Anfällig für Krankheiten durch Altenheim-Essen

Fabian Peters

Essen in Altenheimen begünstigt Entzündungskrankheiten

17.07.2012

Die Darmflora von Altenheimbewohnern ist durch die in Altenheimen angebotene Ernährung oftmals derart geschwächt, dass sich hieraus erhöhte Gesundheitsrisiken ergeben, so das Ergebnis einer aktuellen Studie. Die Bakterien der Darmflora stehen laut Aussage der irischen Forscher vom University College Cork im Zusammenhang mit der Gesundheit im Alter und lassen sich durch eine abwechslungsreiche gesunde Ernährung beeinflussen.

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„Veränderungen der Darmflora Zusammensetzung sind mit mehreren chronischen Krankheiten, wie Adipositas und entzündlichen Erkrankungen assoziiert“, schreiben die irischen Forscher um Dr. Paul O´Toole vom Institut für Mikrobiologie am University College Cork in dem Fachmagazin „Nature“. Die Wissenschaftler hatten im Rahmen ihrer Studie die Darmbakterien von 178 erwachsenen Probanden mit deren Wohnsitz in der Gemeinde, ihren Aufenthalten in Tageskliniken, Rehabilitationseinrichtungen und langfristigen Heimunterbringungen verglichen. Dabei stellten sie fest, dass „die individuelle Mikroflora bei Menschen, die sich in einem längerfristigen Pflegeaufenthalt befanden, deutlich weniger vielfältig war“, als bei den übrigen Probanden.

Abwechslungsreiche Ernährung fördert die Vielfalt der Darmbakterien
Die Forscher vermuten, dass ungünstige einseitige Ernährung in den Pflege- und Altenheimen zu potenziell gesundheitsgefährdenden Veränderungen der Darmflora führt. Im Rahmen ihrer Studie stellten Paul O´Toole und Kollegen fest, dass ältere Menschen bei abwechslungsreicher Ernährung eine höhere Vielfalt der Bakterien in ihrem Darm aufweisen, was sie vermutlich resistenter gegen Krankheiten macht. Auch neigen die älteren Probanden mit hoher Bakterienvielfalt in ihrem Darm laut Aussage der Forscher seltener zu Übergewicht und Entzündungen als Gleichaltrige, die aufgrund ihrer einseitigen Ernährung über eine weniger vielfältige Darmflora verfügen.

Einseitige Ernährung der Altenheimbewohner
Im Rahmen ihrer Studie hatten die irischen Forscher 178 Probanden im Alter zwischen 64 und 102 Jahren untersucht (Durchschnittsalter 78 Jahre) und nach deren Ernährungsgewohnheiten befragt. Die Bakterien der Darmflora ermittelten sie anhand von Stuhlproben der Studienteilnehmer. Die Probanden wurden nach ihrem Wohnort kategorisiert, wobei zwischen Bewohnern von Altenheimen, Rehabilitationseinrichtungen, Tageskliniken und den zu Hause wohnenden Probanden unterschieden wurde. Bei der Befragung zu den Ernährungsgewohnheiten stellte sich heraus, dass die zu Hause lebenden Studienteilnehmer sich abwechslungsreicher ernährten, als die Bewohner der medizinischen Einrichtungen. Bei ihnen stand häufiger Brot, Obst und Gemüse mit höherem Ballaststoff-Gehalt auf dem Speiseplan, während in den Altenheimen eine eher fett- und zuckerreiche Ernährung mit relativ viel Fleisch serviert wurde.

Bis zu 5.000 unterschiedliche Bakterienarten identifiziert
Der höhere Ballaststoff-Gehalt hat auf die Darmflora der zu Hause wohnenden Studienteilnehmer offenbar eine äußerst förderliche Wirkung. Generell wird den Ballaststoffen ein positiver Effekt auf die Verdauung nachgesagt, dennoch waren die festgestellten Unterschiede in der Bakterienvielfalt der Darmflora bei der irischen Studie verblüffend. Die Forscher um Paul O´Toole hatten die Stuhlproben der Probanden auf Reste des Erbgutes einzelner Bakterien untersucht und so teilweise bis zu 5.000 unterschiedliche Bakterientypen identifiziert. Sie stellten fest, dass die zu Hause wohnenden Studienteilnehmer eine weit größerer Anzahl unterschiedlicher Bakterien in ihrem Darm aufwiesen, als die übrigen Studiengruppen. Zwar sei schon länger bekannt, dass die Ernährung in einigen medizinischen Einrichtungen nicht optimal ausfällt, dass diese sich derart gravierend auf die Darmflora auswirkt, hatten die Forscher jedoch nicht erwartet.

Vielfalt der Darmflora steht im Zusammenhang mit entzündlichen Erkrankungen
Hinzu kommt, dass eine deutliche Korrelation zwischen der Bakterienvielfalt der Darmflora und der Anfälligkeit für entzündliche Erkrankungen festgestellt wurde. Die ebenfalls im Rahmen der Studie erfassten Entzündungswerte im Blut seien bei den Altenheimbewohnern signifikant erhöht gewesen, berichtet O´Toole. Auch habe die allgemeine Gebrechlichkeit mit abnehmender Bakterienvielfalt im Darm zugenommen. Vermutlich werde die Nahrung bei vielfältiger Darmflora besser in ihre Bestandteile aufgespalten, wodurch die Aufnahme der einzelnen Nährstoffe leichter falle. Dr. Ian Jeffery vom Institut für Mikrobiologie am University College Cork erklärte, eine vielfältige Darmflora bedeute, „dass es viele verschiedene Bakterienarten gibt, die wahrscheinlich entsprechend viele Funktionen übernehmen“, wodurch die Nahrung effizienter aufgespalten werden kann. Professor Fergus Shanahan rgänzte, dass auf diese Weise auch der Gebrechlichkeit älterer Menschen entgegengewirkt werde. Denn diese seien häufig gebrechlich, weil ihre Muskeln und die Muskelspannung schwinden, was unter Umständen durch eine verbesserte Eiweiß- und Kalziumaufnahme aus der Nahrung verhindert werden kann.

Altersgesundheit durch Ernährung zum Aufbau der Darmflora verbessern
Insgesamt legen „unsere Ergebnisse nahe, dass wir die Gesundheit älterer Menschen verbessern können, wenn wir ihre Ernährung umstellen und damit ihre Darmflora verändern“, berichtete Studienleiter Dr. Paul O´Toole auf der Europäischen Wissenschaftskonferenz in Dublin. In der Naturheilkunde ist diese Prinzip nicht nur bei älteren Menschen bekannt, sonder auch bei Erkrankungen junger Patienten werden unter Umständen Maßnahmen zum Darmflora aufbauen empfohlen. Diese sollen das Immunsystem stärken und den Betroffenen einerseits helfen, wieder auf die Beine zu kommen und anderseits eine vorbeugende Wirkung entfalten. Die irischen Forscher haben mit ihrer Studie diesen Ansatz zwar indirekt bekräftigt, doch schränkten O´Toole und Kollegen in ihrem Artikel „Darmflora Zusammensetzung korreliert mit Ernährung und Gesundheit bei älteren Menschen“ ein, dass ihre Schlussfolgerungen bisher lediglich auf Indizien beruhen. Um exakte Aussagen treffen zu können, müsste die genau Wirkung der einzelnen Bakterienarten ermittelt werden, was auf Basis des bisherigen Forschungsstandes jedoch schier unmöglich scheint. (fp)