Windeldermatitis, Windelausschlag und wunder Po

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Windeldermatitis: Ein wunder Po bei Säuglingen und Kleinkindern

Bei Babys und kleinen Kindern kommt es nicht selten im Windelbereich zu entzündlichen Hauterkrankungen, die als Windeldermatitis oder Windelausschlag bezeichnet werden. Der durch das Windeltragen erzeugte Wärme- und Feuchtigkeitsstau und der dauerhafte Hautkontakt mit Urin und Stuhl kann zu unterschiedlichen Ausprägungen eines wunden, schmerzenden Gesäßes führen. Gezielte Veränderungen in den Pflegemaßnahmen und der Ernährungsweise, sowie sanfte Anwendungen aus der Naturheilkunde, können eine einfache und schnelle Abhilfe schaffen.


In Kürze: Wunder Po bei Babys – was hilft?

  • Ein häufiges und bedarfsgerechtes Windelwechseln, ein lockeres Anlegen der Windeln und Zeiten ganz ohne Windel helfen, die Reizungen an der Babyhaut möglichst gering zu halten und ermöglichen eine ausreichende Belüftung der Haut.
  • Eine gründliche, aber sanfte Reinigung und Pflege hilft bei der Linderung von Beschwerden und beim Heilungsprozess. Dabei sollten nur klares Wasser und eventuell bestimmte Öle zur Anwendung kommen. Die Haut ist nach der Reinigung gründlich zu trocknen.
  • Die Verwendung von Stoffwindeln oder ein Wechsel der Marke verwendeter Einwegwindeln kann Symptome einer Windeldermatitis abklingen lassen.
  • Bei stärkeren Ausprägungen können entzündungshemmende und feuchtigkeitsabsorbierende Salben und Pasten die Beschwerden lindern. Häufig werden Salben mit einem Zusatz von Dexpanthenol, Zink oder Lebertran verordnet.
  • Klingen die Symptome nicht innerhalb weniger Tage ab oder handelt es sich um eine starke Dermatitis, der gegebenenfalls eine Infektion zu Grunde liegt, ist ein Arztbesuch angeraten. Eine genaue Diagnose hilft die weitere Therapie zu bestimmen. Eventuell werden antimykotische oder antibakterielle Mittel notwendig.
  • Zur Anwendung spezieller Hausmittel und naturheilkundlicher Verfahren sollten erfahrene Heilpraktiker oder andere Fachexperten konsultiert werden.
Ein roter und nicht scharf abgegrenzter Hautausschlag in der Windelregion ist das typische Anzeichen einer Windeldermatitis. (Bild: lavizzara/fotolia.com)

Definition

Als Dermatitis wird prinzipiell eine entzündliche Reaktion der Haut bezeichnet. Die Begriffe Windeldermatitis und Windelausschlag leiten sich von der erkrankten Körperregion ab. Es kommt bei dieser Kinderkrankheit zu unterschiedlichen Hautreizungen und -entzündungen in der Windelregion. Oft spricht man auch von einem Wundsein oder einem wunden Po. Säuglinge und Babys im ersten Lebensjahr sind besonders häufig davon betroffen.

Die Windeldermatitis zählt zu den häufigsten Erkrankungen im Säuglings- und Kleinkindalter. Bis zu ein Drittel aller Kinder, die gewickelt werden, erleiden einmal oder sogar mehrmals einen juckenden Hautausschlag in der Windelregion. Insbesondere sind Babys zwischen dem neunten und zwölften Monat davon betroffen. Etwa sechs Prozent der Kinder entwickeln eine schwere Dermatitis, die mit Sekundärinfektionen durch Hefepilze oder Bakterien einhergehen kann. Aber auch Erwachsene können betroffen sein. Schützende Einlagen und abdichtende Hosen, die bei einer vorliegenden Inkontinenz verwendet werden müssen, können den gleichen Effekt wie das Tragen einer Windel herbeiführen.

Krankheitsbilder eines Windelausschlags reichen von leichten Ausprägungen bis hin zu schweren Formen mit Sekundärinfektionen und Ulzera. (Bild: autodesk13/fotolia.com, eigene Bearbeitung heilpraxis.de)

Bei der Windeldermatitis unterscheidet man zwischen verschiedenen Ausprägungen. Das Spektrum reicht von eher leichten Hautreizungen, über starke Ausschläge, bis hin zu komplizierten Fällen mit sekundären Infektionen durch Pilze (Windelsoor) oder Bakterien und auftretende Ulzera.

Symptome

Die Anzeichen für eine Windeldermatitis treten im Windelbereich (Genitalbereich, Analbereich) auf. Dabei sind die, mit einer Windel im direkten Kontakt befindlichen, Hautstellen von Gesäß, Geschlechtsorganen, Leiste und Oberschenkel betroffen. Die Hautfalten in diesem Bereich bleiben typischerweise symptomfrei. Der Ausschlag kann sich außerdem auch auf angrenzende Hautareale ausbreiten.

Das erste Anzeichen ist eine unscharf begrenzte Rötung im Windelbreich, der sogenannte „wunde Po“. Außerdem können sich, vorwiegend im Randbereich der geröteten, gereizten und entzündeten Hautstellen, Bläschen, Knötchen oder Pusteln ausbilden.

Die Beschwerden werden häufig von Jucken, Brennen und Schmerzen begleitet. Babys und kleine Kinder fühlen sich dann oft Unwohl und zeigen sich unruhig, empfindlich und weinerlich. Insbesondere der Stuhl- und der Harnabgang bereiten brennende Schmerzen. Aber auch Berührungen oder Bewegungen, und eine damit erzeugte Reibung zwischen Haut und Windel, können als sehr unangenehm empfunden werden und zusätzliche Hautreizungen verursachen. Manche Kinder schlafen und essen schlecht in Folge des Unwohlseins.

In schwereren Fällen, und meistens durch nachrangige Infektionen durch Pilze oder Bakterien, verstärken sich die Symptome. Die Rötungen können dann auch scharf begrenzt in Erscheinung treten und unter Umständen werden Schwellungen sichtbar. Platzen vorhandene Bläschen und kommt es dadurch zu einem Nässen der betreffenden Hautpartien, können damit auch Verluste von Haut und Gewebe (Erosionen und Schuppungen) einhergehen. Nicht selten bilden sich dann auch offene, blutende Wunden und es kommt zu Verschorfungen. Auch Hautfalten können nun betroffen sein und es besteht die Möglichkeit, dass vor allem im Randbereich Ulzera entstehen. Selten kommt es zu Fieber oder aber Beschwerden an entfernteren Körperregionen, beziehungsweise zu einem Befall des gesamten Körpers.

Die Dermatitis unter einer Windel kann sich auch auf angrenzende Hautareale ausbreiten.(Bild: Ocskay Mark/fotolia.com)

Ursachen

Als Hauptursachen für das Entstehen eines Windelausschlags gelten der Wärme- und Feuchtigkeitsstau unter einer Windel, sowie der längere und wiederholte Kontakt von Urin und Stuhl mit der empfindlichen Babyhaut. Insbesondere wirkt sich auch Durchfall (Diarrhoe), durch eine Aktivierung bestimmter Enzyme, schädigend auf die Haut aus.

Unter der luft- und wasserdichten Beschaffenheit einer Windel bilden sich schnell Feuchtigkeit und Wärme. Als Folge weicht die oberste Hautschicht auf und die natürliche Schutzfunktion wird beeinträchtigt. Die Reizung der Haut wird vor allem durch Ammoniak verursacht. Dieser entsteht, wenn Bakterien (aus dem Stuhl) Ammoniak aus dem Harnstoff im Urin abspalten. Die Folge ist eine Erhöhung des pH-Werts, wodurch die Haut ausgelaugt wird, ähnlich wie es bei zu häufigem Waschen mit Seife der Fall ist. Dies, und das feucht-warme Milieu, begünstigen eine Besiedlung und Vermehrung von Krankheitserregern auf der Haut. Bei den Pilzinfektionen handelt es sich zumeist um einen Befall von Hefepilzen (Candida albicans) und man spricht von einem sogenannten Windelsoor. Handelt es sich hingegen um Bakterien (seltener), kommen vorwiegend Staphylokokken oder Streptokokken in Frage. Generell kann die Keimbesiedelung sowohl Folge als auch Ursache sein, wobei vorherige Beschädigungen der Haut das Eindringen von Mikroorganismen und schädlichen Substanzen erleichtern. Auch ein schlechter allgemeiner Gesundheitszustand und verminderte Abwehrkräfte können Infektionen begünstigen.

Zudem erhöht eine mangelnde oder unsachgemäße Hygiene und Pflege das Risiko beträchtlich. Nicht selten ist dies der eigentliche Auslöser für eine Windeldermatitis. Es kann aber auch vorkommen, dass sich eine Dermatitis aufgrund von Unverträglichkeiten auf bestimmte Bestandteile von Windeln (Einwegwindeln) oder etwaige Inhaltsstoffe von Waschmitteln (Stoffwindeln) und Pflegeprodukten entwickelt. Auch zu enge Windeln können ein Scheuern an der Haut und schließlich einen Ausschlag hervorrufen.

Als ein weiterer Risikofaktor ist die Ernährung bekannt. Besonders säurehaltige und scharfe Nahrung, die Babys gefüttert wird, kann ein Wundsein als Reaktion hervorrufen. Dies kann sogar über die Nahrungsaufnahme von stillenden Müttern ausgelöst werden. In diesem Zusammenhang wird auch auf eine möglichst zuckerarme Ernährung hingewiesen.

Diagnose

Hautausschläge, auch im Windelbereich, sind ein häufiger Grund für das Aufsuchen einer kinderärztlichen Praxis. Eine genaue, äußerliche Betrachtung der betroffenen Hautstellen reicht zumeist aus, um die entsprechende Diagnose zu stellen. Da aber zum Beispiel allergische Reaktionen, Neurodermitis oder andere Infektionen ähnliche Hautekzeme und Symptome hervorrufen können, gilt es bei der Untersuchung auch andere Erkrankungen auszuschließen.

Eine unsachgemäße Pflege und herkömmliche Pflegeprodukte können die Ursache für eine Windeldermatitis sein. (Bild: nataliaderiabina/fotolia.com)

Liegt der Verdacht nahe, dass es sich um eine Windeldermatitis mit einem sekundären Befall durch Pilze oder Bakterien handelt, können die Erreger durch einen Abstrich und dessen Untersuchung im Labor bestimmt werden. Dies kann für die folgende Behandlungsform ein entscheidendes Diagnosekriterium sein. Bei Windelsoor ist es wichtig über Analysen des Stuhls auch den Darm mit zu untersuchen, da auch hier eine Pilzbesiedlung vorliegen kann, die einer Behandlung bedarf.

Behandlung

Häufig, und vor allem bei den leichteren Formen, reichen relativ einfache Hygiene- und Pflegemaßnahmen aus, um eine Windeldermatitis zu therapieren. Folgende Maßnahmen zeigen sowohl eine präventive als auch eine kurierende Wirksamkeit:

  • Windeln nach Bedarf wechseln, ratsam ist ein Abstand von drei bis vier Stunden beziehungsweise direkt nach der Entleerung des Darms oder der Blase,
  • Windeln möglichst locker anlegen,
  • längere Zeiten ohne das Tragen von Windeln ermöglichen,
  • die Haut im Windelbereich möglichst wenig waschen und auf Pflegeprodukte (zum Beispiel Feuchttücher oder Cremes) verzichten,
  • zur Säuberung warmes Wasser und saubere Tücher verwenden, gegebenenfalls auch sanfte Öle (Mandel, Olive),
  • nach der Reinigung die Haut gut trocknen,
  • scharfe, saure und zuckerreiche Nahrung vermeiden (Kinder sowie stillende Mütter).

Zudem kann eine Umstellung auf Stoffwindeln oder ein Wechsel der Windelmarke helfen, wenn eine allergische Reaktion vermutet wird. Bei stärkeren Ausprägungen können entzündungshemmende Wundsalben oder feuchtigkeitsabsorbierende Pasten oft ein schnelles Abheilen bewirken. Als wirksam haben sich Salben mit den Zusätzen Dexpanthenol, Zink oder Lebertran bewährt.

Wenn das Gesäß aufgrund einer Infektion wund ist, sollte eine auf den Erreger abgestimmte Therapie erfolgen. Gegen Pilze kommen dann antimykotische Mittel zu Einsatz und gegen Bakterien Antibiotika. Hierfür bedarf es aber immer einer ärztlichen Untersuchung und Verordnung. In seltenen Fällen kommt eine Behandlung mit Kortison in Betracht. Hier ist besondere Vorsicht geboten und die ärztlichen Anweisungen sollten unbedingt eingehalten werden.

Das sogenannte ABCDE-Prinzip fasst die wichtigsten Pflegemaßnahmen bei Windeldermatitis zusammen (Bild: heilpraxis.de)

In den meisten Fällen heilt eine Windeldermatitis innerhalb weniger Tage durch die beschriebenen Maßnahmen vollständig aus. Dauert die Erkrankung länger und tritt sie wiederholt auf, sind die intensiven Hygiene- und Pflegemaßnahmen unbedingt weiterzuführen und ein (erneuter) Arztbesuch ist angeraten.

Naturheilkundliche Behandlung

Viele der beschriebenen vorbeugenden und lindernden Maßnahmen kommen aus dem Bereich der Naturheilkunde und sind sogenannte Hausmittel. Naturheilkundler postulieren die Verwendung von Stoffwindeln als eine sehr sinnvolle Methode gegen die Ausschläge im Windelbereich. Zur Desinfektion kann beim Waschen ätherisches Öl als Zusatz verwendet werden.

Herkömmliche Reinigungslotionen, Waschgels und Cremes sollten dem naturheilkundlichen Konzept zur Folge nicht angewandt werden. Stattdessen werden Hygienemaßnahmen unter Verwendung von klarem Wasser und gegebenenfalls von kaltgepressten Ölen empfohlen. Auch ein Waschen, Bäder oder Salben mit Kamille oder Stiefmütterchenkraut können beruhigend auf eine entzündete Haut wirken. Im akuten Zustand kann hierbei zur Linderung der Beschwerden auch eine äußere Bachblütentherapie mit „Rescue Tropfen“ Anwendung finden. Eine Bachblütenmischung zur inneren Anwendung sollte nur unter fachkundiger Beratung erfolgen.

Des Weiteren können auch bestimmte Mittel der Homöopathie (Globuli) bei der Therapie unterstützend eingesetzt werden. Dies sollte in ärztlicher Abstimmung erfolgen.(jvs, cs; aktualisiert am 13.09.2018)

Lesen Sie wie die Naturheilkunde helfen kann:
Wunder Po bei Babys: Naturheilkunde kann helfen