Auf Öl und Creme bei der Baby-Pflege lieber verzichten

Fabian Peters
Gesunde Baby-Haut benötigt keine Pflege-Zusätze
Öl, Creme, Puder oder doch lieber nur warmes Wasser? Viele Eltern sind unsicher, wenn es um die Pflege ihres Babys geht, sei es beim Baden oder der Versorgung eines wunden Windel-Pos. Gegen gelegentliches Eincremen ist aus Sicht vieler Fachleute normalerweise nichts einzuwenden. Doch zu viel des Guten kann der Haut des Kindes sogar schaden. Experten geben im Gespräch mit der Nachrichtenagentur „dpa“ Tipps, worauf Eltern bei der Körperpflege ihres Babys achten sollten.

Unsicherheit bei Körperpflege
„Ist das Badewasser zu heiß?“, „Kann ich den Schaum schon für mein 3-Monate altes Baby nutzen?“ „Und womit behandele ich am besten den wunden Po?“ Fragen wie diese stellen sich viele frischgebackene Eltern, wenn es um die Körperpflege ihres Nachwuchses geht. Auch Nina Kruse erlebte diese Unsicherheit nach der Geburt ihres ersten Kindes vor fünf Monaten. Denn während sie bei Grundlegendem wie Stillen oder Windelwechseln Hilfe von den Schwestern im Krankenhaus erhalten hatte, kannte sie sich mit der Pflege eines Babys bis dahin kaum aus, berichtet die Mutter gegenüber der „dpa“. Daher hätten sie und ihr Mann sich in der ersten Zeit vor allem an den Tipps der Hebamme orientiert.

Babyhaut reagiert sehr empfindlich auf übermäßige Pflege. (Bild: petunyia/fotolia.com)
Babyhaut reagiert sehr empfindlich auf übermäßige Pflege. (Bild: petunyia/fotolia.com)

Klares Wasser statt Wasch- oder Duschgel
Diese riet den Eltern von Wasch- oder Duschgels ab und empfahl stattdessen, nur klares Wasser zu verwenden. Dieser Meinung ist auch Prof. Peter Höger, Chefarzt der Abteilungen Pädiatrie und Pädiatrische Dermatologie/Allergologie am Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Hamburg. Seiner Empfehlung nach sollte ein Säugling etwa zweimal pro Woche in klarem Wasser gebadet werden – welches bei häufigerem Baden aber auch mit etwas Baby-Badeöl angereichert werden könne. Doch hier sollte genau überlegt werden: „Manche Eltern versuchen zum Beispiel Olivenöl ins Badewasser zu geben – aber das bringt gar nichts.“ Denn die Fettmoleküle können sich nicht mit dem Wasser mischen, wodurch das Öl keinerlei Wirkung hat.

Auf Cremes und Öle kann gut verzichtet werden
Auch auf Cremes könne dem Experten nach verzichtet werden, denn „die Haut gesunder und reifer Babys muss nicht eingecremt werden“. Wer doch cremen möchte, sollte laut der Hebamme jedoch genau hinschauen, denn auch rein pflanzliche Produkte wie z.B. Ringelblumen-Salbe (Calendula) könnten auf der Haut des Kindes allergische Reaktionen auslösen.

Viele Eltern würden auch gerne Öl für die Pflege und Massage ihres Kindes nutzen – doch auch dieses sei nicht unbedingt nötig. Zudem sollten Eltern bei der Auswahl des Produkts vorsichtig sein und z.B. kein normales Olivenöl nutzen. Denn aus diesem könnten sich leicht Oxidationsprodukte bilden, durch welche die Haut wiederum gereizt werden kann, warnt der Experte.

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Kopfgneis beim Säugling mit Jojobaöl behandeln
„Standards gibt es bei der Hautpflege von Säuglingen und Kleinkindern nicht“, sagt Prof. Peter Höger. Doch auch für die Haarwäsche bei Babys sei dem Experten nach normalerweise klares Wasser ausreichend. Um einen so genannten „Kopfgneis“ zu behandeln, eigne sich am besten ein spezielles Mittel mit Jojobaöl und Gelen, so der Tipp. Bei dem Kopfgneis handelt es sich um eine vorübergehende Hautveränderung bei Babys, die normalerweise keinerlei Beschwerden wie Juckreiz oder Brennen verursacht.
Kennzeichnend sind stattdessen fettige, fest haftende, krustige Schuppen auf der Kopfhaut, die anfangs meist milchig-gelb, später dann eher bräunlich gefärbt sind. Häufig würden die ungefährlichen Schuppen dadurch entstehen, dass sich auf der Kopfhaut des Babys mehr Talgdrüsen als bei Erwachsenen befinden, erklärt Prof. Höger weiter. „Außerdem werden die Talgdrüsen durch mütterliche Hormone in der Schwangerschaft und Stillzeit stimuliert“.

Windelbereich muss täglich gesäubert werden
Unsicherheit besteht häufig auch bei Pflege des Pos, welcher durch die Windel bei vielen Babys schnell wund wird. „Solange Kinder noch eine Windel tragen, stehen Reinigung und Hautpflege in der Windelregion im Vordergrund“, erläutert Heike Behrbohm von der Deutschen Haut- und Allergiehilfe (DAH) gegenüber der Nachrichtenagentur. Dementsprechend müsse der Windelbereich jeden Tag gesäubert werden – wofür sich gerade bei ganz kleinen Babys z.B. feuchte Wattepads gut eignen.
Auch wenn wunde, rote Stellen im Windelbereich sehr häufig vorkommen, sollten Eltern die Hautirritationen ernst nehmen. Denn diese können sich schnell zu einem großflächigen, entzündlichen Ausschlag entwickeln, welcher in der Fachsprache als Windeldermatitis bezeichnet wird. Bleibt die Haut des Kindes über mehrere Tage hinweg gereizt und/oder blutet, sollte daher der Kinderarzt aufgesucht werden. Dieser kann die genaue Ursache der Beschwerden feststellen und zudem die Windeldermatitis von einer Allergie oder Schuppenflechte abgrenzen.

Schuppung der Haut durch Umstellung auf die trockene Luft
Generell ist es weitgehend normal, dass die Haut des Säuglings in den ersten Wochen häufig Rötungen und schuppige Stellen aufweist. Denn die natürliche „Schutzhülle“ muss sich erst einmal daran gewöhnen, plötzlich nicht mehr von Fruchtwasser, sondern stattdessen von relativ trockener Luft umgeben zu sein. Daher beginnt bei vielen Kindern einige Tage nach der Geburt eine auffällige Schuppung: „Das ist normal und dauert etwa vier bis sechs Wochen“, sagt Höger.

Um die gereizte Haut ihrer Tochter zu pflegen, verwendete Nina Kruse auf Empfehlung ihrer Hebamme ein in Muttermilch getränktes Wattepad, welches sie auf die betroffenen Stellen legte. Die empfindliche Gesichtshaut des Kindes creme sie zudem meistens nach dem Baden ein, weil sie dann besonders trocken sei. Mittlerweile brauche sie die Tipps ihrer Hebamme allerdings nicht mehr, sondern vertraue stattdessen ihrer Intuition, so Kruse. (nr)