin sogar multiresistente Staphylokokken in Schach halten kann.

Johanniskrautöl kann auch innerlich zum Einsatz kommen. Hier ist natürlich unbedingt auf Qualität zu achten. Heilpraktiker empfehlen den Einsatz zum Beispiel bei Gastritiden (Magenschleimhautentzündungen) und Reizmagen. Das Öl kleidet den Magen von innen aus, schützt ihn und heilt. Bei einer Proktitis (Entzündung der Mastdarmwand) werden sogar Einläufe mit Johanniskrautöl durchgeführt. Bei Wirbelsäulenbeschwerden bringt das Einreiben mit dem Rotöl Erleichterung. So wird bei der sogenannten Breuss-Massage, einer Massageform, die vor allem in der Naturheilpraxis angewandt wird, ausschließlich das rote Öl verwendet. Seine durchwärmenden und schmerzlindernden Substanzen unterstützen die Massage. Für die Narbenpflege ist das Öl ebenso geeignet.

Anwendung in der Homöopathie

In der Homöopathie ist Hypericum das große Mittel bei Nervenverletzungen, vor allem von Fingern, Zehen und Nägeln. Gerade wenn Fingerspitzen zum Beispiel in der Autotür gequetscht werden, ist Johanniskraut das Mittel der Wahl. Auch findet dies Anwendung bei Schmerzen nach Operationen. Stürze auf das Steißbein werden mit diesem homöopathischen Mittel ebenfalls behandelt. Weitere Einsatzbereiche in homöopathischer Form sind Übelkeit, Hämorrhoiden, Druckgefühle über dem Kreuz, Kribbeln in Händen und Füßen, Nervenentzündungen mit brennenden Schmerzen und Vieles mehr.

Nebenwirkungen

Da Johanniskraut vor allem bei hellhäutigen Personen die Lichtempfindlichkeit steigert, ist von einer Sonnenbestrahlung in Verbindung mit der Einnahme oder der äußerlichen Applikation unbedingt abzusehen. Seltene Nebenwirkungen sind Hautausschlag, Juckreiz, Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, Müdigkeit und Unruhe.

Kontraindikationen, Wechselwirkungen

Wie bereits erwähnt sollten lichtempfindliche Personen vor allem in Sommermonaten von dem Gebrauch absehen oder, wenn trotzdem nötig, für ausreichenden Sonnenschutz sorgen. Darüber hinaus wird die Wirkung einiger Medikamente durch Johanniskraut beeinträchtigt. Dazu gehören zum Beispiel die Anti-Baby-Pille, einige Antikoagulanzien, Psychopharmaka, Proteaseinhibitoren ( zum Beispiel Indinavir), Cholesterinsenker, manche Herz- und Asthmamittel, Blutdrucksenker und Beruhigungsmittel.

Kinder unter zwölf Jahren, Schwangere und Stillende sollten Johanniskraut grundsätzlich nicht einnehmen.

Schlusswort

Zusammenfassend ist zu sagen, dass das Johanniskraut allein schon durch sein Äußeres besticht. Beim Anblick wird vor allem die Wirkung auf das Nervenkostüm klar. Diese warme Farbe, die uns mit Licht versorgt, schenkt im übertragenen Sinne dem Mensch auch innerlich wieder Licht und Freude. (sw)