Begünstigt Acetylsalicylsäure ASS Augenleiden?

Sebastian

Acetylsalicylsäure (ASS) könnte altersbedingten Makuladegeneration fördern

20.12.2012

Dass Medikamente nicht nur Vorteile sondern auch Risiken bergen, zeigt jetzt eine US-amerikanische Studie. Demnach könnte die regelmäßige Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) die Entstehung einer feuchten Form der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) begünstigen. Bereits Anfang des Jahres kam eine niederländische Studie zu einem ähnlichen Ergebnis.

Acetylsalicylsäure führt zu erhöhtem Risiko für AMD
Bei der feuchten oder neovaskulären altersbedingten Makuladegeneration (AMD) führt die Entstehung pathologischer Blutgefäße in der Makula zu einem raschen Verlust des Sehvermögens im Bereich des schärfsten Sehens. Die Augenerkrankung ist die häufigste Ursache für Erblindung im Alter.

Paulus de Jong vom Niederländischen Institut für Neurowissenschaften in Amsterdam stellte Anfang des Jahres im Rahmen einer Analyse der European Eye Study einen Zusammenhang zwischen der regelmäßigen Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) und dieser Erkrankung her. Für die Untersuchung wurden die Daten von 4.600 Senioren im Zeitraum von 2000 bis 2003 erhoben und ausgewertet. Wie sich herausstellte, litt jeder Dritte an der trockenen Form der AMD und etwa jeder 30. an der feuchten AMD. Letztere gaben doppelt so häufig als die anderen an ASS einzunehmen. De Jong kam nach Berücksichtigung von Geschlecht, Alter und anderen kardiovaskulären Risiken, die im Zusammenhang mit AMD stehen, zu dem Schluss, dass Patienten, die ASS einnehmen, doppelt so häufig erkranken wie andere Personen.

Auch Zweite Studie sieht Zusammen von Acetylsalicylsäure und Augenerkrankung
Barbara Klein von der Universität von Wisconsin und ihr Team untersuchte jetzt erneut den Zusammenhang zwischen dem Medikament und der Augenerkrankung. Im Rahmen der Beaver Dam Eye Study wurden 6.000 Einwohner einer Kleinstadt seit 1987 regelmäßig augenärztlich untersucht. Die Studienteilnehmer machten zudem Angaben über ihre Lebensgewohnheiten. Anschließend wurde eine Analyse der Daten von 4.926 Teilnehmern durchgeführt, die zu Beginn der Studie keine Anzeichen von AMD aufwiesen.

Wie sich zeigte erkrankten innerhalb der folgenden 14,8 Jahre 117 Personen an einer späten und 512 an einer frühen Form der AMS. Die US-amerikanischen Forscher kamen zu einem ähnlichen Ergebnis wie de Jong: Nur bei Patienten mit der späten AMD (Subtyp: feuchte AMD) konnte ein Zusammenhang mit der Einnahme von ASS assoziiert werden wie Klein und ihre Kollegen im „Journal of the American Medical Association“ berichten.

Acetylsalicylsäure ist nicht Ursache der Augenerkrankung
Experten zufolge ist die Beweiskraft der Dam Eye Study höher als die der European Eye Study, denn die Studienteilnehmer wurde über einen längeren Zeitraum prospektiv beobachtet. Die Analyse der European Eye Study basiere lediglich auf einer Querschnittsuntersuchung, heißt es im Deutschen Ärzteblatt. Doch auch die amerikanische Studie bleibe einen Beweis schuldig. So hätten die meisten Patienten ASS eingenommen, um einer Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems vorzubeugen. Es sei wahrscheinlich, dass es sich bei vielen um eine Sekundärprävention nach einem ersten Ereignis handele. Herz-Kreislauf-Erkrankungen seien jedoch ein Risikofaktoren für AMD. Somit könne ASS nicht die Ursache einer AMD sondern nur ein weiterer Marker für ein erhöhtes Risiko der Augenerkrankung darstellen.

Behandlungsmöglichkeiten der feuchten AMD
De feuchte Form der AMD führt zu einem raschen Sehverlust, da pathologischer Blutgefäße in die Makula sprießen. Augenärzte versuchen deshalb, die Gefäße mittels der Gabe von intravitrealer operativer Medikamente (IVOM) zurückzudrängen oder durch eine Laserbehandlung oder eine Fotodynamische Therapie zu veröden, um das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten. Verlorene Sehkraft kann nur in einigen Fällen teilweise oder vollständig wiederhergestellt werden. Dafür ist eine frühzeitige Therapie mit Injektionen von Hemmern des Gefäßwachstums (Anti-VEGFs, Anti-Vascular Endothelial Growth Factor) in den Glaskörper (IVOM) erforderlich. (sb)

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