Demenz und Alzheimer

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Demenz und Alzheimer: Über 2000 Demenzerkrankte im Kreis Euskirchen
Die Neurologische Abteilung des Marien-Hospitals und die Alzheimer Gesellschaft im Kreis Euskirchen haben sich den „Weltalzheimertag“ zum Anlass genommen, um einen Informationsveranstaltung über Demenz und deren verbreitetste Form Alzheimer auszurichten. Mehr als 70 Teilnehmer informierten sich in den Räumlichkeiten des Hospitals über die verschiedenen Demenz-Erkrankungen, -symptome und mögliche Therapieansätze.

Rund 1,3 Millionen Menschen leiden nach Schätzungen der Experten in Deutschland an Demenz, über 1,1 Millionen davon unter Alzheimer. Demenz wird nicht zuletzt aufgrund des demographischen Wandels auch in Deutschland immer mehr zur Volkskrankheit. Daher möchten die Alzheimer Gesellschaft und das Marien-Hospital auch die Bürger im Kreis Euskirchen stärker für das Thema interessieren und ihre Veranstaltung außerdem dazu nutzen, um den Betroffenen einige Tipps und Hilfestellungen für den Umgang mit einer Erkrankung an die Hand zu geben.

Vorträge von Spezialisten
Die relativ hohe Besucherzahl der Vortragsveranstaltung zeigt, dass auch in der Bevölkerung das Thema eine wachsende Bedeutung erfährt. Dr. Hartmut Bauer, Chefarzt der Neurologie des Marien-Hospitals und gleichzeitig Vorsitzender der Kreis-Alzheimer-Gesellschaft sowie Professor Dr. Jörg Schulz, Direktor der Neurologie des Universitätsklinikums Aachen führten durch den Abend und klärten die Zuhörer sowohl über die Geschichte von Alzheimer als auch über den Verlauf und mögliche Behandlungsansätze auf.

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Die Geschichte von Alzheimer
Dr. Hartmut Bauer erläuterte, dass die Krankheit nach ihrem Entdecker Alois Alzheimer benannt wurde, der bereits 1901 erstmals die Geschichte einer Patientin untersucht und beschrieben hatte. Ein verzweifelter Ehemann hatte seine im 50 Jahre alte Frau, Auguste Deter, in die „Städtische Anstalt für Irre und Epileptische“ in Frankfurt einliefern lassen. Als Symptome beschrieb der Ehemann: sie sei immer misstrauischer geworden, unruhig in der Wohnung umher gelaufen, habe bei Nachbarn geklingelt und wirre Behauptungen aufgestellt, Gegenstände versteckt und sich verfolgt gefühlt. Bis zu ihrem Tod 1906 wurde Auguste D. In der Frankfurter Nervenklinik betreut, wo Alois Alzheimer sie noch zu Lebzeiten untersuchte und nach ihrem Tode eine Sezierung des Gehirns durchführte. Dabei stellte er fest, dass sich Eiweißablagerungen, die so genannten „Plaques“ im Gehirn von Auguste D. festgesetzt hatten, die für das Auftreten der Krankheit verantwortlich waren. Nach der ersten Veröffentlichung gerieten seine wissenschaftlichen Ergebnisse jedoch vorerst in Vergessenheit , bis sie in den 1960er Jahren wieder in den Fokus der Wissenschaft rückten, erklärte Dr. Bauer den Zuhörern weiter.

Zahlen und Fakten zur Verbreitung von Demenz
Neben den allgemeinen Informationen zur Geschichte erfuhren die Teilnehmer der Veranstaltung von Dr. Bauer außerdem, dass bereits 2002 über eine Million Menschen in Deutschland dement waren und Experten auch bei optimistischen Schätzungen davon ausgehen, dass es 2030 mindestens 1,7 Millionen sein werden. Im Kreis Euskirchen waren 2008 rund 2000 Demenz-Patienten in Behandlung, so Dr. Bauer weiter, wobei sich die Zahl der Erkrankungen im Kreis nach seiner Ansicht bis 2030 verdoppeln wird. Die nach Dr. Bauers Informationen aktuell 579 vollstationäre Pflegeplätze mit dem Schwerpunkt Demenz werden daher für den Kreis Euskirchen auf Dauer wahrscheinlich nicht ausreichen.

Gesellschaftliche Folgekosten von Alzheimer und Demenz
Im Rahmen seines Vortrages kam Dr. Bauer auch auf die gesellschaftlichen Folgekosten der Erkrankung zu sprechen. So verursacht ein Alzheimer-Patient in Deutschland nach seinen Worten im Durchschnitt jährlich krankheitsbedingte Kosten in Höhe von etwa 44 000 Euro. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass rund zwei Drittel der Betroffenen von Angehörigen zu Hause gepflegt werden, wodurch die Kostenrechnung bisher geschont wurde, dürfte der Finanzierungsbedarf bei einem adäquaten Ausbau der Pflegeplätze jedoch enorm steigen.

Symptome, Diagnose und Therapie von Alzheimer und Demenz

Im Anschluss an den Vortrag von Dr. Bauer erläuterte Prof. Dr. Jörg Schulz vom Universitätsklinikum Aachen die aktuellsten Erkenntnisse aus dem Bereich der Forschung und gab Tipps, wie die Zuhörer gesund altern können. Auch erklärte er die Symptome, wie zum Beispiel zeitliche und räumliche Orientierungslosigkeit, den Verlust früheren Wissens oder erlernter Fähigkeiten und die Hilflosigkeit der Patienten. Dr. Schulz betonte außerdem wie wichtig eine frühe Diagnose ist und welche Möglichkeiten bestehen, um festzustellen ob eine Demenz-Erkrankung vorliegt. Der Fachmann erklärte zudem, dass Alzheimer-Demenz bisher nicht heilbar ist. Es bestünden zwar Therapien mit denen im Sinne der Patienten Zeit gewonnen werden können, in der dieser länger alltagstauglich bleibt, aber eine Heilung oder Besserung des Geisteszustandes lasse sich bisher nicht erreichen. In seinen ausführlichen Darstellungen der Therapiemethoden ging Dr. Schulz explizit auf die zwei „Medikamente-Klassen“ ein, die bisher zur Verfügung stehen und die je nach schwere der Erkrankung entweder bei der milden bis moderaten Demenz-Form oder bei schweren Erkrankungen verwendet werden. Zu den künftigen Therapiemöglichkeiten sagte Dr. Schulz: „Zurzeit arbeitet die Forschung an neuen Ansätzen, die darauf ausgerichtet sind, dieses Fortschreiten der Erkrankung einzudämmen oder vielleicht sogar zu stoppen.“

Offene Diskussion

Im Anschluss an die Vorträge der Spezialisten Dr. Hartmut Bauer und Professor Dr. Jörg Schulz, konnten sich die Zuhörer mit ihre besonderen Fragestellungen und Probleme an die Experten wenden und diese intensiv mit ihnen diskutieren. (fp, 02.10.2010)