Betablocker: Uraltes und billiges Medikament reduziert Ausmaß eines Herzinfarkts

Alfred Domke
Betablocker Metoprolol: Medikament von großem Vorteil bei Herzinfarkt
Pro Jahr erleiden rund 300.000 Menschen in Deutschland einen Herzinfarkt. Im Akutfall ist rasches Handeln nötig, um Leben zu retten und Folgeschäden zu vermeiden. Spanische Forscher haben nun herausgefunden, dass ein bestimmter Betablocker von großem Vorteil für Infarktpatienten sein kann. Das Medikament reduziert – wenn es frühzeitig verabreicht wird – die Größe eines Herzinfarkts.

Medikament kann Größe eines Herzinfarkts reduzieren
Betablocker sind Medikamente, die den Herzschlag verlangsamen und auf diese Weise auch den Blutdruck senken. Solche Arzneimittel werden daher hauptsächlich bei Bluthochdruck eingesetzt. Doch auch Herzerkrankungen wie Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz), Koronare Herzkrankheit (KHK) sowie Herzrhythmusstörungen werden teilweise damit behandelt. Und auch Personen, die einen Herzinfarkt hatten, bekommen solche Medikamente, um das Herz zu entlasten. Forscher aus Spanien haben nun herausgefunden, dass ein bestimmter Betablocker im Akutfall helfen kann, die Größe eines Infarkts zu reduzieren.

Forscher haben herausgefunden, dass ein bestimmter Betablocker von großem Vorteil für Infarktpatienten sein kann. Das Medikament Metoprolol reduziert – wenn es frühzeitig verabreicht wird – die Größe eines Herzinfarkts. (Bild: Kzenon/fotolia.com)

Betablocker hemmt entzündliche Wirkung von Neutrophilen
Wissenschaftler des Centro Nacional de Investigaciones Cardiovasculares Carlos III (CNIC) in Madrid haben einen neuen Wirkmechanismus von Metoprolol entdeckt, einem Medikament, das den bei einem Herzinfarkt entstandenen Schaden bei frühzeitiger Verabreichung reduzieren kann.

Das Team von Dr. Borja Ibáñez, klinischer Forschungsdirektor beim CNIC und Kardiologe am Krankenhaus Universitario Fundación Jiménez Díaz de Madrid (IIS-FJD), hat den Mechanismus identifiziert, der erklärt, warum dieses Medikament so vorteilhaft ist.

Wie es in einer Mitteilung des Forschungszentrums heißt, hemmt die schnelle Verabreichung von Metoprolol bei einem Herzinfarkt die entzündliche Wirkung von Neutrophilen.

Dies führt dazu, dass ein kleinerer Teil des Herzens beschädigt wird. Die Forscher haben ihre neuen Erkenntnisse im Fachmagazin „Nature Communications“ veröffentlicht. Die Entdeckung „öffnet den Weg zu neuen Anwendungen für dieses billige, sichere und einfache Medikament“, heißt es in der Mitteilung.

Dauerhafte Schäden nach Herzinfarkt
Neutrophile sind weiße Blutkörperchen, die nach einem Herzinfarkt eine Entzündung im betroffenen Gewebe auslösen und so für dauerhafte Schäden sorgen können.

„Bei einem Infarkt“ ist laut Dr. Ibáñez „das Wichtigste, den Blutfluss so schnell wie möglich wieder herzustellen.“ Doch bei diesem Prozess, der als Reperfusion bezeichnet wird, kann es zu weiteren dauerhaften Schäden des Herzens kommen, weil durch die Wiederdurchblutung vielen angeschlagenen, aber noch lebensfähigen Herzmuskelzellen der Todesstoß versetzt wird.

Solche zusätzlichen Schäden durch die Blutfluss-Wiederherstellung (auch als Reperfusionsschaden bekannt) wurde laut den Forschern als ein notwendiges Übel angesehen, weil es notwendig ist, die Koronararterie so schnell wie möglich freizubekommen.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass die frühe Verabreichung von Metoprolol das Herz schützt, indem es direkt auf Neutrophile wirkt.

„Metoprolol betäubt die Neutrophile, verändert ihr Verhalten und beschränkt ihre schädigende entzündliche Wirkung auf den Herzmuskel“, erklärte Studienerstautor Jaime García-Prieto.

Billiges Medikament seit über drei Jahrzehnten im Einsatz
Laut Andrés Hidalgo vom CNIC ist die Neutrophilen-Gewebeinvasion eng mit ihren Wechselwirkungen mit Blutplättchen (Thrombozyten) verknüpft.

„Metoprolol blockiert diese Wechselwirkungen und die Anzahl der Neutrophilen, die in dem Infarktgewebe ankommen, drastisch“, so der Experte.

Dr. Ibañez kam zu dem Schluss, dass „die Priorität nach einem Herzinfarkt die schnellstmögliche Wiederherstellung des Blutflusses bleibt, aber wir müssen das Herz dafür vorbereiten, indem wir Metoprolol verabreichen.“

Wie es in der Mitteilung des Forschungszentrums heißt, hat es sieben Jahre gedauert bis das Team herausfand, warum die Therapie mit Metoprolol so wichtig ist. Ein Mittel, das den Angaben zufolge seit über 30 Jahren angewendet wird und weniger als zwei Euro pro Dosis kostet. (ad)