Biologisches Alter: So bleibt man jünger, als man ist

Sebastian
Unterschiedlicher Alterungsprozess: So bleibt man jünger, als man ist
Menschen, die am selben Tag geboren wurden, sind im fortgeschrittenen Alter häufig ganz unterschiedlich fit. Oft zeigt sich das schon in jungen Jahren. Ausschlaggebend ist das sogenannte „biologische Alter“, das die individuelle körperliche Verfassung und den Gesundheitszustand beschreibt. Forscher aus den USA haben dazu nun interessante Erkenntnisse vorgestellt.

Das biologische Alter unterscheidet sich schon früh
Die wenigsten Menschen äußern sich positiv über das Älter werden. Jedes Jahr mehr „auf dem Buckel“ steigert die körperlichen Beschwerden. Doch der Alterungsprozess fällt offenbar sehr unterschiedlich aus. Bei vielen Menschen, die am selben Tag zur Welt kamen, kann man nicht erkennen, dass sie gleich alt sind. Der Alterungsprozess stand und steht im Mittelpunkt zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen. Forscherinnen aus Göttingen haben beispielsweise vor wenigen Monaten bekannt gegeben, dass Sport das Gehirn jung hält. Andere Studien haben sich damit beschäftigt, wie Zellen wieder jünger werden. Und nun berichten US-amerikanische Forscher über neue interessante Erkenntnisse über das Altern. Demnach unterscheidet sich das biologische Alter bereits in jungen Jahren.

So klappt die Verjüngung. Bild: Khorzhevska - fotolia
So klappt die Verjüngung. Bild: Khorzhevska – fotolia

Manche Menschen scheinen kaum zu altern
In Kooperation mit der „Sonntagszeitung“ aus der Schweiz berichtet die „Welt“ online über die Studie, die im Fachblatt „PNAS“ publiziert wurde. Manche der Studienteilnehmer schienen dabei in einem Zeitraum von zwölf Jahren gar nicht zu altern, während andere dafür zwei bis dreimal schneller alterten. Das sogenannte „biologische Alter“ der laut Pass 38-Jährigen variierte demnach von 28 bis 61. Die Wissenschaftler um Daniel Belsky von der Duke University in Durham (USA) untersuchten den Alterungsprozess bei jungen Leuten. Dazu verwendete das Team Daten einer großen Bevölkerungsstudie der neuseeländischen Stadt Dunedin. Bei dieser Langzeiterhebung wurden mehr als 1.000 Personen von der Geburt im Jahr 1972 oder 1973 regelmäßig bis zu ihrem 38. Lebensjahr untersucht.

Körperliche Fitness und kognitive Fähigkeiten
Dabei wurden 18 Biomarker wie Cholesterin-, Leber- und Nierenwerte, Blutdruck, Herz- und Zahngesundheit ausgewertet. Außerdem begutachteten die Forscher die körperliche Fitness, das Gewicht sowie kognitive Fähigkeiten. Laut Belsky sei es unerwartet gewesen, wie deutlich sich die Biomarker bereits bei jungen und gesunden Menschen altersbedingt veränderten. Es zeigte sich auch, dass Probanden, die physiologisch schneller alterten, auch in anderen Bereichen schlechter abschnitten. So konnten sie bei Fitnesstests die Balance weniger gut halten und bewegten sich unkoordinierter. Zudem absolvierten sie kognitive Aufgaben schlechter. Nicht zuletzt sahen sie älter aus.

Typische Alterskrankheiten bei über 65-Jährigen
Mit zunehmendem Alter steigen auch die Gesundheitsgefahren. So treten ab etwa dem 50. Lebensjahr vermehrt typische Alterskrankheiten auf. Wie die „Welt“ schreibt, leiden mehr als 70 Prozent der über 65-Jährigen an zwei oder mehr chronischen Krankheiten wie Arthritis, Diabetes, Krebs, Herzproblemen oder Schlaganfällen. US-amerikanische Forscher hatten im letzten Jahr im Fachmagazin „Nature“ berichtet, dass, wenn es gelinge, eine einzelne chronische Krankheit hinauszuzögern, dann auch andere ausblieben. In Untersuchungen wurden bereits Hinweise gefunden, wie die verschiedenen Alterungsprozesse verzögert werden könnten. Demnach könnte unter anderem eine verminderte Kalorienaufnahme sowie regelmäßige Bewegung das Leben verlängern und Krankheiten vorbeugen.

Positive Lebenseinstellung verlängert das Leben
Auch wenn es keine simple Anleitung für ein langes Leben gibt, sind überdurchschnittlich gut trainierte Menschen, relativ betrachtet, „jünger“ als unsportliche Altersgenossen. Diesen Schluss zog der Mediziner Ulrik Wisløff von der Universität NTNU in Trondheim (Norwegen), der mit seinem Team aus komplizierten Algorithmen einen einfachen Fragebogen entwickelte, mit dem die Forscher erfassen können, wie gesund eine Person ist und welches „Fitness-Alter“ sie hat. Ärzte bestimmen die körperliche Leistungsfähigkeit einer Person in der Regel, indem sie messen, wie viel Sauerstoff sie maximal bei Belastung verwerten kann. Die norwegischen Wissenschaftler fanden heraus, dass auch Alter, Bauchumfang, Selbstangaben über körperliche Fitness und die Herzschlagrate bei Ruhe als Annäherung für objektive Messungen dienen können. Ein anderer Online-Test berechnet das Sterberisiko.

Entwickelt wurde er von schwedischen Forschern auf Basis der Daten aus der sogenannten „UK Biobank“. Der Gerontologe Mike Martin von der Universität Zürich möchte mit einem interdisziplinären Team herausfinden, warum jemand gesund bleibt, und nicht, warum jemand krank wird. Er vermutet: „Dabei sind nicht nur medizinische Faktoren ausschlaggebend.“ Eine Rolle spiele auch, wie Menschen sozial eingebunden seien. Oder auch die Lebenseinstellung. Eine positive Einstellung verlangsamt das Altern, hatte auch der Jenaer Altersforscher Christoph Englert in einem Interview im vergangenen Jahr erklärt. Ein Universalrezept dafür, wie man die nächsten Jahren gesund bleibe, gebe es Experten zufolge aber nicht. (ad)