Diabetes schadet der Leber und auch der Cholesterinspiegel steigt

Alexander Stindt
Experten entdecken die Ursache für häufige Folgeschäden von Diabetes
Diabetes kann zu gefährlichen Folgeschäden führen. Forscher fanden jetzt heraus, dass Entzündungen in der Leber bei Menschen mit Diabetes dazu führen, dass sich der Cholesterinspiegel der Betroffenen erhöht. So steigt die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Folgeerkrankungen an den Gefäßen.

Ein Team aus Wissenschaftlern der Technischen Universität München (TUM), des Helmholtz Zentrums München und des Universitätsklinikum Heidelberg stellte bei seiner Untersuchung fest, dass Schäden an der Leber von Diabetes-Patienten Menschen den Cholesterinspiegel erhöhen können. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Cell Reports“.

Mediziner stellten jetzt fest, warum bei Menschen mit Diabetes häufig schwere Folgeerkrankungen entstehen. Durch Entzündungen an der Leber kann sich der Cholesterinspiegel der Betroffenen erhöhen und Erkrankungen an den Gefäßen sind dann die Folge. (Bild: pittawut/fotolia.com)

Cholesterinwerte ein wichtiger Faktor für Folgeerkrankungen
Wenn Menschen an Diabetes erkrankt sind, führt dies oft zu Folgeerkrankungen. Gefäßkrankheiten spielen hierbei eine sehr wichtige Rolle. Zu ihnen gehören beispielsweise Erkrankungen des Herz- und Kreislaufsystems wie eine Arterienverkalkung. Bei 75 Prozent der Einweisungen in Krankenhäuser seien Herz-Kreislaufbeschwerden die Ursache, erläutern die Experten. Diese würden zudem mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent zum Tod der Betroffenen führen. Die Experten fanden bei ihrer Untersuchung einen bisher noch nicht bekannten Mechanismus, welcher mit gefährlichen Folgeerkrankungen zusammenhängen könnte. Erhöhte Cholesterinwerte sind ein wichtiger Faktor für das Risiko, dass Betroffene Durchblutungsstörungen, Gefäßkomplikationen und Atherosklerose entwickeln, erläutern die Wissenschaftler.

Entzündungen tragen zu Langzeitfolgen bei Stoffwechselstörungen bei
Selbst wenn die Werte des Blutzuckers normal sind, gibt es bei manchen Betroffenen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit dafür, dass bei ihnen im weiteren Leben Folgeschäden auftreten. Die Experten versuchten nun herauszufinden, warum dieser Effekt entsteht. Dafür untersuchten die Forscher unterschiedliche Faktoren und besonders die auftretenden Prozesse von Entzündungen. Diese können bei zahlreichen Stoffwechselstörungen (wie beispielsweise Adipositas und Typ-2-Diabetes) auftreten. Entzündungen tragen wesentlich zu den Langzeitfolgen der Stoffwechselstörungen bei.

Warum bildet sich überschüssiges Cholesterin im Körper?
Besonders interessiert waren die Experten an dem sogenannten Entzündungsbotenstoff TNF-α (Tumornekrosefaktor α). Dieser erzeugt in der menschlichen Leber reaktive Sauerstoffspezies (ROS), sagen die Experten. Solche ROS deaktivieren den Transkriptionsfaktor-Komplex GAbp (GA-binding protein). Dieser Verlust hemmt dann die Werte eines Energiesensors der Zellen des Proteins AMPK, berichten die Mediziner von ihren Untersuchungsergebnissen. Durch diese Hemmung von AMPK bilde sich überschüssiges Cholesterin im Körper und die typischen Merkmale für Atherosklerose entstehen.

Leber spielt zentrale Rolle bei diabetischen Gefäßerkrankungen
Autorin Dr. Katharina Niopek von der Technischen Universität München (TUM) betont, dass die Daten eine zentrale Rolle der Leber für die Entstehung häufiger diabetischer Gefäßerkrankungen nahelegen. „GAbp scheint eine molekularer Stellschraube an der Schnittstelle zwischen Entzündung, Cholesterinhaushalt und Atherosklerose zu sein“, fügt die Expertin hinzu. Wenn die Schutzwirkung von GAbp nicht vorhanden ist, könne es zu einer Hypercholesterinämie kommen. Außerdem entsteht eine verstärkte Fettablagerung in den Arterien der betroffenen Menschen, erläutert die Forscherin weiter.

Neuer Signalweg könnte bei therapeutischen Maßnahmen genutzt werden
Befunde an Patienten unterstützen laut Aussage der Wissenschaftler die Ergebnisse der Untersuchung. Der neu gefundene Signalweg könne eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Folgeschäden durch Diabetes spielen, erklären die Experten. Dabei sei die sogenannte Blutzuckereinstellung der Betroffenen unerheblich. Wahrscheinlich ist es möglich, dass dieser Signalweg für therapeutische Maßnahmen genutzt werden kann, betont der Leiter der Studie, Stephan Herzig von der Technischen Universität München.

Was ist Diabetes?
Diabetes mellitus ist eine Erkrankung, welche häufig auch als die Zuckerkrankheit bezeichnet wird. Diese chronische Stoffwechselerkrankung tritt in zwei unterschiedlichen Formen auf: Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes. Die meisten Zuckerkranken leiden an Typ-2-Diabetes.

Was macht Typ-1-Diabetes aus?
Typ-1-Diabetes bezeichnet einen Mangel des normal im Körper vorkommenden Hormons Insulin. Die Erkrankung beginnt häufig bereits schon im Kindesalter. Als Ursache wird oft eine Fehlreaktion des Immunsystems angesehen, durch welche die Insulin-produzierende Zellen in der Bauchspeicheldrüse absterben. Dies bewirkt, dass der Blutzuckerspiegel der Patienten ansteigt. Die Erkrankten müssen sich ab diesem Zeitpunkt Insulin spritzen.

Wodurch entsteht Typ-2-Diabetes?
Typ-2-Diabetes kann eher auf eine ungesunde Ernährung, Übergewicht und mangelnde Bewegung zurückgeführt werden. Verschiedene Mechanismen werden durch diesen ungesunden Lebensstil ausgelöst. Sie führen auch dazu, dass sich eine sogenannte Insulinresistenz entwickelt und die Werte von Glukose im Blut viel zu hoch sind. Eine gesunde Ernährung, körperliche Aktivität und Medikamente können Betroffenen dabei helfen, ihren Blutzucker wieder unter Kontrolle zu bekommen. Es gibt aber auch Fälle, bei denen Erkrankte Insulinspritzen verwenden müssen. (as)