Die meisten Männer waschen nach dem Toilettengang nicht richtig ihre Hände

Alfred Domke

Hände weg von Männerhänden: Frauen waschen sich Hände öfter und gründlicher

Gründliches Händewaschen ist eine der wichtigsten Maßnahmen, um sich vor Krankheiten wie Grippe oder Erkältung zu schützen. Doch vor allem das starke Geschlecht nimmt es mit der Hygiene offenbar nicht so genau. Laut einer aktuellen Studie waschen sich Frauen die Hände öfter und gründlicher als Männer.


Zahlreiche infektiöse Krankheiten werden über die Hände übertragen

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden bis zu 80 Prozent aller infektiösen Erkrankungen über die Hände übertragen. Medizinern zufolge kann das Risiko, an Magen-Darm-Infektionen, Durchfall, Grippe oder Erkältung zu erkranken, durch richtiges Händewaschen deutlich reduziert werden. Doch viele Menschen nehmen es mit der Handhygiene offenbar nicht so genau, wie eine neue Studie zeigt. Demnach waschen sich nur acht Prozent ihre Hände in korrekter Weise. Vor allem Männer haben hier Nachholbedarf.

In einer aktuellen Studie hat sich gezeigt, dass sich nur wenige Menschen die Hände nach einem Toilettenbesuch korrekt waschen. Vor allem Männer haben hier Nachholbedarf. (Bild: Alexander Raths/fotolia.com)

Gründliches Händewaschen schützt vor Krankheiten

Schon in jungen Jahren wird Kindern beigebracht, sich vor dem Essen beziehungsweise nach dem Spielen oder dem Toilettengang die Hände zu waschen.

Wichtig ist, dass die Hände nicht nur schnell unter den Wasserhahn gehalten werden, sondern gründlich gereinigt werden. Denn für einen guten Schutz vor Infektionskrankheiten muss das Händewaschen richtig und lange genug stattfinden.

Aus Expertensicht sind 20 bis 30 Sekunden notwendig, um alle Erreger abzuspülen. Um ein Gefühl für diese Zeitspanne zu bekommen, empfiehlt das Kinderhilfswerk Unicef, beim Händewaschen zweimal das Lied „Happy Birthday“ zu singen.

Im Erwachsenenalter denken viele Menschen nicht mehr über die wichtigste Hygieneregel nach und meinen, Händewaschen sei eine Selbstverständlichkeit.

Doch trotzdem sind manche dabei ein bisschen nachlässig, wie Studierende der Fakultät für Angewandte Psychologie der privaten SRH Hochschule Heidelberg im Rahmen einer Beobachtungsstudie an 1.000 Menschen feststellten.

Grippeerreger fernhalten

Zwar wütet die Grippewelle heftig wie selten, doch eigentlich wäre es einfach, die Erreger fernzuhalten: „Das Infektionsrisiko mit Viren und Bakterien lässt sich durch eine korrekt ausgeführte Handhygiene um bis zu 99,9% verringern“, heißt es in einer Mitteilung der Privatuniversität.

Denn rund 80 Prozent aller ansteckenden Krankheiten werden über die Hände übertragen, mit denen wir durchschnittlich 16 Mal pro Stunde unser Gesicht berühren.

Auf diese Weise gelangen die Keime durch Mund, Nase und Augen über die Schleimhäute in unseren Körper und entwickeln sich dort zur Infektion.

Toilettenbesucher beobachtet

Zehn Psychologie-Studierende der SRH Hochschule Heidelberg beobachteten in ihrem Experimentalpraktikum die Besucher mehrerer öffentlicher Toiletten in und um Heidelberg.

Sie schauten 1.000 Toilettenbesuchern auf die Finger und stellten fest: Rund sieben Prozent verzichteten gänzlich auf das Händewaschen. 27 Prozent wuschen ihre Hände nur mit Wasser und rund 58 Prozent benutzten Wasser und Seife, allerdings nicht mit der erforderlichen Gründlichkeit.

Lediglich rund acht Prozent reinigten ihre Hände vorbildlich.

Mit oder ohne Seife?

Wie auch andere Fachleute empfiehlt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hierfür eine mindestens 20 Sekunden dauernde Reinigung mit Wasser und Seife nicht nur der Handflächen, sondern auch der Fingerzwischenräume.

Zwar stimmt es nicht, dass Händewaschen ohne Seife sinnlos ist, doch Gesundheitsexperten zufolge sei es deutlich effektiver, wenn Seife benutzt wird, da diese Schmutz und Mikroben besser von der Haut ablöst, als Wasser allein.

Die Wassertemperatur ist dabei nicht so wichtig. Allerdings lösen sich Fett und Schmutz in warmen Wasser etwas leichter.

Bedeutender Unterschied zwischen den Geschlechtern

Wie sich in der Heidelberger Studie zeigte, bestand auch zwischen den Geschlechtern ein bedeutender Unterschied im Händewaschverhalten.

Während circa elf Prozent der Männer auf das Reinigungsritual gänzlich verzichteten, waren es bei den Frauen nur drei Prozent.

Mit Wasser und Seife, allerdings ohne Berücksichtigung der Intensität, rückten immerhin 82 Prozent der untersuchten Frauen den Ansteckungskeimen auf den Leib.

Bei den Männern waren es nur 51 Prozent. Der Handkontakt mit Männern birgt also ein höheres Übertragungsrisiko. „Dieser Unterschied hat uns schon schockiert“, sagte die SRH-Studentin Jana Zeeb.

„Allein in Deutschland machte die Pharmaindustrie im Jahr 2016 mit Erkältungsmitteln einen Umsatz von über 700 Millionen Euro. Nicht nur die Kosten für den einzelnen, sondern auch für Gesellschaft und Wirtschaft sind enorm“, erklärte Prof. Dr. Frank Musolesi, Leiter der Beobachtungsstudie.

Auch die Arbeitsunfähigkeitstage bedeuten Produktionsausfälle in Höhe von mehreren Milliarden Euro für die deutsche Wirtschaft.

„Dabei lassen sich Infektionskrankheiten durch regelmäßiges Händewaschen wirksam und kostengünstig vermeiden, und dies ganz ohne Nebenwirkungen“, so Musolesi. (ad)