Ärzte verschreiben sehr häufig Arzneien mit unklarem Thromboserisiko

Alfred Domke
Verhütungsmittel: Mehr Pillen mit unbekanntem Thromboserisiko verordnet
Über die Hälfte der jungen Frauen in Deutschland setzen bei der Verhütung auf die Anti-Baby-Pille. Die Einnahme des Medikaments birgt aber mitunter ein Gesundheitsrisiko. Einer aktuellen Auswertung zufolge verordnen Ärzte mehr der Verhütungsmittel, bei denen das Thromboserisiko nicht genau geklärt ist.

Über die Hälfte der jungen Frauen verhütet mit der Pille
Es ist zwar bekannt, dass Anti-Baby-Pillen oft ernste Nebenwirkungen haben können und dass auch hormonfreie Alternativen zum Verhüten zur Verfügung stehen. Dennoch verwenden „über die Hälfte der jungen Frauen (53%) in Deutschland zwischen 14 und 19 Jahren orale kombinierte Kontrazeptiva als Verhütungsmittel“, berichtet das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). „Auch bei Frauen ab 18 bis 49 Jahren sind orale Kontrazeptiva die häufigste Verhütungsmethode.“ Laut dem Institut werden noch immer viele Pillen verschrieben, deren Thromboserisiko nicht genau geklärt ist.

Mehr als jede zweite junge Frau in Deutschland verhütet mit der Pille. Eine aktuelle Auswertung zeigt nun, dass Ärzte oft Verhütungsmittel verschreiben, bei denen das Thromboserisiko nicht eindeutig geklärt ist. (Bild: Wolfilser/fotolia.com)

Thrombose-Risiko durch moderne Anti-Baby-Pillen
In den vergangenen Jahren haben Gesundheitsexperten immer wieder auf ein hohes Thromboserisiko durch moderne Anti-Baby-Pillen hingewiesen.

Bei einer Thrombose bildet sich in einem Blutgefäß ein Blutgerinnsel (Thrombus) – meist in tiefen Bein- oder Beckenvenen. Dieses Blutgerinnsel verengt oder verstopft das Gefäß, was zu schweren Folgeschäden führen kann.

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Lösen sich zum Beispiel Teile des Blutgerinnsels und gelangen in die Lunge, kann dies eine Lungenembolie verursachen.

Eine unentdeckte Thrombose wird schnell zur Lebensgefahr. Jedes Jahr sterben allein in Deutschland schätzungsweise 100.000 Menschen infolge von Venen-Thrombosen.

Was haben die Maßnahmen gebracht?
In den vergangenen Jahren wurden hierzulande verschiedene Maßnahmen ergriffen, um über das Thromboserisiko durch Verhütungsmittel aufzuklären und dieses zu minimieren.

So wurden Rote-Hand-Brief an alle gynäkologischen und hausärztlichen Praxen zusammen mit einer Informationskarte für die Patientinnen und einer Checkliste für die Verschreibung verschickt.

Zudem hat das BfArM auf seiner Website ausführliche Informationen über das Ergebnis des Risikobewertungsverfahrens und die sich daraus ergebenden Maßnahmen veröffentlicht.

Insbesondere jungen Frauen und Erstanwenderinnen wird seitens des BfArM empfohlen, kombinierte hormonelle Kontrazeptiva (KHK) mit dem geringsten Thromboserisiko anzuwenden.

Nun hat das Institut in einer Studie untersuchen lassen, was die Maßnahmen gebracht haben und ob Ärzte sicherere Präparate verschreiben. Betrachtet wurde das Verordnungsverhalten vor, während und nach dem Risikobewertungsverfahren.

Weniger Medikamente mit hohem Risiko verordnet
Wie das BfArM im aktuellen „Bulletin zur Arzneimittelsicherheit“ berichtet, sind die Verordnungen bei den Kontrazeptiva, die bekanntermaßen das höchste Thromboembolierisiko aufweisen, bei jungen Frauen zwischen zehn und 19 Jahren weniger geworden.

In dieser Altersgruppe wurde ein Rückgang um 53 Prozent verzeichnet. Vorher machten diese Präparate 26 Prozent Gesamtverordnungen aus, später nur noch 12 Prozent.

Als Datenquellen für die Studie dienten Daten über weibliche GKV-Versicherte vom zehnten bis zum vollendeten 20. Lebensjahr.

Nur für diese Altersgruppe liegen Daten der Krankenkassen vor, da Kontrazeptiva nach der Vollendung des 20. Lebensjahrs durch die GKV nicht mehr erstattungsfähig sind.

„Die Population junger Frauen ist von besonderem Interesse, da gerade die jungen Frauen am häufigsten KHK zur Kontrazeption anwenden. Zugleich sind diese Frauen häufig Erstanwenderinnen“, heißt es im aktuellen Bulletin.

Und: „Besonders bei zumeist gesunden, jungen Frauen wird das Risiko einer Thrombose leicht verkannt, eine Diagnose möglicherweise zu spät gestellt.“

Häufiger Präparate mit unbekanntem Risiko verschrieben
Es zeigte sich auch, dass die Ärzte im gleichen Zeitraum deutlich häufiger Verhütungsmittel der geringsten Risikoklasse sowie Präparate mit unbekanntem Risiko verschrieben.

Den Angaben zufolge stieg der Anteil der Pillen mit undefiniertem Risiko von 39,5 Prozent vor der Neubewertung auf zuletzt mehr als 50 Prozent.

Überraschend war, dass auch die Verordnungen für die Pillen mit noch nicht genau bekanntem Risiko deutlich anstiegen. Solange hier noch keine weiteren Daten zur eindeutigen Klassifizierung des Thromboserisikos vorliegen, will das BfArM keine Empfehlung aussprechen. (ad)