Raucherlunge (COPD) – Symptome, Ursachen, Therapie

Susanne Waschke

Was ist eine Raucherlunge?

Kurzatmigkeit, morgendliche Hustanfälle, geringe Belastbarkeit, Atemnot – viele Raucher erfahren die Folgen des langfristigen Tabakkonsums am eigenen Leib. Die Lunge leidet am meisten unter den giftigen Qualm-Inhalationen. Dass sich durchs Rauchen eine Raucherlunge bildet, ist nicht unwahrscheinlich. Das Robert Koch-Institut (RKI) schätzt, dass rund sechs Prozent der Bevölkerung in Deutschland betroffen sind. Medizinisch wird die Raucherlunge als chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) bezeichnet und es können auch andere Faktoren als der Tabakkonsum zu dem Beschwerdebild führen. Hier das Wichtigste in Kürze:

  • Definition: Unter COPD versteht man eine chronisch-obstruktive Bronchitis, die entweder mit oder ohne eine Lungenüberblähung (Lungenemphysem) auftritt. Man spricht von einer chronischen Bronchitis, wenn die Symptome länger als drei Monate pro Jahr bestehen.
  • Symptome: Anfallartiger Husten mit Schleimauswurf (verstärkt am Morgen), Kurzatmigkeit, Atembeschwerden bei Belastung (später auch im Ruhezustand).
  • Häufigkeit: COPD ist eine häufige Erkrankung ab dem mittleren Erwachsenenalter. Es herrscht eine hohe Dunkelziffer unter den Betroffenen. Laut RKI-Hochrechnungen sind 5,8 Prozent der deutschen Bevölkerung betroffen.
  • Ursachen: Durch Giftstoffe in der Lunge, meistens Tabakrauch, werden über viele Jahre hinweg die natürlichen Abwehrmechanismen der Lunge zunehmend geschädigt. Bestimmte Kindheitserkrankungen, genetische Faktoren und Luftverschmutzung stehen ebenfalls unter Verdacht, eine COPD-Entwicklung zu fördern.
  • Therapie: Im fortgeschrittenen Stadium gelten die Schäden an der Lunge als nicht reversibel. Durch Bronchien erweiternde Medikamente und Kortison sowie durch das Einstellen des Rauchens kann sich die Situation der Betroffenen jedoch bessern.

Drei Stadien der Raucherlunge

Die Weltgesundheitsorganisation WHO teilt die Raucherlunge beziehungsweise COPD (aus dem englischen: Chronic Obstructive Pulmonary Disease) in drei Stadien ein:

  • Stadium I: Das erste Stadium ist geprägt von einer vorherrschenden Bronchitis, jedoch ohne weitere körperliche Einschränkungen.
  • Stadium II: In diesem Stadium zeigen sich zusätzlich zur Bronchitis Einschränkung der Leistungsfähigkeit.
  • Stadium III: Im dritten Stadium wird das Beschwerdebild durch weitere Beeinträchtigungen des Gasaustauschs erweitert. Ein Lungenemphysem kann entstehen, was massive negative Konsequenzen für die Lungenfunktion und die Atmung hat.
Über Jahre hinweg verändert sich die Lunge bei regelmäßigem Kontakt mit Schadstoffen hin zur Raucherlunge. (Bild: Henrie/fotolia.com)

Ursachen

Im Atemtrakt befinden sich feinste Flimmerhärchen und dazwischen sogenannte Becherzellen, die für die Schleimproduktion zuständig sind. Die Flimmerhärchen bewegen sich auf der feuchten Schleimhaut hin und her und befördern mit diesen Bewegungen Staub und Schmutz in Richtung Nasenrachenraum. Das Flimmerepithel (epithel = Deckgewebe) ist für die Reinigung der eingeatmeten Luft und deren Befeuchtung zuständig.

Aufgaben der Bronchialschleimhaut

Eine intakte Bronchialschleimhaut hat verschiedene Aufgaben. Sie bildet Schutz gegen Fremdeindringlinge und ist an der Produktion verschiedenster Substanzen beteiligt. Dies sind unter anderem Immunbotenstoffe, Wachstumsfaktoren und Stoffe, die eine Verengung der Blutgefäße auslösen können.

Rauch zerstört die Schleimhäute

Ständiges Rauchen zerstört zusehends die Schleimhaut inklusive der Flimmerhärchen, wobei sich aus dem Flimmerepithel immer mehr Becherzellen entwickeln, die vermehrt Schleim produzieren. Dies hat zur Folge, dass im gesamten Bronchialtrakt die Schleimproduktion zunimmt. Die Menge an Schleim kann nicht mehr richtig abgehustet werden, und durch den Rückstau wird die Ansiedlung von Keimen erleichtert.

Ursachen und Symptome einer Raucherlunge. (Bild: Bilderzwerg/fotolia.com)

Entzündungen entstehen

In den Bronchialwänden kommt es durch das ständige Eindringen von Erregern, Staub oder Schmutz, durch die vermehrte Schleimproduktion und das Fehlen intakter Schleimhaut zu wiederkehrenden Entzündungen, was die Schleimhaut anschwellen lässt. Die Bronchialwände werden immer dicker, was langfristig zu einer Obstruktion (Verengung) der Atemwege führt. Die Atmung wird erschwert, der Gasaustausch zwischen Blut und Atemluft immer stärker beeinträchtigt, und der Sauerstoffgehalt des Blutes nimmt ab.

Weitere Ursachen

Zwar werden 80 bis 90 Prozent der COPD-Fälle durch Rauchen verursacht, es gibt aber auch andere Faktoren, die das COPD-Risiko erhöhen:

  • Kindheitserkrankungen: Erkrankungen in der Kindheit wie Asthma, Bronchitis oder eine Pneumonie (Lungenentzündung) gelten als Risikofaktor.
  • Rauchende Eltern: Das Rauchen der Eltern hat einen Einfluss auf die Entstehung von späterem Raucherhusten bei deren Kindern.
  • Genetische Veranlagung: Die Gene spielen ebenfalls ein Rolle. Insbesondere Personen mit der Erbkrankheit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel haben ein erhöhtes Risiko COPD zu entwickeln.
  • Luftverschmutzung: Auch Feinstaub steht unter Verdacht COPD auszulösen. Bestimmte Berufsgruppen wie Arbeiter im Kohleabbau sind besonders gefährdet.

Symptome

Da bei einer Raucherlunge keine Flimmerhärchen mehr existieren und die Schleimproduktion immer mehr zunimmt, kommt es zu einem chronischen Husten, der vor allem morgens am heftigsten auftritt. Der Auswurf hat dabei, bedingt durch die Giftstoffe in der Lunge, meist eine bräunliche Färbung. Hin und wieder sind dem Auswurf auch Blutspuren beigemengt.

Raucherhusten – das erste Alarmzeichen

Der Raucherhusten entsteht nicht über Nacht, sondern ist ein schleichender Prozess über Jahre hinweg. Meist werden die Beschwerden eines Rauchers von ihm selbst verharmlost, während das Rauchen seine Lunge immer mehr zerstört. Das erste Alarmzeichen ist der chronische Husten mit dem morgendlichen Auswurf.

Kurzatmigkeit und verringerte Belastbarkeit

Über die Jahre hinweg leiden die Betroffenen verstärkt unter Kurzatmigkeit bei körperlicher Anstrengung. Dies kann zum Beispiel schon beim einfachem Treppensteigen der Fall sein. Insgesamt nimmt die allgemein Belastbarkeit durch die Raucherlunge immer weiter ab.

Raucherhusten gilt als wichtiges Alarmzeichen und deutet auf die Entwicklung von COPD hin. (Bild: Stefan/fotolia.com)

Blaue Lippen und Fingerleiden

Durch den fortschreitenden Sauerstoffmangel verfärben sich die Lippen blau. Weiterhin entstehen sogenannte Trommelschlegelfinger (Auftreibung der Fingerspitzen) und Uhrglasnägel (große, gewölbte Nägel).

Folgen einer Raucherlunge

Da eine Raucherlunge schon vorgeschädigt ist, verlaufen ganz banale Erkältungen bei den Betroffenen meist deutlich schwerer. Durch die fehlenden Flimmerhärchen und die enorme Schleimproduktion können die Erreger nicht so leicht aus dem Körper verbannt beziehungsweise abgehustet werden. Dadurch treten gehäuft Lungenentzündungen auf.

Erhöhtes Risiko für Herzschwäche

Durch die vermehrte Leistung der Lunge erhöht sich außerdem der Druck im Lungenkreislauf (Cor pulmonale), wodurch auf Dauer die Entwicklung einer Herzschwäche begünstigt wird.

Chronische Entzündungen

Die ständige Belastung mit Nikotin und anderen Schadstoffen hat ein Absterben der Flimmerhärchen zur Folge. Somit bleiben kleinste, eingeatmete Staubpartikel und Schmutz im Körper. Durch diesen ständigen Reizzustand treten vermehrt chronische Entzündungen auf. Die Schleimproduktion nimmt zu, die Bronchialwände schwellen an und es kommt – über die Jahre hinweg – zu Atembeschwerden bis hin zur Luftnot.

Lungenüberblähung

Im fortgeschrittenen Stadium verlieren die Lungenbläschen ihre Stabilität und fallen beim Ausatmen zusammen. Die normale physiologische Struktur der Lunge wird zunehmend zerstört und ein Lungenemphysem kann entstehen.

Im weiteren Verlauf der Erkrankung nehmen Atembeschwerden, Luftnot und Hustenanfälle immer weiter zu. (Bild:pathdoc/fotolia.com)

Sterblichkeit

Eine Raucherlunge sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Dem Weißbuch Lunge zufolge, dass von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin sowie von der Deutschen Lungenstiftung herausgegeben wird, starben im Jahr 2011 rund 15.000 Männer und 11.000 Frauen in Deutschland an den Folgen der COPD. Durchschnittlich verringert sich die Lebenserwartung durch eine Raucherlunge um acht Jahre.

Diagnostik

Leichtere Verlaufsformen, ohne Symptome, werden durch eine Lungenfunktionsmessung festgestellt. Schwerere Formen zeigen sich durch Luftnot, bereits bei kleinster Belastung. Die Diagnose COPD wird meist erst im vierten oder fünften Lebensjahrzehnt gestellt. Um genau beurteilen zu können, wie weit die Erkrankung schon fortgeschritten ist, werden Röntgenuntersuchung und/oder Computertomographie durchgeführt. Lungenfunktionsprüfung, EKG, Blutbild und eine Sputumkontrolle (Untersuchung des Auswurfs) gehören ebenso zu den gängigen Untersuchungsmethoden.

Therapie

Natürlich spielt hier als das Einstellen des Rauchens beziehungsweise die Vermeidung der Schadstoffbelastung eine herausragende Rolle. Eine Reduktion des Zigarettenkonsums genügt nicht. Die Lungenfunktion kann sich bereits hierdruch wieder normalisieren, in fortgeschrittenen Fällen besteht jedoch weiterhin eine chronische Bronchitis. Mit Bronchien erweiternden Medikamenten wird versucht, weitere Schäden zu vermeiden. Gegen die chronische Entzündung der Bronchien kommt in der Schulmedizin außerdem häufig Kortison zum Einsatz. Rauchen die Betroffenen weiter, so kann die Erkrankung trotz aller Medikation nicht geheilt werden.

Der Körper profitiert auf vielfältige Weise von einem Rauchstopp. (Bild: heilpraxis.de)

Rauchentwöhnung

Die beste Präventionsmaßnahme gegen eine Raucherlunge ist: Das Rauchen aufgeben. Ein Rauchstopp führt zu vielen gesundheitlichen Vorteilen. Die Regeneration beginnt bereits wenige Minuten nach der letzten Zigarette:

  • 20 Minuten später: Puls-und Blutdruck-Werte normalisieren sich.
  • 12 Stunden später: Die Sauerstoffversorgung aller Organe steigt an. Die allgemeine Leistungsfähigkeit verbessert sich.
  • 2 Wochen bis 3 Monaten später: Der gesamte Kreislauf und die Lungenfunktion zeigen Verbesserungen.
  • 1 bis 9 Monaten später: Typische Symptomatiken wie Hustenanfälle, Kurzatmigkeit und verstopfte Nasennebenhöhlen nehmen fortschreitend ab. Der festgesetzte Schleim in der Lunge wird allmählich abgebaut. Das erhöhte Infektionsrisiko beginnt zu sinken.
  • 1 Jahr später: Das Risiko, eine koronare Herzkrankheit zu entwickeln, halbiert sich gegenüber dem Risiko von Rauchern.
  • 5 Jahren später: Das Krebs-Risiko in der Mundhöhle, im Rachen, in der Speiseröhre und der Harnblase halbiert sich. Das Risiko, Gebärmutterhalskrebs zu entwickeln, ist auf dem gleichen Niveau eines Nichtrauchenden.
  • 10 Jahre später: Das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, hat sich halbiert. Auch andere Krebserkrankungsrisiken an Kehlkopf und Bauchspeicheldrüse sinken.
  • 15 Jahren später: Das Risiko, eine koronare Herzkrankheit zu entwickeln, erreicht das Niveau eines Nichtrauchers.

(sw, aktualisiert am 10. April 2018 vb)

Quellen

  • Lungenärzte im Netz – Webseite
  • Robert Koch-Institut – 12-Monats-Prävelenz der COPD in Deutschland
  • Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit COPD
  • sowie im Text verlinkte Artikel