Deutschland hat die höchste Brustkrebs-Todesrate

Fabian Peters

Brustkrebs-Todesrate in Deutschland im EU-Vergleich am höchsten

29.02.2012

Im europaweiten Vergleich der voraussichtlichen Todesrate bei Brustkrebs für das Jahr 2012 liegt Deutschland an der Spitze. Die Wahrscheinlichkeit an einer Brustkrebserkrankung zu versterben, ist hierzulande so hoch wie in keinem anderen Land der EU.

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Das Forscherteam um Matteo Malvezzi von der Universität Mailand hat im dem Fachmagazin „Annals of Oncology“ eine Hochrechnung zu den voraussichtlichen Krebstodesfällen in der Europäischen Union im Jahr 2012 vorgestellt. Den Angaben der Forscher zufolge nimmt Deutschland dabei in Bezug auf die Brustkrebs-Todesrate eine bedauerliche Spitzenposition ein. Obwohl in den vergangenen Jahren durch verbesserte Vorsorgeuntersuchungen und Therapien auch hierzulande eine deutliche Reduzierung der Brustkrebstodesrate erzielt werden konnte.

1,3 Millionen Krebstodesfälle in der EU im Jahr 2012
Den Berechnungen der Forscher zufolge werden in der EU dieses Jahr 1.283.101 Menschen in Folge einer Krebserkrankung versterben (717.398 Männer und 565.703 Frauen). Zwar ist kaum zu erwarten, dass die Zahlen exakt erreicht werden, doch auf Basis der Hochrechnungen sind nach Ansicht der Forscher einige Rückschlüsse auf die Entwicklung der Krebstodesfälle in der EU möglich. Zum einen wird klar, dass die „standardisierten Gesamt-Krebssterberaten“ seit 2007 deutlich zurückgegangen sind, auf 139 Todesfälle je 100.000 Männer und 85 Todesfälle je 100.000 Frauen, berichten Matteo Malvezzi und Kollegen. Gegenüber dem Jahr 2007 habe die EU-weite Krebstodesrate bei Männern um zehn Prozent abgenommen und bei Frauen um sieben Prozent. Die erfreulichste Entwicklung bei Männern war mit minus 20 Prozent im Bereich der Todesfälle durch Magenkrebs zu beobachten. Auch bei Leukämie (minus 11 Prozent), Lungen-und Prostatakrebs (minus 10 Prozent ) und Darmkrebs (minus 7 Prozent) ist die Todesrate der Männer zurückgegangen. Die Frauen zeigten die deutlichste Reduzierung der Todesrate ebenfalls beim Magenkrebs (minus 23 Prozent), bei Leukämien (minus 12 Prozent) sowie bei Gebärmutter- und Darmkrebs (minus 11 Prozent). Aber auch die Todesrate bei Brustkrebs ist den Zahlen der Forscher zufolge um neun Prozent gesunken. Unerfreulich ist hingegen der bei den Frauen zu verzeichnende Anstieg der Lungenkrebstodesrate um ganze sieben Prozent.

Deutschland mit der höchsten Brustkrebstodesrate
Die Wissenschaftler um Matteo Malvezzi von der Universität Mailand haben im Rahmen ihrer Untersuchung auch die detaillierten Krebstodesraten für die sechs bevölkerungsreichsten Länder der EU berechnet. Dabei ermittelten sie „die höchsten Brustkrebs-Todesraten in Deutschland“, so der Studienautor Matteo Malvezzi. In Deutschland seien „16,5 Frauen von 100.000 betroffen“, wohingegen der Durchschnitt in der EU lediglich liege bei 14,9 von 100.000 liege, erklärte der italienische Experte. Zwar ist auch in Deutschland die Brustkrebstodesrate seit 2007 um 7,5 Prozent zurückgegangen, doch der EU-Durchschnitt lag bei neun Prozent. Obwohl Deutschland hier eine unerfreuliche Spitzenposition einnimmt, ist die Entwicklung beim Brustkrebs insgesamt also durchaus positiv. Dabei konnte nicht nur die Todesrate der älteren Patientinnen deutlich gesenkt werden, sondern auch bei den jüngeren Frauen verzeichneten die Forscher eine erhebliche Reduzierung der Brustkrebstodesfälle. „Die Tatsache, dass es einen substanziellen Rückgang der Brustkrebstoten gibt, nicht nur im mittleren Alter, sondern vor allem bei den jungen Frauen, deutet auf wichtige Fortschritte in der Behandlung hin“, betonte der Co-Autor der Studie, Carlo La Vecchia von der Universität Mailand. Einen Effekt der Vorsorgeuntersuchungen (Mammografie-Screening) sehen die Forscher in Bezug auf den Rückgang der Brustkrebstodesrate bei jüngeren Frauen nicht, da diese in den meisten europäischen Ländern erst ab einem Alter zwischen 50 und 70 Jahren zum tragen kommen.

Brustkrebs weiterhin die häufigste Krebserkrankung bei Frauen
Trotz des Rückgangs bei der Brustkrebstodesrate ist das Mammakarzinom weiterhin die häufigste Krebstodesursache bei Frauen. Bei den Männern ist Lungenkrebs für die meisten Krebstodesfälle verantwortlich. Insgesamt weisen die „sechs Hauptkrebsarten in der EU“ laut Aussage der Forscher jedoch einen deutlichen „Rückgang der Todesfälle“ auf, welcher „den zunehmenden Fortschritt in der Krebsvorsorge, der Früherkennung und der Behandlung“ widerspiegele. Positive Effekte in Bezug auf die Lungenkrebserkrankungen bei Männern führten die Forscher auch auf einen sinkenden Tabakkonsum zurück. Allerdings haben die Lungenkrebstodesfälle bei den Frauen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.

Aktuellen Zahlen zu den Krebstodesfälle in der EU
Die Wissenschaftler der Universität Mailand haben gemeinsam mit Schweizer Kollegen die Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus den Jahren 1970 bis 2007 zu den Krebstodesfällen in 27 EU-Staaten ausgewertet. Die Daten der WHO wurden für die sechs bevölkerungsreichsten Ländern zudem mit aktuelleren Zahlen ergänzt. Au Basis der vorliegenden Angaben zu den Krebstodesfällen ermittelten die Forscher anschließend Trends für die verbreitetsten Krebsarten und errechneten die voraussichtliche Todesraten für das Jahr 2012. Diese Berechnungen aktueller Zahlen seien „wichtig, um Prioritäten für die Prävention und Behandlung definieren zu können“, schreiben die Wissenschaftler in dem Fachmagazin „Annals of Oncology“. Auch würden die ermittelten Daten zu den Krebstodesfällen zeigen, dass die Zielsetzung der EU aus dem Jahr 2003, welche eine Senkung der Krebstodesraten bis zum Jahr 2015 um 15 Prozent vorsieht, bereits heute erreicht sei. Denn im Vergleich zum Ausgangsjahr 2003 sei die Krebstodesrate bei den Männern bereits um 18 Prozent und bei den Frauen um 13 Prozent gesunken. Während sich die Krebstodesrate in den vergangenen Jahre deutlich reduziert hat, ist jedoch die Anzahl der Krebserkrankungen insgesamt in Deutschland weiter gestiegen. Zwar sterben nicht mehr so viele Menschen wie früher unmittelbar an der Krebserkrankung, doch nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels und der damit verbundenen steigenden Lebenserwartung, ist auch in den kommenden Jahren ein weiterer Anstieg der Krebserkrankungen zu erwarten. (fp)