COPD: Lungensport hilft Lungenkranken

Heilpraxisnet

Bei Lungenleiden COPD kann Sport Schwerkranken helfen

11.09.2014

In aller Regel meiden Lungenkranke große Anstrengungen. Dies ist allerdings ein Fehler, vielmehr sollten sie sich anstrengen, meinen Experten. Ein passendes Sportprogramm, wie etwa spezieller Lungensport, kann helfen, dass Patienten seltener an Atemnot leiden.

Bis zu fünf Millionen Menschen leiden in Deutschland an einer COPD
Laut Schätzungen der Deutschen Atemwegsliga leiden hierzulande etwa drei bis fünf Millionen Menschen an einer chronisch obstruktiven Bronchitis (COPD), auch Raucherlunge genannt. Die COPD ist eine der häufigsten Erkrankungen weltweit. Das Hauptsymptom der Volkskrankheit ist der Raucherhusten, welcher unter anderem durch vermehrte Sekretbildung in den Atemwegen sowie entsprechenden Husten am Morgen mit Auswurf gekennzeichnet ist. Für die Betroffenen ist oft schon die Treppe in die Wohnung zu steil, jeder Schritt wird zur Qual und die Luft bleibt weg. Patienten mit COPD leiden bei körperlicher Belastung schnell an Atemnot, was dazu führt, „dass sie sich weniger belasten und an Muskelkraft und Kondition verlieren“, wie der Chefarzt der Klinik für Herz- und Lungenerkrankungen am Klinikum Fürth, Prof. Heinrich Worth laut einer dpa-Meldung erklärte.

Lungensport kann Patienten helfen
Allerdings liege genau darin das Problem, denn je mehr sich Betroffene schonen, desto häufiger leiden sie an Luftnot. Zudem seien Osteoporose, Diabetes oder Gefäßerkrankungen oft die Folge, wie der Sportwissenschaftler Oliver Göhl sagte. Neben dem Hauptrisikofaktor Rauchen werden auch Passivrauchen, Umweltverschmutzung oder berufliche Belastung, etwa durch Chemikalien, als Risikofaktoren für eine COPD angesehen. Patienten sollten auf jeden Fall das Rauchen aufgeben. Auch Lungensport kann Betroffenen helfen.

Spezielle Bewegungstherapie für Lungenkranke
Doch keine Angst: Was zunächst nach Leistungssport klingt, ist eine spezielle Bewegungstherapie für Patienten mit Asthma, COPD oder anderen Lungenerkrankungen. „Die Art des Sports ist eher nebensächlich“, erklärte der Lungenfacharzt Prof. Dieter Köhler. „Grundsätzlich gilt: Der Puls sollte ansteigen, man sollte möglichst ins Schwitzen geraten und mindestens zweimal in der Woche trainieren.“ Wobei letzteres Voraussetzung dafür sei, dass der Sport Wirkung zeige. Mediziner Worth empfiehlt die Teilnahme an einer Lungensportgruppe. Dort folgt der Aufbau und Ablauf einer Übungseinheit meist einem bestimmten Schema, dazu gehören Ausdauer- und Krafttraining sowie Koordinations- und Dehnübungen.

Vorteile einer Lungensportgruppe
Köhler zufolge sollten Lungenpatienten lernen, vor einer starken Belastung eine Pause zu machen: „Also beim Wandern zum Beispiel für kurze Zeit pausieren, wenn die Strecke steiler wird.“ Er erklärte weiter: „Viele machen den Fehler, dass sie weitergehen und dann auf halber Strecke stehen bleiben müssen, weil sie Luftnot haben.“ Darin liegt ein Vorteil einer Lungensportgruppe: Der Übungsleiter kann darauf achten, dass die Teilnehmer sich nicht übernehmen und die Aufgaben genau ihrer Leistungsfähigkeit angepasst sind. Zudem ist in den Gruppen immer ein Arzt in Rufbereitschaft. Vom Patienten muss ein ärztliches Attest vorgewiesen werden. Des Weiteren sind die Übungsleiter speziell geschult und ein Notfallkoffer muss bereitstehen.

Kondition der Patienten wird durch den Sport besser
Was der Sport für die Gesundheit bringt, erklärt Köhler: „Es ist nachgewiesen, dass die Luftnot bei regelmäßigem Training später eintritt.“ Er nennt dafür auch ein Beispiel: Im Durchschnitt können Menschen innerhalb von sechs Minuten 600 Meter weit gehen, ein mittelschwer Lungenkranker schaffe in der Regel 300 Meter. Doch wenn er regelmäßig trainiere, komme er im Schnitt auf 400 Meter. „Seine Kondition wird besser“, so Worth.

Patienten leben im Rahmen des Lungensports gesünder
Im Jahr 2006 haben Wissenschaftler in einer Studie mit rund 2.390 COPD-Patienten herausgefunden, dass die Betroffenen bei regelmäßiger sportlicher Aktivität seltener ins Krankenhaus mussten. Worth zufolge gibt es Hinweise darauf, dass Bewegungstherapie bei Asthma und COPD dazu führt, dass die Entzündung in den Atmungsorganen zurückgeht. „Aber bewiesen ist das noch nicht“, schränkt er ein. Weiter erklärte er: „Im Rahmen des Lungensports raucht der Patient häufiger nicht mehr und ernährt sich gesünder.“ Normalerweise fällt eine monatliche Kursgebühr an, die jedoch anteilig oder komplett von den Krankenkassen übernommen wird. (ad)

Bildquelle: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de