Chronischer Schlafmangel kann die Liebe ruinieren

Alexander Stindt
Schlafmangel wirkt sich negativ auf Beziehungen aus und führt häufig zu Eheproblemen
Wenn Menschen eine längere Zeit in einer Beziehung leben, können zwischen den Partnern irgendwann zwischenmenschliche Probleme entstehen. Diese Schwierigkeiten können solange weiter heranwachsen, bis die Beziehung zerbricht und die Betroffenen schließlich über eine Scheidung nachdenken. Aber bevor Sie wegen Eheproblemen einen Anwalt aufsuchen, sollten Sie überprüfen, ob Sie ausreichend Schlaf bekommen. Forscher fanden jetzt heraus, dass Schlafmangel sich negativ auf menschliche Beziehungen auswirkt.

Die Wissenschaftler der Ohio State University stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass starke Beziehungsprobleme in einigen Fällen auf Schlafmangel zurückzuführen sind. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Psychoneuroendocrinology“.

Der Mangel an Schlaf kann nicht nur zu gesundheitlichen Problemen führen. Mediziner stellten bei einer Untersuchung fest, dass unausgeschlafene Ehepartner häufiger Probleme in ihrer Beziehung haben. (Bild: Dan Race/fotolia.com)

Auswirkungen von Schlafmangel auf den menschlichen Körper
Bisher war Forschern bekannt, dass ein anhaltender Schlafmangel mit erhöhten Risiken von Krebs, Diabetes, Herzerkrankungen, Fettleibigkeit und einem vorzeitigen Tod verbunden ist. Ein Mangel an Schlaf kann aber auch noch andere Schwierigkeiten hervorrufen, wie beispielsweise Probleme in der Beziehung. Viele Menschen schlafen jede Nacht nur etwa sechs Stunden – empfohlen werden allerdings sieben bis neun Stunden pro Nacht, sagen die Experten.

Wenn beide Ehepartner zu wenig Schlaf erhalten, führt dies häufig zu Streit
Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler insgesamt 43 Paare. Dabei konnten die Mediziner feststellen, dass wenn beide Ehepartner weniger als sieben Stunden pro Nacht schliefen, diese dadurch intensiver stritten. Wenn aber einer der beiden Ehepartner ausreichend Schlaf erhielt, konnten die Probleme in der Beziehung eher konstruktiv geklärt werden und endeten häufig mit einem vermittelnden Gespräch.

Anstieg von bestimmten Markern kann Entzündungen fördern
Die Paare wurden in ein Labor eingeladen und dort dokumentierten sie die bekannten Probleme ihrer Beziehung (beispielsweise Geld, Schwiegereltern oder Kommunikation mit dem Partner). Die Wissenschaftler maßen auch die Werte von Markern wie Protein ​​IL-6 und TNF-alpha. Ein Anstieg dieser Marker kann eine Entzündung im Körper auslösen und so den Beginn von chronischen Erkrankungen wie Diabetes fördern. Bereits frühere Studien hatten ergeben, dass Männer eher mit ihren Partnerinnen stritten, wenn sie in der Nacht schlecht geschlafen hatten. Ehepartner, die für einen Zeitraum von zwei Wochen weniger als sieben Stunden schliefen, stritten in ihrer Ehe heftiger und häufiger.

Schlafentzug führt zu Konzentrationsschwierigkeiten und Ungeduld
Die aktuelle Studie zeigt die Effekte des zu kurzen Schlafes und dessen Auswirkungen auf die Entstehung von Entzündungen, sagt Autorin Dr. Stephanie J. Wilson. Es ist bekannt, dass Schlafentzug zu Konzentrationsschwierigkeiten und Ungeduld führt, was es uns erschwert, die richtigen Entscheidungen zu treffen oder uns in Probleme unserer Partner einzufühlen. Auch der Sinn für Humor, welcher in jeder Beziehung benötigt wird, leidet laut Aussage der Expertin bei Schlafentzug.

Schlafmangel erschwert die Lösung von Problemen
Ausreichender Schlaf kann sicherlich nicht alle Probleme des ehelichen Zusammenlebens lösen, aber zur Verbesserung von vielen Beziehungen beitragen, sagen die Mediziner. Die Studie untersuchte nur heterosexuelle Paare, doch wahrscheinlich sind die Ergebnisse auch auf eine breitere Masse bzw. andere Formen der zwischenmenschlichen Beziehungen anzuwenden. Schlaf beeinflusst die Teile des menschlichen Gehirns, welche an der Lösung von Problemen beteiligt sind und durch Schlafmangel leiden Fähigkeiten, wie beispielsweise aktives Zuhören und eine gute Stimmung, erläutern die Wissenschatler. Es ist also kein Zufall, dass die Beziehungszufriedenheit oftmals im ersten Jahr nach der Geburt eines Babys leidet, denn während dieser Zeit tritt meist ein erheblicher Schlafmangel auf. (as)